1. Bonn

Mehr Jobs, mehr Firmen, mehr Touristen

Mehr Jobs, mehr Firmen, mehr Touristen

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch stellte den Wirtschaftsbericht für 2010 vor: "Die Wachstumstrends sind intakt."

Bonn. Die Bundesstadt ist auf Wachstumskurs. So lautet das Fazit von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Victoria Appelbe, Leiterin der Wirtschaftsförderung, die am Montag den Bonner Wirtschaftsbericht für 2010 vorstellten. "Die Wachstumstrends sind weiter intakt, und Bonn konnte neue Höchststände bei Einwohnern und Arbeitsplätzen verzeichnen", erklärte Nimptsch.

  • Arbeitsplätze: Ende Juni 2010 arbeiteten in Bonn 153 805 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: eine Steigerung um 1,6 % zum Vorjahr. Der NRW-Durchschnitt lag bei 0,9 %. Bonn hatte knapp 20 000 Jobs mehr als im Jahr des Bonn/Berlin-Umzugsbeschlusses 1991. Die Quote der hoch qualifizierten Beschäftigten lag im NRW-Städtevergleich an der Spitze: Der Akademikeranteil betrug knapp 21 %. Es folgten Aachen (17 %) und Düsseldorf (16 %). Bonns Arbeitslosenquote sank im Jahresschnitt um 0,6 Prozentpunkte auf 7,0 %.
  • Bevölkerung: Bonn gilt mit seinen rund 320 000 Einwohnern als wachstumsstärkste Stadt in NRW. Das statistische Landesamt sagt voraus, dass es bis 2030 rund 353 600 Bewohner sein werden.
  • Wirtschaftsstruktur: Das Jobwachstum kam 2010 vor allem aus dem Dienstleistungsbereich, wo 139 669 Menschen beschäftigt waren (91 % aller Beschäftigten). Entgegen dem Landestrend wuchs aber auch der produzierende Sektor um 265 Mitarbeiter (1,9 %). Als Beispiele für Unternehmen, die in Bonn ausbauen, nannte Nimptsch SGL Carbon, Kautex Textron und GKN Sinter Metals.
  • Gründungen, Insolvenzen: Die Gewerbegründungen stiegen auf 3323 (plus 2,7 %). Die Insolvenzen sanken von 194 auf 168. In beiden Bereichen war Bonn besser als der NRW-Durchschnitt.
  • Büroflächen: Bonn hat rund 3,7 Millionen Quadratmeter Bürofläche - Tendenz steigend. 2010 wurden laut Wirtschaftsförderung 89 000 Quadratmeter vermietet. Der Bürostandort sei bei einem Leerstand von rund 4,5 % stabil.
  • Tourismus: Mit 1,2 Millionen Übernachtungen registrierte Bonn 2010 einen neuen Höchststand (plus 6,1 %). Den Tourismus will die Stadt unter anderem mit einem neuen Rheinanleger für Flusskreuzfahrer ankurbeln. Am Bonner Bogen ist ein weiterer Anleger geplant; außerdem sei ein privat betriebenes Wassertaxi im Gespräch, so Nimptsch.
  • Dax-Konzerne: Die vier Bonner Unternehmen Deutsche Post, Deutsche Telekom, IVG Immobilien und Solarworld zeigen aus Sicht der Stadt die Standortstärke. Im Mai 2011 seien sie an der Börse insgesamt 63,9 Milliarden Euro wert gewesen. Dass die Konzerne den Kämmerer demnächst mit üppigen Gewerbesteuern erfreuen, bezweifelt Nimptsch allerdings: "Das sind Global Player, die die Möglichkeiten des Steuerrechts natürlich ausnutzen", sagte er. Sprich: Gewinne, Ausgaben und Verluste werden möglichst steuersparend verrechnet.
  • Gewerbegebiete: Nach Angaben von Victoria Appelbe verfügt Bonn über 450 Hektar. Vermarktbar seien derzeit etwa 41 Hektar. Rund 27 Hektar seien im Stadteigentum.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Unternehmer überzeugen"Die "stärksten Standbeine" sind für Nimptsch Forschung, Entwicklung und Innovation in der "Wissenschaftsregion Bonn". So gehörten Universität und Klinikum mit rund 8 800 Beschäftigten nicht nur zu den größten Arbeitgebern, sondern brächten jährlich auch rund 3 000 hoch qualifizierte Absolventen hervor. Auch in Zukunftsbranchen wie der Gesundheitswirtschaft sowie der Information und Kommunikation sei Bonn überdurchschnittlich stark. Allein 16 % aller sozialversicherungspflichtigen Jobs seien in der Gesundheitsbranche angesiedelt.

2013 plant die Stadt eine Erhöhung der Gewerbesteuer um 20 auf 480 Hebesatzpunkte, um den Haushalt zu entlasten. Das werde dem Standort nicht schaden, betonten Nimptsch und Appelbe: Industrie- und Handelskammer sowie einzelne Firmen hätten bislang "eher verständnisvoll" reagiert.

Mahnung von der IHKDie Region zählt aus Sicht der Industrie- und Handelskammer zu den "gut aufgestellten Wachstumsregionen in Deutschland". "Wir profitieren von der konjunkturellen Erholung, die sich in sinkenden Arbeitslosenzahlen und Zuwächsen bei Einwohnern und Unternehmen bemerkbar macht", so IHK-Sprecher Michael Pieck.
Die Zahl der IHK-Unternehmen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis sei im Dezember 2010 mit 54 872 auf ein Allzeithoch gestiegen. Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt profitiere vom demografischen Wandel, der Investitionen in Aus- und Weiterbildung verlange.
Die Zahl neuer Ausbildungsverträge habe im August 2011 auf einem Rekordhoch gelegen. Wichtige Impulse würden künftig von den Branchen Informations- und Telekommunikationstechnik sowie Gesundheit/Wellness ausgehen.

Pieck: "Was die Unternehmen aber benötigen und erwarten, ist Planungssicherheit. Hier liegt in Bonn einiges im Argen." Projekte wie die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, wie das WCCB, das Festspielhaus oder die Zukunft des Kongress- und Tourismusmarketings lägen zu lange auf Eis und verschreckten Investoren.

"Wir leben von unserer Substanz, die aber durch neue Ideen und Initiativen unterfüttert werden muss", sagte der IHK-Sprecher. Regionale Zusammenarbeit, auch bei der Verkehrsplanung, dürfe nicht nur in Sonntagsreden versprochen, sondern müsse auch gelebt werden.