Bonner Schulen Hitzefrei erhitzt die Gemüter

BONN · Auch am Mittwoch hatten angesichts der tropischen Temperaturen wieder Tausende von Bonner Schülern hitzefrei und bevölkerten bereits am frühen Mittag die Schwimmbäder. An einigen Schulen mussten ihre Altersgenossen dagegen bis zum bitteren Unterrichtsende ausharren. Wie zum Beispiel am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium. Dort kam es sogar zu einer Spontandemonstration, weil Schulleiter Ulrich Drescher kein Hitzefrei geben wollte.

 Dürfen dank der Hitze früher gehen: Die Kinder der Bertolt-Brecht-Gesamtschule.

Dürfen dank der Hitze früher gehen: Die Kinder der Bertolt-Brecht-Gesamtschule.

Foto: Barbara Frommann

"Der Erlass des Schulministeriums sieht lediglich eine Empfehlung vor, bei Temperaturen ab 27 Grad Celsius in den Räumen Hitzefrei zu geben", erklärte er. Die Entscheidung sei aber jeder Schulleitung überlassen. "Weil unser Unterricht heute nur bis 12.55 Uhr lief, sah ich keine Notwendigkeit, die Schüler vorzeitig nach Hause zu schicken", erklärte Drescher. Für die Demonstration zeigte er Null Verständnis. "Wir haben so lange auf den Sommer gewartet. Es ist gerade einmal zwei Tage sehr heiß."

Allerdings: Sollte es demnächst über einen längeren Zeitraum wieder subtropisch warm in Bonn werden, dann werde auch am Kalkuhl-Gymnasium eine Lösung gefunden, damit die Schüler nicht unnötig lange in den Klassenräumen schwitzen müssen, versprach der Schulleiter. Und stellte eine Behauptung einiger Oberstufenschüler richtig: "Ich habe kein Büro mit Klimaanlage." Zudem gibt es für Oberstufenschüler dem Erlass zufolge ohnehin kein Hitzefrei.

Ebenfalls bleiben mussten die Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums in der Südstadt. "Hitzefrei passt doch nicht mehr in die Landschaft", erklärt Schulleiter Willi Nikolay. Er hat Hitzefrei grundsätzlich abgeschafft. Im Zuge des Ganztagsunterrichts, der an vielen Schulen inzwischen üblich sei, erwarteten die meist berufstätigen Eltern, dass ihre Kinder bis zum regulären Unterrichtsschluss in der Schule blieben, so Nikolay. Die Mittagessen seien schließlich auch bestellt.

"Mit Augenmaß" entscheidet Renate Gießen, wann sie ihre Schüler an heißen Tagen vorzeitig nach Hause schickt. Die Leiterin des Beethoven-Gymnasiums lässt auch Klassen in kühlere Räume umziehen, falls welche frei sind. Sollte es anhaltend richtig warm sein, dann ist am Beethoven vor allem für die Kleinsten nach der sechsten Stunde Schluss. Reinhold Pfeifer von der Bertolt Brecht-Gesamtschule hat noch eine andere Variante parat. Er verkürzt die Schulstunden. Gestern gab er seinen Schützlingen indes schon kurz nach 12.30 Uhr frei.