1. Bonn

Landesvertretungen: Bayern - Wichtiges Zeugnis des Bonner Provisoriums

Landesvertretungen: Bayern - Wichtiges Zeugnis des Bonner Provisoriums

GA-Serie Ehemalige Landesvertretungen: Bayern-Gebäude ist heute Sitz der Stiftung Denkmalschutz

Bonn. Der Freistaat Bayern war das erste Bundesland, das für seine Vertretung beim Bund in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn einen Neubau plante - und das letzte, das sein Eigentum verkaufte. Zehn Jahre lang hatte das Finanzministerium des Freistaates einen Käufer gesucht, mit 50 Interessenten verhandelt - doch zu einem Vertragsabschluss kam es erst im vergangenem Jahr.

Neuer Eigentümer ist seither die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die seit ihrer Gründung vor 26 Jahren ihren Sitz in mehreren Jugendstilbauten in Bad Godesberg hatte. 1953 begann Architekt Sep Ruf, der auch für den Kanzlerbungalow verantwortlich zeichnete, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundeshaus mit dem Bau der fortschrittlichen und modernen "weißblauen Botschaft", wie die Landesvertretung auch genannt wurde.

Die Konstruktion des dreigeschossigen Bürohauses in "Stahlbetonskelettbauweise" wirkt bis heute provisorisch und wurde genau deshalb unter Denkmalschutz gestellt. Begründung: "Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte als Zeugnis für den Ausbau der Stadt Bonn zur provisorischen Hauptstadt in der Nachkriegszeit Deutschlands."

Als besondere Attraktion galt in Bonner Tagen insbesondere der rustikale Bierkeller. Mit dessen Einbau war die bayerische Vertretung die erste, die einen geselligen Ort von Anfang an mit eingeplant hatte. Dieser Ort konnte allerdings nach dem Eigentümerwechsel nicht mehr erhalten werden und dient heute als Archiv der Stiftung.

Das ursprüngliche Erscheinungsbild ist nach zahlreichen Umbauten noch am besten an der Rückseite und im Inneren ablesbar. Bei den jüngsten Renovierungsarbeiten wurden unter anderem das Foyer und der Pavillon Ursprungsfassung wiederhergestellt.

Weitsichtig wie die Bayern waren, kauften sie übrigens in Berlin als erstes Bundesland ein Gebäude für ihre neue Vertretung: für knapp 60 Millionen Mark erwarben sie Anfang der 90er Jahre das alte DDR-Verkehrsministerium.