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Immer mehr Kunden, immer weniger Verluste im Nahverkehr

Immer mehr Kunden, immer weniger Verluste im Nahverkehr

Stadtwerke Bonn legen Rekordbilanz vor - Minus wurde 2007 auf 30 Millionen Euro gesenkt - Fast 80 Millionen Fahrgäste nutzen Bus und Bahn

Bonn. "Ich bin sehr stolz." Der Chef der Stadtwerke Bonn (SWB), Hermann Zemlin (67), brachte es vier Monate vor seiner Pensionierung am Mittwoch auf den Punkt: So viele Menschen wie nie fahren in Bonn mit Bus und Bahn.

Gleichzeitig sind die Verluste der deutlich geringer ausgefallen. Zemlins Stolz in Zahlen: Nur ganz knapp wurde im vorigen Jahr die 80-Millionen-Hürde verpasst. 79,6 Millionen Fahrgäste zählten die SWB in ihren Bussen und Bahnen, so viele waren es noch nie. Zehn Jahre zuvor, kurz bevor Zemlin seinen Job in Bonn antrat, waren es "nur" 68 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

Fast noch besser sieht die finanzielle Bilanz der SWB-Sparte Bus und Bahn aus: Die Verluste wurden im Jahr 2007 auf 30,1 Millionen Euro gesenkt, wiederum zehn Jahre zuvor lagen die jährlichen Miesen noch bei umgerechnet 40 Millionen Euro. Bemerkenswert dabei: Der geringste Verlust der SWB-Verkehrs GmbH überhaupt wurde erreicht, ohne dass gravierende Einschnitte beim Fahrplan-Angebot vorgenommen wurden.

"Ich gehe davon aus, dass wir das Ergebnis von 30 Millionen Euro in diesem Jahr noch einmal unterbieten werden", sagte Zemlin am Mittwoch und sieht den öffentlichen Nahverkehr vor einer "großen Zukunft". Nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch weil viele Menschen sich ihre Autos immer weniger leisten könnten.

Dass die Bilanz so positiv ausfallen würde, war nicht unbedingt absehbar. Öffentliche Förderungen zum Beispiel für den Schülerverkehr gingen zurück, die Spritkosten im Gegenzug nach oben. Trotzdem investierten die SWB in neue Fahrzeuge, in die Digitalfunktechnik, bauten eine neue Leitstelle auf und installierten Fahrplan-Anzeigen an Haltestellen.

"Mein Dank geht an die Belegschaft", sagte Zemlins Geschäftsführer-Pendant Heinz Jürgen Reining. Denn Betriebsrat und Mitarbeiter hätten beim Sparkurs mitgezogen und einen neuen Tarifvertrag mit längeren Arbeitszeiten möglich gemacht. Dadurch, so Reining, könne man einen Teil der höheren Kosten auffangen.

In diesem Zuge werden bis 2013 insgesamt 114 Stellen abgebaut, indem frei werdende Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden. Besonders positiv haben sich die Fahrgeld-Einnahmen entwickelt, von 44 Millionen Euro (2006) stiegen sie auf 48 Millionen Euro (2007). "Eine noch immer wachsende Zahl treuer Stammkunden hat sich ganz dem Nahverkehr verschrieben", meinte Reining.

Er hofft, bei den Fahrgastzahlen noch in diesem Jahr die magische 80-Millionen-Marke knacken zu können.

Vor allem die Anzahl der Job-Tickets steigt seit 2003 konstant, inzwischen sind davon 57 000 Stück im Umlauf. Außerdem zählen die SWB 50 000 Semester- und Schüler-Tickets sowie mehr als 20 000 Abos anderer Art. Das geht aber zu Lasten der Einzeltickets. Nur noch elf Prozent aller Fahrgäste lösen ein Papier-Ticket aus dem Fahrschein-Automaten.

Zufriedenheit auch beim Aufsichtsrat. "Wir sind für viele Arbeitnehmer eine echte Alternative zum Auto", sagte Vorsitzender Werner Esser (SPD) und sieht Bonn gut gerüstet für die Zukunft.

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