1. Bonn

Staatsanwalt fordert im Doping-Prozess viereinhalb Jahre Haft

Staatsanwalt fordert im Doping-Prozess viereinhalb Jahre Haft

Das Lächeln, das er zu Prozessbeginn zeigte, ist einer ernsten Miene gewichen. Auch den lässigen Look hat der Mann auf der Anklagebank abgelegt, statt zurück gegelter Haare trägt er nun einen korrekt gestutzten Kurzhaarschnitt.

Seit September muss sich der 33-Jährige in dem bisher bundesweit größten Dopingmittel-Prozess vor dem Bonner Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, als hochrangiges Mitglied für eine weltweit mit Anabolika handelnde Organisation tätig gewesen zu sein. Nun wartet er darauf, welches Strafmaß der Ankläger für ihn fordert.

Doch zunächst einmal geht Staatsanwalt Oliver Hefele in seinem Plädoyer auf das ein, was der in Bonn aufgewachsene Ibrar B. getan hat. Unter dem Pseudonym Mr. Moxy war der 33-Jährige für die Organisation, deren Kopf sich Mr. X nannte und mittlerweile untergetaucht ist, dem Ankläger zufolge für den Vertrieb und die Buchhaltung zuständig.

Die Anabolika wurden weltweit im Internet angeboten und verkauft. Als das Bundeskriminalamt zuschlug und insgesamt 20 Personen festnahm, fanden die Ermittler auf den sichergestellten Datenbanken 240.000 Kunden und ermittelte einen Gesamterlös von 43 Millionen US-Dollar, auch für legale Waren wie Zubehör. Um die neun Millionen, so die Schätzung, stammen aus dem Erwerb der Dopingmittel selbst.

Ibrar B. wurde am 7. Dezember 2010 von einem Sondereinsatzkommando in seiner Wohnung festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Dort blieb er erst einmal, weil er das Angebot ablehnte, im Gegenzug für ein Geständnis haftverschont zu werden. Dem Vernehmen nach folgte er dem Rat seines Anwalts.

Auch im Prozess sagte er kein Wort, weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen. Seinen Lebenslauf konnte die 7. Große Strafkammer dennoch leicht nachvollziehen - anhand der Vorstrafenakten des 33-Jährigen. Fünf Mal wurde er bereits bestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, Drogendelikten und zuletzt 2001 wegen eines Raubüberfalls.

Als ihm ein zweites Weihnachtsfest hinter Gittern drohte, brach der Bonner am 22. Dezember sein Schweigen, gestand und wurde unter strengen Auflagen von der Haft verschont. In seinem Geständnis schilderte er seinen Weg in die Organisation und auch deren Strukturen. Demnach war er zunächst als Käufer von Anabolika mit der "Firma" in Kontakt gekommen, hatte schon bald deren Homepage ins Deutsche übersetzt und war immer höher gestiegen.

Zuletzt verdiente er 2500 Euro wöchentlich. Für den Ankläger kommt das Geständnis kurz vor dem 20. Prozesstag zu spät für eine erhebliche Strafreduzierung. Wäre es gleich gekommen, hätte er um die dreieinhalb Jahr beantragt, so Hefele. Nun aber fordert er wegen des "Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport" viereinhalb Jahr Haft und die Sicherung der bei dem 33-Jährigen gefundenen 145.000 Euro, schon zur Deckung der hohen Prozesskosten.

Die Verteidigung indes verteidigt das Geständnis und beantragt eine Haftstrafe bis maximal drei Jahre und neun Monate. Außerdem gibt sie zu bedenken, dass es etwas anderes sei, ob eine Zwölfjährige wie in der DDR ohne deren Wissen gedopt werde, oder ob mündige Konsumenten die Mittel kauften. Das Urteil wird am 6. Februar erwartet.