1. Bonn

Bonner Prinzenproklamation: Prinz Dirk I. und Bonna Andrea I. jöcken mit den Jecken

Bonner Prinzenproklamation : Prinz Dirk I. und Bonna Andrea I. jöcken mit den Jecken

Drachen, Löwen, Trommelwirbel, Samba und Reggae - inmitten einer pulsierenden Bühnenshow sind Dirk I. (Müller) und Andrea I. (Minten) am Freitagabend zum Prinzenpaar der Session 2013 proklamiert worden. Einer fehlte: "Blötschkopp" Marc Metzger. Nach einem MS-Schub musste er die Termine der gesamten Session absagen.

1780 Gäste erlebten ein rauschendes Fest in der Beethovenhalle: Prächtige Kostüme, afrikanische Rhythmen und rheinischer Frohsinn bescherten den bönnschen Narren einen beschwingten Start in die fünfte Jahreszeit.

Das Tollitätenpaar genoss das Bad in der jubelnden Menge. Der Weg über die Freitreppe zur Bühne glich einem Triumphzug: Fahnenträger der Karnevalsvereine schritten voraus, die Besucher schwenkten blaue Leuchtstäbe.

Die Worte der Tollitäten bewegten das Publikum: Sie redeten davon, Brücken zu schlagen, Menschen zu verbinden und Kulturen zusammenzubringen. Beide, Prinz und Bonna, haben das Sessionsmotto "Bönnsche Bröcke - drövver jöcke" (Bonner Brücken - drüber eilen) schon jetzt total verinnerlicht. Man merkte ihnen an, dass sie ihre Heimatstadt Bonn lieben.

Video: Die Stadtsoldaten bei der Prinzenproklamation
Video: Der TSV Landau bei der Prinzenproklamation
Video: Die Ehrengarde bei der Prinzenproklamation

Und als ihre Lieblichkeit den bewegenden Bläck-Fööss-Ohrwurm "Stammbaum" als bönnsche Version "So sin mir all no Bonn jekumme" anstimmte, da waren auch gestandene Karnevalisten gerührt. Was für ein Gefühl, was für ein Abend.

Auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch reihte sich in diese Gefühlswelt ein. Seine Rede hielt er komplett in bönnscher Mundart und in Reimform. Jede Strophe endete mit dem Wort jöcke, was das Publikum schnell bemerkte und mit einstimmte. Der OB ging auf den Opernstreit mit Köln ein, auf seinen neuen Status als Opa und sagte, dass er sich bei so manchem Thema nicht den Mund verbieten lassen werde: "Wenn einem et Hätz opjeiht, un du siehst et jenau, wie et es, dann moss mer doch schwade, wie einem de Schnüss jewaachse es."

Damit die Bonner auch in den kommenden Jahren noch über die Brücken jöcken können, forderte er Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer auf, mit Geld für die Sanierung der Bauwerke nach Bonn zu kommen: "Ding Weißwürst, die deihst do jetz ens verjesse, jetzt fiehrst du noh Bonn, Rievkooche esse." Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst und ihr prominenter Elferrat moderierten durch ein flottes Abendprogramm. Neben der Samba-Percussion-Band Confusao traten Comedian Knacki Deuser, Ernst und Willi, die Band Domstürmer sowie die Traditionscorps von Ehrengarde und Stadtsoldaten auf.

Erstmals waren die Tänzer der TSV Landau in Bonn mit dabei. Sie hatten mit ihren tollen Hebefiguren schon beim Prinzenempfang 2012 der Kanzlerin in Berlin mediales Aufsehen erregt. Einer fehlte: "Blötschkopp" Marc Metzger. Erst kürzlich wurde bekannt, dass er schon seit Jahren an Multipler Sklerose erkrankt ist. Bis zum Nachmittag stand der Blötschkopp noch auf der Rednerliste der Proklamation. Dann die Nachricht: Metzger liegt nach einem MS-Schub in der Klinik und muss die Termine der gesamten Session absagen.

Dieses Jahr gab es einige Premieren bei der Proklamation: Die Sitzungspause wurde gestrichen, Raucher mussten nach draußen ins Raucherzelt, Autofahrer mussten Gebühren auf dem Parkplatz der Beethovenhalle bezahlen und nach der Inthronisierung spielte ein DJ im Foyer. Bilanz der Neuerungen: Keine Pause, kurze Sitzung, das fand die Mehrheit prima, dass Raucher raus mussten und die Parkgebühren eher nicht.

Bonns Tollitäten:
Dirk I. (Müller), Jahrgang 1968, ist Geschäftsführer eines Bonner Unternehmens und im Ehrenamt Obermeister der Gebäudereiniger-Innung Bonn/Rhein-Sieg. Er hat einen Sohn und lebt mit seiner Partnerin und deren Tochter als Patchwork-Familie in Bad Godesberg. Er ist Mitglied der Bonner Ehrengarde und dort im Großen Rat aktiv. Der ehemalige Florett-Fechter ist ein begeisterter Karnevalsneuling.

Andrea I. (Minten), Jahrgang 1976, ist unverheiratet und arbeitet als Filialleiterin der Volksbank Bonn/Rhein-Sieg in Königswinter-Dollendorf. Sie ist als gebürtige Beuelerin ein echter Karnevalsprofi. Von Kindesbeinen an ist sie im Küdinghovener Karneval aktiv. Bisheriger Höhepunkt der närrischen Laufbahn ist ihre Regentschaft als LiKüRa-Prinzessin im Jahr 2004.