1. Bonn

Stadt Bonn verzichtet auf Gebühren für die Außengastronomie

Gaststätten öffnen wieder : Bonn verzichtet auf Gebühren für Außengastronomie

Restaurants und Kneipen öffnen wieder. Die Stadt verzichtet auf Gebühren für Außengastronomie. Der Hotel-Verband Dehoga befürchtet, dass jeder dritte Betrieb in seiner Existenz gefährdet ist.

Seit Montag dürfen die Gaststätten und Kneipen wieder öffnen. Allerdings unter strengen Auflagen. Auch wenn sich viele Gastwirte über die Öffnung freuen, sehen einige nicht sehr optimistisch in die Zukunft. Viele rechnen mit starken Umsatzeinbußen.

Ragnar Fleischmann freut sich, dass am Montag das Nyx wieder geöffnet ist. „Wir haben einen Plan erstellt, wie wir die Tische neu positionieren müssen, um die Abstandsregeln einhalten zu können“, sagt er dem GA. Wenn dann Gäste kommen, werde man etwas improvisieren müssen. Er selbst sieht mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. „Manche Kollegen hoffen, dass sie die Hälfte von ihrem normalen Umsatz erreichen. Ich denke, es wird maximal ein Drittel sein.“

Salah Cheko leitet seit 2014 das Buena Vida Havanna in der Nähe des Poppelsdorfer Schlosses. Der 35-Jährige rechnet mit Umsatzeinbußen von mindestens 50 Prozent. „Es kommt letzten Endes darauf an, wie viele kommen werden“, sagt er dem GA mit Blick auf die Gästezahl.

Am frühen Nachmittag sind ein halbes Dutzend Gäste da. Alle sitzen mit dem Mindestabstand von eineinhalb Metern zueinander. Normalerweise habe er Reservierungen immer kategorisch abgelehnt. Jetzt wird es sie geben. „Wir werden aber nur Reservierungen ab vier Personen annehmen“, sagt er. Im hinteren Teil seines Restaurants stehen mehrere große Tische. „Für mich ist das eine Katastrophe.“ Würde sich etwa ein Pärchen an einen der Tische setzen, wäre dieser komplett belegt. Die aktuelle Unterstützung wie die Soforthilfe für Selbstständige und die Senkung der Mehrwertsteuer helfen zwar, so Cheko. „Wenn ich normalen Betrieb hätte, würde die Mehrwertsteuer sicher sehr helfen. Aber bei dem niedrigeren Umsatz ist das schwierig.“

Francis Faramaz ist am Montagnachmittag noch voll mit Umräumen beschäftigt. Er betreibt das Wirtshaus Salvator in der Innenstadt. „Wir wollen es natürlich richtig machen“, sagt er. Die Stadt kontrolliere ja auch die Restaurants. 40 Prozent an Kapazität habe er im Innenbereich verloren. Die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniere allerdings sehr gut, betont er. „Wir haben dort gute Ansprechpartner.“ Für den Außenbereich sieht er keine Probleme. „In ein bis zwei Wochen wird es so wie früher sein“, prognostiziert er. Für die Gastronomie ohne Außenbereich sieht er schwere Zeiten kommen. „Wer keine Terrasse hat, ist tot.“

Das Restaurant Perú deputamare in Stadtteil Castell hat bereits aufgeben müssen. „Wegen Corona sind wir nun geschlossen“, sagt Raul Palomino dem GA. „Die Fixkosten waren einfach zu hoch.“ Die 9000 Euro Soforthilfe habe auch nur für einen Monat ausgereicht. „Für dieses Jahr haben wir keine Zukunft gesehen. Wären wir dageblieben, hätten wir uns hoch verschuldet. Und das wollten wir nicht.“ Wie es weitergehen wird, wisse er noch nicht. „Wir machen jetzt eine Pause und warten, bis sich alles wieder beruhigt hat.“ Das werde aber wohl erst nächstes Jahr geschehen, so Palomino. Dann habe er aber die Hoffnung, das Restaurant wieder zu öffnen.

Keine Gebühren für die Außengastronomie

Michael Schlößer ist Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Kreisgruppe Bonn. „Generell ist es gut aufgenommen worden“, sagt er über die Öffnung. „Alle gehen mit Engagement an die Sache ran.“ Doch die Probleme hören damit nicht einfach auf. Eines der Kernprobleme seien die Fixkosten. Denn Miete, Einkauf und Gehälter der Angestellten werden nicht weniger. „Die Kosten laufen jetzt wieder an. Trotzdem können die Gaststätten nicht mehr die Umsätze wie früher machen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass 30 Prozent der Unternehmen existenzgefährdet sind“, sagt Schlößer.

