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Nach Ausgrabungen in Oberholtorf bleibt so manches Rätsel

Nach Ausgrabungen in Oberholtorf bleibt so manches Rätsel

Ganz schön aufregend, wenn man überlegt, was man die ganze Zeit unter den Füßen hatte. Noch immer sorgt die Entdeckung der Saalkirche in Oberholtorf im Jahre 2000 bei den Bürgern für Neugier. Daher veranstaltete der Bürgerverein Oberholtorf für alle Wissbegierigen einen Vortragsabend mit Archäologin Alena-Maria Ramisch in der Gaststätte Dreizehn Linden.

Oberholtorf. Ganz schön aufregend, wenn man überlegt, was man die ganze Zeit unter den Füßen hatte. Noch immer sorgt die Entdeckung der Saalkirche in Oberholtorf im Jahre 2000 bei den Bürgern für Neugier. Daher veranstaltete der Bürgerverein Oberholtorf für alle Wissbegierigen einen Vortragsabend mit Archäologin Alena-Maria Ramisch in der Gaststätte Dreizehn Linden.

Sie selbst schrieb ihre Magisterarbeit über den Fund der Kirche und konnte somit genau erklären was es mit dem Gotteshaus auf sich hat. "Ich finde es toll, dass die Bürger so ein großes Interesse an der Vergangenheit ihres Dorfes haben", sagt Ramisch.

"Ich will ja auch wissen, wer vor mir in der Wohnung gewohnt hat." Aber nicht nur zur Fundstelle "auf der Pelle" gab es viele Informationen, sondern auch darüber, wie Archäologen wissenschaftlich an ihre Arbeit herangehen. Sie müssen jedes Puzzlestück einzeln zusammensetzen. Die kleinste Scherbe kann eine faszinierende Geschichte erzählen.

Der GrundrissWenn Heimatforscher Horst Wolfgarten beim Pflügen nicht auf Basaltbrocken gestoßen wäre und darüber Fachleute von der Bodendenkmalpflege informiert hätte, wüsste wohl niemand von der einschiffigen Saalkirche. Gut zwei Jahre setzten sich daraufhin Archäologen ans Werk und machten jede Menge neue Entdeckungen, fanden etwa im Chor ein Kindergrab.

Die Oberholtorfer sehen den Bau als Teil ihrer Geschichte. Und so war das Engagement groß, in nur sechs Monaten den orginalgetreuen Grundriss des Sakralbaus aus Natursteinplatten herzurichten. Die Dorfbewohner hatten dafür 6 100 Euro gespendet. An der Fundstelle wurden 85 Zentimeter breite und 60 Zentimeter tiefe Gräben ausgehoben und mit mehr als 50 Tonnen Kies befüllt.

So ließ sich anhand von Keramik feststellen, dass die Merowinger im siebten Jahrhundert als Erste vor Ort waren, um eine Kapelle zu bauen. "Dieser Fundort war ein sehr dankbarer, da man vieles wirklich genau datieren konnte", sagte die Archäologin. Wie beispielsweise die drei Kinder- und Säuglingsgräber innerhalb der Saalkirche, die ins elfte und zwölfte Jahrhundert zurückzuführen sind.

Letztlich stellte sich raus, dass die Kapelle ausgebaut wurde und später als Wohnsitz diente. "Tierknochen und Abfälle zeigten, dass es sich dabei um eine wohlhabende Familie gehandelt haben muss", erklärte Ramisch.

Nach dem geschichtlichen Exkurs stellten die Vortragsbesucher Ramisch viele Fragen. Das größte Interesse weckte der mysteriöse Bewohner der Kirche, über den keine Überlieferungen existieren. "Erst um 1333 gibt es die erste Urkunde über Besitzer Heinrich von Löwenburg. Alles, was vorher war, ist reine Spekulation. Und theoretisch ist alles möglich", sagte die Archäologin und lachte.

Doch wie ging es weiter, nachdem die Grabungen abgeschlossen waren? "Einfach die Stelle zuschütten? Damit wollten wir uns nicht zufrieden geben", sagte Elisabeth Schmid, Vorsitzende des Bürgervereins Oberholtorf. Daher sammelte der Bürgerverein Spenden und baute den Grundriss der Kirche auf dem Originalfundort nach.

"Dass man Grundrisse nachzieht, um zu zeigen, dass hier mal etwas war, ist üblich. Nicht aber, dass ein Verein dies organisiert und finanziert", sagte Ramisch. "Die Bürger können aber wirklich stolz sein, so eine riesige Kirche in ihrem Dorf zu haben."