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Corona-Impfung in Bonn: „Ich habe mich zum ersten Mal über Fieber gefreut“

Corona-Impfung in Bonn : „Ich habe mich zum ersten Mal über Fieber gefreut“

Menschen mit Behinderungen, die außerhalb einer Pflegeeinrichtung leben, kamen in der Impfpriorisierung zunächst nicht vor. Das hat sich geändert. Grünen-Ratsfraktionschefin Annette Standop gehört zu dieser Gruppe und ist inzwischen das erste Mal geimpft.

Annette Standop hatte sich gut überlegt, ob sie über ihre erste Impfung gegen Corona in den sozialen Medien berichten soll. Sie hat es getan. „Die Gefahr, dass man einen Shitstorm erntet, weil man als Vordrängler gilt, ist natürlich groß“, erklärt sie. Sie sei aber keine Vordränglerin. Standop, seit Beginn der neuen Ratsperiode Chefin der Grünen-Stadtratsfraktion, ist körperlich stark eingeschränkt und seit ihrer Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen. Zur Bewältigung ihres Alltags benötigt sie zudem Assistenten, die ihr rund um die Uhr zur Seite stehen.

Die 53-Jährige gilt wegen ihrer Grunderkrankung als Härtefall. Schwerbehinderte, die außerhalb einer Pflegeeinrichtung leben, waren allerdings erst nachträglich in die vordere Impfkategorie aufgenommen worden. „Von dieser Änderung wissen viele aber noch nichts. Deshalb habe ich meine Impfung öffentlich gemacht, um alle Betroffenen auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen“, erklärt sie. Aus ihrer Sicht müssten die Behörden, auch die Kommunen wie die Stadt Bonn, viel offensiver darauf hinweisen, wer sich bereits zum Impfen anmelden könne. „Sie müssten dafür alle zur Verfügung stehenden Kanäle nutzen“, meint Standop.

Geimpft worden sei sie mit dem Serum Astrazeneca. „Ich habe es zunächst gut vertragen, hatte aber am Tag danach hohes Fieber und Schüttelfrost.“ Das war allerdings schnell wieder vorbei. Ihre Reaktion zeige, dass ihr Immunsystem gut gearbeitet habe. „Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich über Fieber gefreut habe“, sagt sie und lacht.

Bislang fünf Personen als Härtefälle eingestuft

Laut Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann hat das Gesundheitsamt Bonn bislang fünf Personen in Bonn als Härtefälle eingestuft und zur Impfung gegen Corona geschickt. „Im Gesundheitsamt beurteilen mehrere Ärztinnen und Ärzte die Anfragen auf Impfpriorisierung. Diese werden nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin sowie der aktuellen Landesimpfverordnung beurteilt“, erläutert Hoffmann. Bei den meisten Anträgen handele es sich um Anfragen zu einer Gleichstellung mit anderen schwer chronisch Kranken, die in der hohen Impfpriorität vorgesehen seien. Eine Einstufung in die hohe Priorität bedeute dann, dass die Antragsteller zwar in die nächsthöhere Impfgruppe aufstiegen, aber trotzdem auf den Impftermin dieser Gruppe warten müssten.

Seit Januar erreichten das Gesundheitsamt diese Anfragen zur Gleichstellung in die hohe Priorität beziehungsweise Bitten, früher geimpft zu werden. „Genaue Zahlen können nicht genannt werden“, so Hoffmann. Fakt sei, dass die Impfanfragen über die Corona-Hotline deutlich zugenommen hätten. Diese Woche seien es mehr als 200 täglich gewesen. Im Laufe dieser Woche finde zudem ein Übergang der Impfpriorität 1 auf 2 statt. Dies betreffe insbesondere Berufsgruppen in den Sonderkontingenten der Stadt, für die der Impfstoff Astrazeneca vorgesehen sei.

Die über 80-Jährigen würden weiter über die Kassenärztliche Vereinigung terminiert. Die bereits im Februar Geimpften würden jetzt ein zweites Mal geimpft. „Ab Ende März ist per Erlass ein gesondertes Impfangebot für Personen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf angekündigt“, teilte Hoffmann außerdem mit.

Standop jedenfalls ist froh, dass es bei ihr gut geklappt hat. Noch mehr freut sie sich, wenn sie sich endlich wieder mehr unter Leute wagen kann. Ihre freiberufliche Tätigkeit als Gestalttherapeutin, Coach und Trainerin sowie ihr Ehrenamt als Fraktionsvorsitzende hat die promovierte Theologin in dieser Pandemie fast ausschließlich digital ausgeübt. Allerdings will sie sich für die zweite Impfung etwas mehr Zeit lassen. „Ich habe gehört, dass sie mit größerem Abstand zur ersten Impfung noch wirksamer sein soll.“