1. Bonn

Kein Mord und kein Totschlag blieben unaufgeklärt

Kein Mord und kein Totschlag blieben unaufgeklärt

Bilanz der Staatsanwaltschaft zufolge wurden alle Tötungsdelikte des Jahres aufgeklärt - Selbstmord im Siegburger Gefängnis als Mord enttarnt - Nach 21 Jahren fasst Polizei mutmaßlichen Täter von Morenhoven

Bonn. Als am Morgen des 12. November drei Häftlinge in der Siegburger Justizvollzugsanstalt Alarm schlagen, weil sie angeblich ihren 22-jährigen Mitgefangenen erhängt in der Gemeinschaftszelle gefunden haben, sieht es aus wie ein Selbstmord.

Und vielleicht wären die drei Gefangenen mit ihrem perfiden Plan durchgekommen, wenn der ermittelnde Staatsanwalt Robin Faßbender nicht so gründlich gewesen wäre und eine Obduktion angeordnet hätte:

Was als Selbstmord getarnt war, entpuppt sich als bestialischer Foltermord, der das Vollzugswesen auf den Prüfstand stellt ( der GA berichtete mehrfach). Für die Staatsanwaltschaft wurde dieses so genannte Todesermittlungsverfahren zu einem von zwölf versuchten und vollendeten Tötungsdelikten, die im Jahr 2006 begangen - und allesamt aufgeklärt wurden.

Und dass Behördensprecherin Monika Nostadt-Ziegenberg dieser 100-prozentigen Aufklärungsquote noch einen weiteren Fall hinzufügen kann, schreibt sie vor allem dem großen persönlichen Einsatz - über die normale Arbeitszeit hinaus - der zuständigen Kollegin aus den eigenen Reihen und dem ermittelnden Kripobeamten zu.

Nach 21 Jahren wurde im September nach einem Massenspeicheltest und anhand von DNA-Spuren der mutmaßliche Täter gefasst, der Silvester 1985 die 38-jährige Heilpraktikerin Dorothea Reischl in der Morenhovener Mühle ermordet haben soll. Der 51-Jährige sitzt in U-Haft und muss mit einer Mordanklage rechnen ( der GA berichtete).

Wie Sprecherin Nostadt-Ziegenberg mitteilt, wurden bis Freitag 1202 Todesermittlungsverfahren eingeleitet und bearbeitet. Dabei handelt es sich um Fälle mit nicht eindeutiger Todesursache - wie der Mord in der JVA Siegburg. Entweder kann der Arzt die Ursache nicht erkennen, wie zum Beispiel bei plötzlichen Kindstoden, oder aber bei Unfällen, die genauerer Klärung bedürfen.

Und es kommt immer wieder vor, dass auf diese Weise ein Verbrechen ans Licht kommt, wie in dem Fall, der am 27. Juli vom Bonner Schwurgericht, wie berichtet, mit achteinhalb Jahren Haft geahndet wurde: Ein 34-Jähriger hatte in Alfter einen Raub mit Todesfolge begangen - und als Treppensturz des Opfers zu tarnen versucht. Taten, die in diesem Jahr begangen und schon abgeurteilt wurden:

18. Januar 2006: Ein 31-Jähriger tötet seinen 26-jährigen Freund um ein Haar mit einem Messerstich ins Herz. Das Schwurgericht verurteilt ihn am 14. August zu viereinhalb Jahren Haft.

Mai 2006: Eine 62-jährige Altenpflegerin will mit ihrem 60-jährigen Geliebten ihren 76-jährigen reichen Lebensgefährten zusammenschlagen lassen. Der Auftragstäter ist ein verdeckter Ermittler der Polizei, die beiden werden am 14. November wegen Anstiftung zum Raub zu zweijährigen Bewährungsstrafen verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt, sie geht von versuchter Anstiftung zum Mord aus.

3. Juni 2006: Zwei Männer verletzen einen Bekannten in Lohmar mit einer abgebrochenen Flasche am Hals schwer. Sie werden am 7. Dezember zu vier Jahren Haft und 22 Monaten auf Bewährung verurteilt. In den übrigen Fällen warten die mutmaßlichen Täter noch auf ihren Prozess.

Darunter auch die beiden jungen Männer, die eine 88-Jährige in Troisdorf-Sieglar beim Handtaschenraub tödlich verletzten, und der Enkel, der seine Großmutter in Sankt Augustin erschlagen haben soll. Derweil versuchen die Ermittler mit Hilfe von DNA-Spuren, weitere alte Morde aufzuklären.