Kunst in der Stadt Kritik gibt es immer, Sponsoren sind selten

BONN · Skulpturen im Stadtbild haben es nicht leicht: Beispiele aus der Bonner Geschichte, vom Beethovendenkmal bis zu Henry Moores "Large Two Forms". Und was meinen Sie?

Die Kunst im öffentlichen Raum hatte in Bonn nicht den leichtesten Stand. Aus heutiger Sicht gar nicht so abwegig - siehe August Macke Haus, das erst durch eine private Initiative gerettet wurde -, gestaltete sich im 19. Jahrhundert eine Ehrung des anderen großen Künstlers der Stadt, Ludwig van Beethoven. Man wollte ihm ein Denkmal setzten, doch die Stadt gab sich hartleibig.

Erst als Bürger unter August Wilhelm von Schlegel einen "Bonner Verein für Beethovens Monument" gründeten, kam Bewegung in die Sache. Man sammelte Spenden. Die Stadt aber blieb hart. Franz Liszt, ein großer Verehrer Beethovens rief frustriert: "Eine kleine Stadt kann das Glück haben, dass in ihr ein großer Mann das Licht der Welt erblickt; aber kleinstädtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden."

Schließlich griff Liszt in die eigene Schatulle und bestritt ein Fünftel der Kosten. Das Ganze für ein Werk, das recht brav daherkommt, kritisiert wurde und doch Bonnern wie Touristen ans Herz gewachsen ist.

So viel zum Komplex Stadt, Kunst im öffentlichen Raum. Kritik gibt es immer, Sponsoren sind Mangelware. Gerade erst Markus Lüpertz' Skulptur "Hommage an Beethoven" auf dem Alten Zoll hat gezeigt, wie schwierig es mitunter ist, Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren.

Eine Empörungswelle schwappte über das Werk. Inzwischen haben viele Bürger ihre Distanz zum Werk abgebaut: Man arrangiert sich. Das beste Zeichen: Mit dem Smartphone werden "Selfies", also Selbstporträts mit der Skulptur gemacht und über soziale Netzwerke an Freunde geschickt. Ein gutes Zeichen für Akzeptanz. Übrigens: Am Freitag entstand keine fünf Minuten nach der Enthüllung von Tony Craggs "Mean Average" auf dem Remigiusplatz das erste Selfie eines Passanten.

Ein großes Thema bei Kunst im öffentlichen Raum ist die Finanzierung. Denn gewöhnlich finanzklamme Städte wie Bonn begrüßen zwar Kunst im Stadtbild, können sie aber nicht bezahlen. Im Fall von Lüpertz und Cragg organistierte die Bonner "Stiftung für Kunst und Kultur" das Sponsoring.

Beim Kunstwerk "De Musica IV" von Eduardo Chillida auf dem Münsterplatz war es komplizierter. Der 9,6 Tonnen schweren Stahlskulptur war nicht nur ein elfjähriger politischer Prozess vorausgegangen, auch die Finanzierung gestaltete sich schwierig: Letztlich beteiligten sich das Kunstmuseum, zwei Stiftungen sowie das Land, und der ehemalige Bonner OB Hans Daniels legte noch 100.000 Mark drauf.

Manches kommt auch als Geschenk in die Stadt: Henry Moores "Large Two Forms" stellte der Bund in Bonn auf. Kanzler Helmut Schmidt liebte sie, aber auch sie war unter den Bürgern hoch umstritten...

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