Erstes Bonner Kinderprinzessinnenpaar Zwillinge schreiben Bonner Karnevalsgeschichte

Röttgen · Wie viele Termine die Zwillingsschwestern Lotte und Lina werden wahrnehmen müssen ist noch nicht ausgemacht. Aber eines ist klar: An einem Tag haben sie das Bonner Prinzenpaar zu ersetzen.

Lotte I. (l.) und Lina I. zu Besuch bei der Proklamation der Lessenicher Kinderprinzessin Sophia I.

Lotte I. (l.) und Lina I. zu Besuch bei der Proklamation der Lessenicher Kinderprinzessin Sophia I.

Foto: Stefan Knopp

In Röttgen wurde am Elften im Elften Bonner Karnevalsgeschichte geschrieben: Zum ersten Mal gibt es ein Prinzessinnenpaar in der Bundesstadt. Das bestätigt auch Karl-Heinz Erdmann, Archivar des Festausschusses Bonner Karneval: „Es gab schon mal ein weibliches Dreigestirn“, erinnert er sich. Aber zwei Prinzessinnen? „Mir ist tatsächlich nicht bekannt, dass es das schon mal gab.“

Die beiden heißen Lotte und Lina, und sie sind auch noch Zwillinge. Sie stammen aus dem Hause Bauch und waren schon mit ihrer großen Schwester als Paginnen unterwegs, als die in der Session 2018/2019 als Lilli II. mit Prinz Simon I. Röttgener Tollität war. Damals war sie neun Jahre alt, so alt wie die heutigen Prinzessinnen. Das heißt, sie haben schon eine Vorstellung davon, was sie erwartet. Auch ihre Mutter, ihre Oma, ihr Opa und ihre Patentanten waren schon Tollitäten, ihre anderen Großeltern hatten in der Session 1974/75 die Witterschlicker Jecken regiert – da wollten die Zwillinge dann auch irgendwann mal.

Schon im Kinderwagen beim Röttgener Zug

Sie besuchen die Klasse 4b der Schlossbachschule, singen gemeinsam im evangelischen Kinderchor und tanzen, seit sie denken können, in der Prinzengarde Weiß-Rot Röttgen, deren erster Vorsitzender Opa Willi Juchem ist. „An Karneval treten wir immer auf. Das finde ich cool“, sagt Lotte.

Im Röttgener Karnevalszug gingen sie schon im Kinderwagen jedes Jahr mit. Logisch, dass sie jetzt auf dem Prinzenwagen, Entschuldigung, Prinzessinnenwagen stehen. Apropos: Zumindest für diese Session müsste sich doch der Verein in „Prinzessinnengarde“ umtaufen!

Lina hatte als erstes die Idee, Prinzessin sein zu wollen. „Am Anfang wollte ich das mit einem Freund machen, aber der wollte dann nicht, weil er Angst hatte, dass er sich auf der Bühne verspricht“, erzählt sie. Stattdessen fragte sie ihre Schwester. Beim Vereinsfest der Garde im Pfarrsaal der evangelischen Kirchengemeinde wurden die Zwillinge proklamiert.

Das ging allerdings nur, weil der Verein tatsächlich zwei Prinzessinnen-Ornate hat. „In verschiedenen Größen für große und kleine Mädchen“, erklärt Juchem. Das traf sich gut, denn Lotte ist zwar die Ältere, aber Lina deutlich größer – dass sie Zwillinge sind, würde man nicht auf den ersten Blick erkennen. Auf Lottes Schiffchen ist allerdings noch „Lilli II.“ aufgestickt. „Wir hatten neue Kappen bestellt, aber die sind nicht rechtzeitig fertig geworden“, erklärt der Großvater. Also musste man auf bestehende Kopfbedeckungen zurückgreifen.

Stellvertreterinnen fürs Prinzenpaar

Lilli begleitet die Zwillinge als Pagin zusammen mit Marla, einer gemeinsamen Freundin. Wie viele Termine sie haben werden, können sie noch nicht einschätzen. Die meisten Termine würden erst nach Weihnachten gebucht, so Juchem. Aber eins wissen sie schon: Weiberfastnacht wird ein anstrengender Tag. Da haben sie rund zehn Termine, bei vielen tanzen sie auch in der Garde mit. Anschließend ziehen sie schnell ihren Unterrock aus, unter dem sie noch den Garderock tragen.

Lotte I. und Lina I. freuen sich auf ihre Session und vor allem auf ihren Zug am Sonntag, 11. Februar, ab 14 Uhr. Auch im Ippendorfer Zug eine Woche vorher würden sie gerne mitgehen. Aber an dem Tag werden sie bei den Bonner Stadtsoldaten auf dem Marktplatz das Bonner Prinzenpaar vertreten, das dann in Venedig weilt.

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