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Radschnellroute Bonn: Ausgebauter Radweg führt in Dransdorf durchs Schutzgebiet

Radschnellroute Bonn : Fahrradfahrer sollen in Dransdorf durchs Schutzgebiet geführt werden

Die neue Radschnellroute von Bornheim zum Bonner Hauptbahnhof führt in Dransdorf durch ein Naturschutzgebiet. Vier Bäume müssen fallen.

Eine Etappe der geplanten Radschnellroute soll über neun Kilometer von Bornheim zum Bonner Hauptbahnhof führen. Für eine zügige Reisegeschwindigkeit der Radpendler soll die Trasse breit, möglichst direkt geführt und beleuchtet sein. Den Beschluss für die Radpendlerroute fassten Bonn, Bornheim und Alfter im Jahr 2014. Dazu sollen Wege entlang der Gleise der Stadtbahnlinie 18 saniert oder ausgebaut werden. Am Ende wird der Radweg vier Meter breit sein.

Die geplante Strecke kann mit Fördermitteln im Rahmen des Projektes Kommunaler Klimaschutz finanziert werden. Der Förderzeitraum endet im Oktober 2022. Daher soll der Ausbau so schnell wie möglich begonnen werden. Doch Tücken stecken bekanntlich im Detail: Die geplante Strecke in Dransdorf verläuft durch das Landschaftsschutzgebiet „Kappesland und Meßdorfer Feld“. Dort ist alles verboten, was den Charakter des Gebiets verändert oder dem Schutzzweck zuwiderläuft. Verboten ist es insbesondere, Straßen oder Wege zu errichten oder zu ändern. Damit dennoch gebaut werden kann, ist der Naturschutzbeirat gefragt. Er hat am Mittwoch ohne weitere Auflagen zugestimmt und der Unteren Naturschutzbehörde eine „landschaftsrechtliche Befreiung“ erteilt.

Neuanpflanzung direkt an der Schnellroute geplant

Wie der Vorsitzende Wolfgang Kehren erläutert, entstünde durch den Eingriff in der Ökobilanz kein größerer Schaden. Die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen sollen nach dem Vorschlag der Verwaltung in unmittelbarer Nähe der Schnellroute umgesetzt werden. Ein Problem sei die Beleuchtung. „Sie beeinträchtigt eigentlich immer“, so Kehren. „Aber alle entscheidenden Empfehlungen werden eingehalten.“

Die Rede ist vom Teilabschnitt Mörikestraße bis zur Stadtgrenze zu Alfter/Kreisstraße 12. Der bestehende Radweg soll auf einer Länge von zirka 900 Metern verbreitert werden. Bislang ist der Abschnitt zwischen dem Bahnhaltepunkt Dransdorf und der Stadtgrenze ohne Beleuchtung. Auch das soll zur Sicherheit der Radfahrer geändert werden.

500 Meter der Route liegen im Schutzgebiet

Rund 500 Meter der geplanten Wegführung liegen im Landschaftsschutzgebiet „Kappesland und Meßdorfer Feld“. Wie die Verwaltung erläutert, müssen für die Verbreiterung des bestehenden Radwegs weitere 640 Quadratmeter versiegelt werden. Außerdem stehen Bäume und Büsche im Weg. In der Bauphase werden beidseits Freiflächen in Anspruch genommen und anschließend wieder hergestellt. Mindestens vier große Bäume – Stileichen und Salweiden – müssen trotz Optimierung der Trassenplanung gefällt werden.

Außerdem wurde bei Ortsbegehungen festgestellt, dass mehr als 30 Bäume zum Erhalt in der Bauphase an Kronen oder Wurzeln beschnitten werden müssen. Jedoch sei nicht auszuschließen, dass einige trotz der Pflegemaßnahmen am Ende gefällt werden. Für sie soll Ersatz gepflanzt werden. Der Spielraum für die Maßnahme ist durch das Naturschutz- sowie Artenschutzgesetz und entsprechende Vorschriften stark reglementiert. Im Wesentlichen geht es darum, Eingriffe in die Natur zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten. Bäume und Sträucher dürfen nur außerhalb der Brutzeit, also zwischen 28. Februar und 1. Oktober, gerodet werden. Bäume in der Baustelle werden durch fest installierte Zäune geschützt. Die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert und dokumentiert eine ökologische Baubegleitung.

Suche nach Fledermäusen in Baumspalten

Noch bevor die Baustelle überhaupt eingerichtet wird, müssen die Flächen genau untersucht werden, ob besonders geschützte Bäume betroffen sein könnten. Vor jeder Baumfällung suchen Experten nach Höhlen oder Spalten, in denen Fledermäuse leben. Falls ja, muss das Fällen verschoben werden. Zum Ausgleich des Verlusts von Brutstätten werden in jedem Fall fünf Fledermaus- und Vogelnistkästen in der Umgebung installiert.

Knifflig ist auch die Frage der Beleuchtung, auf Tiere hat sie negative Auswirkungen. Das Konzept sieht vor, 28 neue Leuchten – 18 im Naturschutzgebiet – in einem Abstand von 30 Metern aufzustellen. Zum Einsatz kommen LED mit einer insektenfreundlichen Lichtfarbe. Die Stromleitungen werden im Weg verlegt, statt auf den Seitenflächen. Eingeschaltet sind die Lampen ganzjährig von der Abenddämmerung bis 23 Uhr und von 5.30 Uhr bis zur Morgendämmerung. In den anderen Stunden bleibt es aus Gründen des Artenschutzes dunkel.