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Brutzeit von Vögeln: Wie sich Garten und Balkon vogelgerecht gestalten lassen

Brutzeit von Vögeln : Wie sich Garten und Balkon vogelgerecht gestalten lassen

Spatzen, Rotkehlchen, Meisen und Buchfinken – Heinz Meyers Garten in Ückesdorf wird von vielen heimischen Vogelarten besucht. Ein Experte erklärt, wie man Vögeln im eigenen Grundstück helfen kann.

Wenn Heinz Meyer morgens beim Frühstück auf seiner Terrasse sitzt, schaut er den Vögeln beim Rundflug zu. „Das morgendliche Gezwitscher ist so schön“, beschreibt der Rentner das tierische Treiben in seinem Garten. Damit sich die Tiere rundum wohlfühlen, hängt Meyer ganzjährlich Vogelfutter in den Bäumen aus. „An den Meisenknödeln picken die Vögel. Das Wildvogelfutter fülle ich immer nach, weshalb ich viele Vögel in meinen Garten habe“, berichtet Meyer. Fressfeinde wie Tauben und Elstern verscheucht der Bonner. „Ich habe da immer ein Auge drauf. Wenn die Tauben mich kommen sehen, fliegen die sofort weg, weil die mich bereits kennen.“

Herzstück des großen Gartens sind wohl zwei bei Singvögeln sehr beliebte Nistkästen, die Meyer in „sicherer Höhe“ aufgehängt hat. Hier beobachtet er regelmäßig piepsende Jungvögel, die im Frühjahr von ihren Eltern umsorgt werden. „Zwischen April und Mai ist in den Nistkästen immer einiges los. Zuletzt waren es vier junge Meisen“, erzählt Meyer. Häufig soll nach der ersten Brutzeit, der bereits zweite Wurf in den Kästen sitzen. „Es gibt da keine festen Regeln. Es kommt vor, dass eine Familie zweimal im Jahr Junge bekommt.“

Aus dem Nest direkt auf den Finger

Manchmal schaut Meyer vorsichtig in die Kästen, um zu überprüfen, ob alles gut sei. „Aber ich fasse die Vögel nicht an und überlasse alles der Natur“, versichert er. Einen außergewöhnlichen Moment durfte der Ückesdorfer vor kurzem erleben. Zufällig sei ein Jungvogel bei ersten Flugversuchen direkt vom Nest auf seinem Finger gelandet. „Ich war wohl der nächstbeste Anflugpunkt, an dem sich die junge Meise festkrallen konnte“, vermutet der Rentner, der dann einfach den Finger hingehalten hatte. „Ich war sehr überrascht und perplex.“ Zufällig sei ein Nachbar zur Stelle gewesen und habe den Moment festgehalten. Nach ein paar Minuten flog der Vogel dann weiter, berichtet Meyer und schaut einem vorbeifliegenden Buchfinken hinterher. „Hier in meinen Garten ist eine ruhige Atmosphäre, das schätzen die Tiere“, sagt er.

Peter Tröltzsch von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft bekommt regelmäßig Anfragen von Bonnern zum richtigen Umgang mit Jungvögeln. „Die Bürger möchten in der Regel wissen, was sie mit verletzten oder scheinbar verlassenen (Jung-)Vögeln machen sollen. Wir verweisen dann auf die entsprechenden Auffangstationen, z.B. den Wildvogel-Notruf, der vom NABU Bonn organisiert wird“, sagt der Experte für Naturschutz und Landschaftsökologie. Das Großziehen von Vögeln, vor allem von scheinbar verwaisten Jungvögeln, empfehlt er aber nicht. „Oftmals werden z.B. flügge Jungvögel noch außerhalb des Nestes von ihren Eltern versorgt.“ Zu frühes Handeln sei daher nicht zielführend, sondern schade eher, betont Tröltzsch.

Tipps für den vogelgerechten Garten

Auf die Frage, wie die Bonner denn ihren Garten für heimische Vogelarten attraktiv machen können, hat der Experte ein paar Tipps parat: „Wichtig ist vor allem das Vorhandensein von einheimischen, idealerweise blüten- und beerenreichen Gehölzen, die die Vögel ganzjährig mit Nahrung – Insekten und Früchte – versorgen und als Brutstätten dienen können.“ Besonders wichtig seien zudem Gehölze, die in ruhigen Ecken stehen, nicht regelmäßig zum Formschnitt gebracht werden und im günstigsten Fall noch dornen- oder stachelbewehrt sind. „Wie Weißdorn, Kreuzdorn, Hundsrose, Berberitze und Schlehe.“ Fressfeinde, wie Hauskatze, Eichhörnchen oder Marder würden so daran gehindert, die in der Regel wenigen vorhandenen Nistplätze heimzusuchen.

Damit im Garten ausreichend Insekten vorhanden sind, sollten ungefüllte Blüten von Kräutern und Stauden vorhanden sein. „Überjährig sollten Altstauden in Randbereichen erhalten werden, um Puppenstadien einiger Insekten zu schützen, die dann erst im kommenden Jahr ausfliegen“, erläutert Tröltzsch. „Singvögel fressen Insekten, Sämereien und Beeren.“

Auch den Balkon kann man präparieren

Balkonbesitzer könnten ebenfalls für Vögel vorsorgen, sollten sich aber beim Gestalten ihrer Balkone gut informieren. „Sind im Umfeld des Balkons viel Glas bzw. spiegelnde Oberflächen vorhanden, sollte man Vögel nicht noch anlocken, um die Gefahr der Kollision mit den Glaselementen zu vermeiden“, warnt Tröltzsch. Balkon- und Gartenbesitzer sollten sich bewusst machen, dass man mit den herkömmlichen Nistkästen fast ausschließlich die überall vorkommenden Blau- und Kohlmeisen fördere.

Außerdem lohnt sich ein Blick auf das Umfeld: „Sind im direkten Umfeld keine Grünflächen mit Insekten vorhanden, kann das negative Konsequenzen für den Bruterfolg haben. Weniger mobile Vögel wie z.B. die Meisen müssen in der Brutzeit auf Effizienz achten und dürfen zur Nahrungssuche nicht zu viel Energie verbrauchen, um am Ende noch mit zu wenig Futter für die Jungvögel zu erscheinen.“ Das sei dann eine ökologische Falle. „Attraktiv machen kann man Balkone aber auf jeden Fall, wenn man für ein Angebot an Pflanzen, Insekten und eventuell auch Nistkästen sorgt“, so Tröltzsch. Bei höheren Stockwerken biete es sich übrigens an, für seltenere Stadtbewohner wie z.B. den mobilen Mauersegler oder der Mehlschwalbe Kunstnisthilfen anzubieten.