1. Bonn

Hund Rani rettet vermisster Frau das Leben

Hund Rani rettet vermisster Frau das Leben

Zweijährige Vierbeiner findet gestürzte alte Dame abends in Waldstück - Schäferhund-Mischling hatte erst kurz zuvor Prüfung für Hundestaffel Rhein-Sieg bestanden

Bad Godesberg. Es war an diesem kalten Dezemberabend Ranis erster Einsatz. Eineinhalb Wochen zuvor hatte der zweijährige Schäferhund-Mischling mit Herrchen Christian Poschmann die Prüfung für die Rettungshundestaffel Rhein-Sieg (BRH) mit Auszeichnung absolviert.

Und jetzt sollte Rani, indisch für "Königin", mit den anderen in der Staffel eine seit Stunden vermisste Frau suchen. "Wir hatten in Absprache mit der Polizei ein waldähnliches Gelände zu überprüfen", erinnert sich der Heiderhofer Poschmann.

Mit dem Befehl "Such und hilf" schwärmte Rani aus, durchkämmte mit dem Herrchen auch nicht einsehbare Ecken - und kehrte plötzlich mit dem "Bringsel", einem um den Hals befestigten Päckchen, im Maul zurück. "Damit zeigt das Tier uns ohne Bellen an, dass es uns zu der Person führen will", erklärt der stolze Hundeführer. Der daraufhin zu der überglücklichen Frau eilte und den Notarzt rief.

Die 90-Jährige, die in einem Beueler Altenheim wohnt, war beim Spazierengehen schwer gestürzt. Nahe einer viel befahrenen Straße hatte niemand ihre Hilferufe gehört. Das Heim hatte die Polizei und die wiederum die Rettungshundestaffel alarmiert. Alle standen unter enormem Zeitdruck. "Auch die Dame wusste, dass sie ohne Ranis Spürnase die Nacht im Freien nicht überlebt hätte", sagt Poschmann.

Dabei ist der Erfolg der cleveren Hündin und damit der gesamten BRH-Staffel keineswegs alltäglich. Innerhalb der vom Bundesverband Rettungshunde ausgeführten rund 1 000 Einsätze pro Jahr in Deutschland führen nämlich nur bis zu 40 wirklich zum Auffinden des Gesuchten. Meistens erhielte man den Auftrag, auszuschließen, dass sich Vermisste in einem Gelände aufhalten, berichtet BRH-Staffelleiterin Silvia Wessels aus ihrer 18-jährigen Erfahrung.

Sie hat aber auch schon Dramatisches erlebt. "Wenn man Suizidgefährdeten nicht mehr helfen kann, ist das schlimm", sagt die Frau, die wie alle ehrenamtlich für die Katastrophenschutzorganisation arbeitet. Derweil bekommt Rani fürs Foto ihre rote Kenndecke mit dem weißen Kreuz, den Glöckchen und dem Licht für nächtliche Einsätze angelegt.

Am Hals baumelt das "Bringsel" für die lautlose Form der Anzeige, die Wessels ihrer Musterschülerin beigebracht hat. "Rani ist sehr konzentriert, hat Lust zu arbeiten, will bringen und geben, das ist die halbe Miete", lobt die Kennerin, während die Hündin nach dem Fotografieren erst mal jede Menge Kissen herbeischleppt.

Dabei hatten die Poschmanns ihre "Königin" aus dem Bonner Albert-Schweitzer-Tierheim eigentlich als reinen Familienhund geholt. "Rani zeigte aber bald eine so wahnsinnige Lust am Suchen, dass ich mit ihr einen BRH-Schnupperkurs belegte", meint der Familienvater.

Wobei bald auch Sohnemann Alexander Feuer fing, der es inzwischen schon zum Suchgruppenhelfer gebracht hat. Einerseits sei die Rasanz der Rettungsaktionen, das Planen-, aber auch Improvisieren-Müssen, ja das Abenteuer ein Reiz bei der Sache, gibt Christian Poschmann zu. Andererseits habe er mit Rani nun auch schon ein Menschenleben retten können.

"Und das ist ein absolut tolles Gefühl, wenn das Trainierte in der Praxis funktioniert und hilft", ergänzt er und streichelt seine "Königin". Die gestürzte alte Dame hatte an dem Abend beim Anblick der Hündin sofort gewusst: "Jetzt bin ich gerettet."

Kontakt: (01 72) 2 32 88 41 oder www.rettungshunde-rhein-sieg.de. Hundestaffeln unterhalten u.a. auch Johanniter, Deutsches Rotes Kreuz oder Arbeiter-Samariterbund