Stadtkrippe im Bonner Münster Jesuskind zwischen Markt und Stadthaus

BONN · Noch bis Sonntag ist die neue Stadtkrippe im Bonner Münster zu sehen. Doch die Idee der regionalisierten Krippe lebt weiter. Denn die Krippe ist nach wie vor im Aufbau. Wer möchte, kann noch weitere Figuren spenden, so Reinhard Sentis, Sprecher des Stadtdekanats. "Gespendet werden Figuren, keine Persönlichkeiten", beton Sentis.

 Da haben noch ganz viele Figuren Platz: Die Stadtkrippe im Bonner Münster ist nach wie vor im Aufbau.

Da haben noch ganz viele Figuren Platz: Die Stadtkrippe im Bonner Münster ist nach wie vor im Aufbau.

Foto: Volker Lannert

Prinz Simon I. und Bonna Verena I. etwa, die sich gestern Abend die Krippe ansahen, könnten ein Bonner Prinzenpaar stiften. Die Gesichtszüge der Tollitäten würden die neuen Figuren aber nicht bekommen, so Sentis schmunzelnd. Bislang sind zwölf Figuren zusammengekommen, die zum Teil das Dekanat beigesteuert hat - etwa der Obdachlose, der die Zeitung Fifty-Fifty verkauft. Die Stadtwerke Bonn spendeten einen Busfahrer, der an der Haltstelle steht, der Ökomarkt einen Marktverkäufer. Auch private Spender sind dabei. Wer will, kann sich mit einer weiteren Figur einbringen.

"Ines Knauber-Daubenbüchel und ihre Mitarbeiter haben sich sehr engagiert und die ganze Bonner Stadtkulisse beigesteuert", berichtet Sentis. Dazu wurden Postamt, Stadthaus, Post Tower, UN-Hochhaus und andere markante Silhouetten Bonns maßstabgetreu am Computer gezeichnet und nachgebaut.

Die Idee zu der neuen Krippe sei zwar im Team der katholischen Citypastoral entstanden, inspiriert worden sei man aber von Franz von Assisi, so Stadtdechant und Münsterpfarrer Monsignore Wilfried Schumacher.

Als dieser 1223 die erste Krippe gebaut habe, habe er damals das Evangelium anschaulich machen und verdeutlichen wollen, "in welcher Einfachheit Gott Mensch geworden ist. Wir sind wie Franziskus überzeugt, die Menschwerdung unseres Gottes ist keine fromme Geschichte von anno dazumal, sondern betrifft uns heute, mitten in unserem Leben, in unserer Stadt."

So wolle man demonstrieren, dass die theologischen Aussagen von damals auch den Menschen heute betreffen. "Jesus hat auch für die Menschen heute gelebt und ist für die gestorben", sagt Reinhard Sentis Sentis.

Daher kann sich das Team um Diakon Klaus Ersfeld, der das Krippen-Projekt leitet, sehr gut weitere Figuren aus dem Bonner Stadtleben vorstellen - vom Zeitungsausträger über den Burschenschaftler bis hin zum Rockmusiker.

Die Ideen für die Ausstattung der Figuren und der einzelnen Szenen kommen von Josef Feikes, Brudermeister der Cassius Bruderschaft, und dessen Frau Kriemhild, die sie auch umsetzen, wobei Kriemhild Feikes vor allem für das Nähen der Gewänder und Kleidung zuständig ist.

Geschnitzt werden die Figuren von Michael Pfaffenzeller von der Werkstatt Klucker in Oberammergau. "Wir mussten noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, bis er bereit war, den Figuren auch moderne Gesichter zu verpassen", erzählt Sentis lachend.

Aber auch da bewegten sich die Bonner ganz in der Krippentradition. "Auch die Künstler der Renaissance verlegten ihre Weihnachtsdarstellungen nicht selten in ihre Zeit und lokalisierten sie in ihrer Region", weiß Schumacher. "Wir möchten gerne in den kommenden Jahren weitere Typen hinzufügen und würden uns freuen, wenn einzelne Personen oder auch Gruppen hierfür Figuren spenden würden."

Interessenten schreiben an Bonner Münster, Citypastoral. Stadtkrippe, Postfach 7190, 53071 Bonn, oder schicken eine Mail an stadtkrippe@bonner-muenster.de

Weihnachtszeit

Seit der Liturgiereform in der katholischen Kirche von 1970 endet die Weihnachtszeit mit dem Fest "Taufe des Herrn", das am Sonntag nach dem Dreikönigstag gefeiert wird. Davor dauerte die Weihnachtszeit 40 Tage und endete erst am 2. Februar mit dem Fest "Darstellung des Herrn", das im Volksmund auch "Maria Lichtmess" genannt wird. Im Bonner Münster beginnen diesem Sonntag die Gottesdienste um 10 und 18.30 Uhr am Johannes-Altar im südlichen Querhaus, auf dem die biblische Erzählung von der Taufe Jesu im Jordan dargestellt ist.

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