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Mehlem: Fundstück aus der jüdischen Geschichte

Mehlem: Fundstück aus der jüdischen Geschichte

Die Spuren auf dem Mehlemer Boden fördern die Vergangenheit ans Tageslicht. Verkohlte Ziegelsteine liegen dort im lehmigen, aufgewühlten Erdreich neben der Französischen Schule.

Mehelm. Die Spuren auf dem Mehlemer Boden fördern die Vergangenheit ans Tageslicht. Verkohlte Ziegelsteine liegen dort im lehmigen, aufgewühlten Erdreich neben der Französischen Schule. Es sind die Überreste der jüdischen Synagoge, die dort einst an der Meckenheimer Straße stand und 1938 niedergebrannt wurde.

Hier hat Harald Uhl jetzt mehrere verrostete Metallverzierungen gefunden. "Es ist wahrscheinlich eine Verzierung, die am Eingang angebracht war", sagt der Niederbachemer Heimatforscher. Seit mehreren Wochen ist er regelmäßig auf der Baustelle, nachdem er gehört hat, dass neben der Schule ein Spielplatz und ein Kindergarten entstehen soll - genau dort, wo die Synagoge früher stand.

"Ich habe mich mit den Bauarbeitern abgesprochen. Sie sind sehr verständnisvoll", sagt Uhl. Die ersten Arbeiten für deinen Kanal gingen jedoch wenige Meter am früheren Standort vorbei, doch die Überreste der Synagogenmauern sind deutlich zu erkennen.

Als Quelle für die Geschichte der Synagoge nennt Uhl einen akribisch recherchierten Aufsatz von Hans Kleinpass, erschienen in den Godesberger Heimatblättern (Jahresheft 1987, Heft 25). Demnach wurde die neuneinhalb Meter breite und 13,5 Meter lange Synagoge 1874 erbaut. Die Brüder Abraham und Cossmann Levy, die um 1840 von Niederbachem nach Mehlem gezogen waren, hatten ihr Grundstück zur Verfügung gestellt.

Knapp 50 Jahre später änderte sich das Leben für die Mehlemer Juden mit aller Gewalt. "Die Machtübernahme der Nationalsozialisten führten auch in Mehlem zu drastischen Änderungen auf kommunalpolitischer Ebene", schreibt Kleinpass. Die kleine jüdische Gemeinde in Mehlem wurde immer kleiner - und schließlich gingen die letzten Gemeindemitglieder zur Abhaltung des jüdischen Gottesdienstes in die Godesberger Synagoge.

Die Türen der Mehlemer Synagoge blieben verschlossen, da nach der jüdischen Lehre mindestens zehn Männer für einen Gottesdienst anwesend seien mussten. Die Repressalien, die Terror-Methoden nahmen nach und nach zu. Eines der Opfer war der jüdische Metzgermeister Josef Levy - Sohn von Cossmann Levy. Ein SS-Trupp kreuzte 1935 vor dem Hause Levy auf. Der jüdische Metzgermeister, der im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, mehrfach ausgezeichnet wurde und ein angesehener Mann in Mehlem war, wurde an einem Fleischerhaken in seiner Räucherkammer aufgehängt.

In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 rückten NS-Schergen auch in Mehlem aus. Sie steckten die Synagoge an, die völlig niederbrannte. "Später wurden die Ziegelsteine abgeräumt", berichtet Heimatforscher Uhl. Er glaubt deswegen nicht, dass noch größere kulturelle Fundstücke geborgen werden können.

Mit der Bonner Synagogengemeinde will er jetzt besprechen, was mit der geborgenen Verzierung geschieht. "Ich möchte sie gerne einem Museum übergeben." Für den Fall, dass Mehlemer Bürger schon in früheren Tagen etwas geborgen haben, bittet er um einen Anruf. "Im Namen des Heimatvereins freue ich mich sehr, wenn sich jemand meldet, der noch ein Fundstück besitzt, aber nicht weiß, was er damit machen soll."

Kontakt zum Heimatforscher Harald Uhl per Telefon unter der Telefonnummer: (02 28) 34 82 28.