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Info-Aktion zum Frauentag: Mehr als 600 Frauen suchten 2011 Schutz vor gewalttätigen Männern

Info-Aktion zum Frauentag : Mehr als 600 Frauen suchten 2011 Schutz vor gewalttätigen Männern

Mehr als 600 Frauen haben 2011 Schutz vor ihren gewalttätigen Ehemännern oder Freunden im autonomen Frauenhaus "Frauen helfen Frauen" gesucht. Platz gab es jedoch nur für rund 100 Frauen und 55 Kinder. Die übrigen Hilfesuchenden mussten wegen Überfüllung an andere Frauenhäuser in Bonn und der Region vermittelt werden.

Und auch die sind oft ausgebucht, so dass die eine oder andere Frau auch schon einmal sehr weit weg von ihrer Heimat eine Bleibe in geschützten Räumen finden muss. Das berichten am Donnerstag Ulrike Große-Kreul und ihre Mitstreiterinnen den Passanten, die an ihrem Informationsstand in der Poststraße vorbeikommen und interessiert nachfragen. "Wir brauchen unbedingt weitere Frauenhäuser", fordern sie.

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind am Internationalen Frauentag schon Stammgäste in der Innenstadt. Sie werben dort nicht nur um Verständnis für ihre Arbeit, sondern auch ganz praktisch um finanzielle Unterstützung. Denn das Geld ist knapp. Die Zuschüsse von Stadt und Land sowie die Mietzahlungen der Bewohnerinnen decken die Kosten nicht, sagt Große-Kreul.

Die Krux: "Leider gibt es trotz der mittlerweile unbestrittenen Notwendigkeit von Frauenhäusern immer noch keine gesetzliche oder verbindliche Grundlage für ihre Finanzierung." Wer sind die Frauen, die in den Frauenhäusern Schutz suchen? Auch darüber klären die Mitarbeiterinnen gerne auf: Überwiegend kommen Frauen zu ihnen, die von Männern schwer misshandelt wurden. Nicht vergessen ist der schreckliche Tod von Yvonne S. Die zweifache Mutter war 2010 von ihrem Ehemann auf offener Straße in Kessenich erschossen worden. Sie hatte sich offensichtlich zuvor im Frauenhaus nach einem Platz erkundigt und war dann doch bei Verwandten untergekommen.

Etwa die Hälfte der Frauen kommen mit Kindern; viele bleiben sehr lange im Frauenhaus. Zurzeit bis zu sechs Monaten, weil freie und bezahlbare Wohnungen in Bonn Mangelware sind.