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IHK Bonn/Rhein-Sieg diskutiert über Tourismus in Bonn und der Region

Diskussion der IHK : Braucht die Region eine touristische Neuausrichtung?

Die Tourismus-Branche in der Region muss im Personalwesen, bei Nachhaltigkeit und inhaltlicher Ausrichtung neue Wege gehen. Die Marschrichtung aber bleibt unklar, zeigte eine Diskussion der IHK.

Um den Tourismus in der Region Bonn/Rhein-Sieg mit rund 6000 Beschäftigten steht es nicht zum Besten. Dabei hatte die Pandemie mit einer Halbierung der Gästezahlen im Jahr 2020 nur einen Booster-Effekt. In dieser Analyse waren sich alle einig, die am Donnerstagabend im Kunstmuseum Bonn auf Einladung der IHK Bonn/Rhein-Sieg Herausforderungen für den Restart diskutierten. „Es wird kein Weiter-so geben können“, bilanzierte IHK-Vizepräsidentin Ruth Maria Winterwerp-van den Elzen, die hauptberuflich das Collegium Leoninum leitet. Der Branche werde jetzt die Quittung für strategische Fehler in der Vergangenheit serviert. Gemeint ist vor allem die Konzentration auf Geschäftsreisende und Tagungstouristen, die seit 2020 in besonders großer Zahl fernbleiben. Gemeint sind aber auch Defizite in der Personalführung in vielen Betrieben des Gastgewerbes.  

Klimakrise und Artensterben

Wer nach dem ernüchternden Fazit allerdings einen Ruck unter den Versammelten erwartet hätte, der wurde enttäuscht. Über die notwendige Neuausrichtung der touristischen Region gehen die Meinungen so weit auseinander wie eh und je. Dabei hatte Gabriel Laeis den Gastgebern in Hotellerie und Veranstaltungsmanagement erfrischend deutlich den Handlungsbedarf aufgezeigt. Der nötige Horizont ist ihm dabei zu eigen. Nach beruflichen Stationen unter anderem in China, Fiji und zuletzt Neuseeland hat der Neu-Bonner seit Kurzem eine Professur für Tourismusmanagement an der Internationalen Hochschule in Bad Honnef inne. Aus der Corona-Pandemie sowie im Anschluss daran aus der sich stetig verschärfenden Klimakrise und dem weltweiten Artensterben erwachse unaufschiebbarer Handlungsbedarf, warnte Laeis.

Umfrage: 85 Prozent wünschen sich mehr Nachhaltigkeit

In einer großen Umfrage des Buchungsportals Booking.com wünschten sich 85 Prozent der Befragten mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Geschäftsreiseanbieter machten Neuverträge von messbaren Nachhaltigkeitszielen abhängig, berichtete Laeis: „Da sind Sie hier nicht so wahnsinnig gut aufgestellt“. Hotels müssten beispielsweise ihre Ölheizungen auf Strom umstellen oder in enger Kooperation mit regionalen Erzeugern in der Küche Produkte aus der Nachbarschaft verwenden.

Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung

Als „Eiterbeule“ der Branche bezeichnete er deren Personalgewinnung. Selbst der Fleischindustrie gelinge es mittlerweile besser, potenzielle Bewerber anzusprechen. So habe ein Bonner Hotel jüngst damit geworben, die Uniformen der Angestellten zu stellen und zu reinigen. So etwas sei selbstverständlich. Darauf zu verweisen, wirke auf junge Leute regelrecht abschreckend. Für die Region zeigte Laeis Trends und Potenziale auf. Diese lägen derzeit eindeutig im Aktiv-Tourismus mit Wandern und Radfahren, in gelebter Regionalität und bei authentischen Gastgebern. Vor allem dürfe man sich nicht in einer Vielzahl von Themen verzetteln. Beethoven als Zugpferd nannte er explizit nicht.

Image-Kampagne „Region Bonn, überrascht?“

Eben eine Vielzahl von Schätzen des Rheintals will der neue Marketing-Fachmann der Tourismus und Congress GmbH (T+C), Christian Heuter, mit einer Image-Kampagne unter dem Motto „Region Bonn, überrascht?“ in den benachbarten Bundesländern vorstellen. Da könne durchaus Schloss Drachenburg mit Neuschwanstein konkurrieren, wenn auch augenzwinkernd, glaubt er. Bonn sei „völlig behämmert, bekloppt und bescheuert“, wenn es sich nicht weiterhin vor allem als Beethovenstadt verkaufe, hielt der Hotelier Fritz Georg Dreesen dagegen, der weiterhin dem abgelehnten Festspielhaus nachtrauert. Dreesen spricht als Vorsitzender auch für den Tourismus Förderverein Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler e.V., der die T+C finanziell unterstützt. Auch dem Collegium Leoninum habe das Beethoven-Jubiläum einige Reisegruppen gebracht, berichtete Winterwerp-van den Elzen.

Stadtrundfahrten neuerdings in Mundart

In der renovierten Tourist-Info gehe man immerhin behutsam neue Wege, berichtete deren Leiterin Melanie von Seht. So gebe es die Stadtrundfahrten neuerdings auch in Mundart. Und auch im Bonn-Shop können Kunden, die den Button links oben finden, jetzt online Fahrradklingeln, Frühstücksbrettchen und Weihnachtskugeln mit dem Bonner Kussmund ebenfalls in Bönnsch einkaufen. Unter anderem im Angebot: „En Kuél voller Kiéschboomblöte“. Schneekugel war gestern.