Unterdessen hat Oberbürgermeister Ashok Sridharan angekündigt, dass die Stadt 2020 auf Sondernutzungsgebühren für die Außengastronomie verzichtet. Auch der Handel müsse für die Warenpräsentation vor den Geschäften in diesem Jahr keine Gebühren zahlen. Damit wolle Sridharan beide Branchen entlasten. Mit diesem Beschluss verzichte die Stadt auf Einnahmen von mehr als 600 000 Euro. Ebenfalls dürfe für die Außengastronomie mehr Fläche in Anspruch genommen werden. Voraussetzung sei, dass es durch die Erweiterungen nicht „zu verkehrlichen Behinderungen“ komme.

Warten auf die Kunden

Ali Samadi gibt sich optimistisch. Er führt das Taperia De Dos in Bad Godesberg. „Wir haben ja alle dieselbe Problematik.“ Seit Montag hat er sein Restaurant wieder geöffnet. Im Nachmittag sind drei Leute da. Für den Mindestabstand mussten mehrere Tische weg. „Wenn ich Glück habe, können oben 16 Leute sitzen. Das hatte ich früher allein schon an der Bar.“ Wie es jetzt weitergeht, ist für ihn auch quasi ein Experiment. „Das ist Neuland für uns alle.“ Er könne verstehen, dass die Menschen zurzeit verängstigt sind und sich vor einem Restaurantbesuch scheuen. „Die Strafe trägt letzten Endes der Betreiber.“ Die Senkung der Mehrwehrsteuer auf Speisen, die Soforthilfen des Staates. All das hält er für eine Milchmädchenrechnung. „Es ist schön, dass der Staat hilft“, sagt er. „Aber an so etwas denke ich gerade gar nicht. Ich denke daran, wie ich am Ende des Monats meine ganzen Kosten begleichen kann.“

Kollegen von Samadi gehen das Risiko einer Öffnung ihrer Lokale erstmal nicht ein. „Ich wollte eigentlich am Freitag aufmachen“, sagt Faisal Issa, seit sieben Jahren Betreiber der Alten Schmiede im Stadtteil Mehlem. Er wolle jetzt erstmal abwarten, ob die Leute wieder mehr rausgehen. „Zu meinen Stammgästen gehören eher die Menschen ab 40 oder 50. Und die sind zurzeit etwas vorsichtiger.“ Ein weiterer Grund für sein Zögern sein Steakhouse wieder zu öffnen, sind die dann anfallenden Kosten. „Der Laden ist aktuell leer. Wenn wir jetzt aufmachen, dann muss ich alles neu kaufen und neu vorbereiten.“ Und wenn in ein zwei Wochen die Infektionszahlen wieder steigen? Dann könne er wieder alles wegschmeißen. Dieses finanzielle Risiko wolle er nicht eingehen.

Auch Mo Mardami will mit der Wiedereröffnung seines Restaurants erstmal warten. Er betreibt das Limao in Bad Godesberg. Dass die staatlichen Hilfen den Restaurants wirklich helfen werden, sieht er skeptisch. „Die Mehrwehrsteuer von sieben Prozent bringt nur etwas, wenn der Umsatz stimmt.“ Es sei eine nette Geste, aber am Ende bringe es nichts. Das Ganze sei nicht zu Ende gedacht. „Wir leben zum Teil auch von den Kinobesuchern. Aber das Kino hat ist geschlossen.“

Alen Nabaty, der das Restaurant Zum Treppchen in der Nähe vom Festplatz Pützchens Markt betreibt, versucht es positiv zu sehen. „Das ganze Land hat derzeit Probleme“, sagt er. „Wir machen das beste daraus.“ Normalerweise sind die Monate Juni und Juli eher umsatzschwach, weil viele im Urlaub sind. „Aber wenn die Leute dieses Jahr nicht reisen können, werden sie dann hierbleiben und in die Restaurants gehen.“ Und wenn im kommenden Jahr wieder Pützchens Markt stattfindet, werde der Ansturm doppelt so groß sein. Und ebenso die Nachfrage in seinem Restaurant, hofft Nabaty.