1. Bonn

"100 Köpfe: Wir sind Bonn": Margie Kinsky: Die Lebenslust in Person

"100 Köpfe: Wir sind Bonn" : Margie Kinsky: Die Lebenslust in Person

Maria Grazia Alice Eleonora Kinsky kam am 21. April 1958 in Rom zur Welt - als Tochter einer Gräfin. "Ich bin aber nicht adelig", sagt Margie Kinsky und lacht.

Ihre Mutter stammt aus einem böhmischen Adelsgeschlecht und war damals mit zwei Söhnen mehr oder weniger vor dem Ehemann, mit dem sie als 16-Jährige verheiratet worden war, und vor den politischen Verhältnissen in die Schweiz und später nach Rom geflüchtet. Dort lernte sie Margies Vater kennen, einen Italiener, den sie aber nie heiratete. Schon das allein wäre reichlich Stoff für einen Roman.

Wenn die Bonner Kabarettistin aus ihrem Leben erzählt, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Die 57-Jährige ist eine richtige Geschichtenerzählerin. "Wäre ich in Rom geblieben und hätte dort die Springmaus gegründet, das hätte da keinen interessiert, ich wäre wahrscheinlich dann doch nur eine italienische verrückte Mama geworden ", sagt sie in ihrem unverwechselbaren Mischmasch aus Rheinisch, Italienisch und Englisch. Denn der Italiener an und für sich sei im normalen Leben so wie die Springmäuse auf der Bühne: Lustig und spontan.

Na, da kann man nur froh sein, dass die böhmische Gräfin das wilde Huhn, das Margie Kinsky mit 19 war, nach Bonn verfrachtete. Dort lebte sie zunächst als Au-pair-Mädchen bei einer Diplomatenfamilie. Später studierte sie Romanistik an der Bonner Uni. Die junge Frau, die in Rom dank ihrer wesentlich älteren Brüder früh in die Künstlerszene eingeführt wurde und dabei auch Regisseur Federico Fellini kennenlernte, suchte natürlich auch in Bonn schnell Kontakt zu Schauspielern und Theaterleuten. Sie lernte ihren heutigen Mann, den kanadischen Schauspieler Bill Mockridge (Lindenstraße) kennen. Mit ihm, Andreas Etienne und anderen gründete sie 1983 das Springmaus-Improvisationstheater im Anno. Später zogen sie in Kellerräume an die Oxfordstraße um, 1993 dann fanden Margie & Co. ihre feste Bleibe im Springmaus-Theater an der Frongasse in Endenich - in einer ehemaligen Turnhalle.

"Holzfäller", nennt sie ihren Mann in Anspielung auf seine kanadischen Wurzeln. "Er ist das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte", sagt sie und strahlt. Die beiden sind seit 32 Jahren verheiratet. Sechs Söhne hat sie zur Welt gebracht und dabei das Theaterspielen nie aufgegeben. Und das Haus in Endenich, in dem die Familie seit 1989 lebt, ist auch nicht gerade klein. Dazu der Garten und die Hunde, zwei Möpse. Wie schafft frau das? Eigentlich kann man sich die Frage sparen. Man muss Margie Kinsky nur anschauen und weiß die Antwort: Die 57-Jährige sprüht förmlich vor Lebenslust und Energie.

Margie Kinsky ist überzeugte Katholikin und ein gläubiger Mensch. "Ich bin aber nicht fromm", betont sie, "ich renne nicht jeden Sonntag in die Kirche." Leidenschaftlich gern sammelt sie Krippen. Und Heiligenfiguren. Das ganze Haus ist damit bestückt. Die größte, eine Madonna, fast so groß wie sie, steht in ihrem Schlafzimmer. "Diese Leidenschaft ist bestimmt in Rom geboren worden. Da habe ich immer 100 Lire in die Madonna geworfen, damit sie so schön leuchtet. Das prägt", erinnert sie sich.

Wenn Kinsky von ihren Söhnen spricht, werden ihre Züge ganz weich. Obgleich sie zugibt: "Wenn du versuchst, sechs Jungs wie meine zu erziehen, ist das so, wie wenn du versuchst, einen Pudding an die Wand zu nageln." Einer von ihnen, Luke Mockridge, ist inzwischen als Comedian dank Fernsehen bundesweit bekannt. "Heute sagen die Leute nicht mehr, ach so, du bist die Frau von Bill, sondern du bist die Mutter von Luke ", sagt Kinsky.

Da untertreibt die Frau, die sonst eher fürs Übertreiben zuständig ist, gewaltig. Fast 30 Jahre lang hatte sie im Ensemble der Springmaus mitgewirkt, als sie 2011 ihr erstes Solo "Margie legt los" auf die Bühne brachte. Ein voller Erfolg, ebenso wie ihr neues Programm "Ich bin so wild nach Deinem Erdbeerpudding", mit dem sie auf vielen Bühnen in Deutschland steht. Ihr unter dem gleichen Titel erschienenes Buch ist ebenfalls ein Kassenschlager. Seither war sie in einigen Fernsehsendungen zu Gast wie im "Kölner Treff" oder bei Markus Lanz.

Trotzdem. Für Kinsky steht die Familie nach wie vor an erster Stelle. So sind italienische Mamas eben. Ja, und sie ist stolz auf Luke und die anderen Jungs. Alle haben eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen. "Natürlich hatten auch wir die einen oder anderen Probleme mit ihnen, das ist doch völlig normal in so einer großen Familie. Und klar, die Polizei war auch schon mal bei uns", sagt sie in ihrer entwaffnenden Offenheit. Margie Kinsky ist trotz ihres Erfolgs natürlich und authentisch geblieben. Wer ihr im Alltag begegnet, dem zaubert sie ebenfalls mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit schnell ein Lachen ins Gesicht.

Wer sie live auf der Bühne erleben will, hat am Dienstag, 5. Mai, ab 20 Uhr im Haus der Springmaus, Frongasse, die nächste Gelegenheit dazu.