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Im Dottendorfer Ortszentrum plant man zurückhaltend: 100. Jazznacht frühstens im Frühjahr möglich

Im Dottendorfer Ortszentrum plant man zurückhaltend : 100. Jazznacht frühstens im Frühjahr möglich

Die Veranstalter sind wegen Corona vorsichtig und wollen nicht vor 2022 terminieren. Das Abwarten fällt allen schwer. Immerhin werden die Räume wieder von probenden Theatergruppen, Chören und Bands genutzt.

Mit einem Saal für Feiern mit bis zu 50 Gästen wirbt der Bürgerverein Dottendorf-Gronau draußen vor der Tür des Ortszentrums. Interessenten gab es schon seit geraumer Zeit nicht – wegen der Corona-Einschränkungen. Vorsitzender Herbert Kaupert zuckt die Achseln. Das Kulturleben wurde mit dem Lockdown 2020 lahmgelegt. Zu einem Zeitpunkt, als die Veranstaltungen im Ortszentrum boomten.

Das 99. Konzert mit der Kölner Gruppe Sommerplatte Anfang März 2020 war das letzte, und auch da schon mit coronabedingt gelichteten Reihen, wie der GA damals berichtete. Nun steht also das 100. Konzert noch aus. Dieses Jubiläum sollte groß gefeiert werden. „Der damalige OB hatte versprochen, Bier zu spendieren“, sagt Kaupert. Und wann steigt die Party?

Veranstaltungen sind frühestens im Frühjahr möglich

Zuversichtlich treffen sich die Vereinsmitglieder, seit es wieder möglich ist, einmal im Monat im Ortszentrum. „Hier muss wieder Leben rein.“ Punkt eins der Tagesordnung: Legen wir jetzt wieder los? Nach einem eingehenden Austausch des Für und Wider, kristallisiert sich die enttäuschende Tatsache heraus: So schnell noch nicht.

„Die Veranstaltungen wiederaufzunehmen, ist frühestens im kommenden Frühjahr sinnvoll“, fasst Kaupert zusammen. Aber wenigstens eine Silvesterparty könnte man doch organisieren, keimt noch einmal Unternehmungslust auf. Die prophezeite nächste Corona-Welle im Winter könnte einen Strich durch die Rechnung machen. Besser nicht. Außerdem sei die rechtliche Lage, 2G oder 3G, die Kontrolle der Gäste, die Hygienevorschriften, Abstandsregeln sehr kompliziert für ehrenamtliche Organisatoren. Mitglied Peter Niefind berichtet von seiner Enkeltochter, die so traurig sei, weil der Nachbarkindergarten einen Martinszug mache, ihrer aber nicht. „Wie soll man das verstehen?“

Treibende Kraft für die Kulturveranstaltungen im Ortszentrum ist das Musikmachen. Kaupert ist Pianist in der Jazzband „Five Senses“. Niefind rockt mit „Never too late“. Die Musiker hatten anderthalb Jahre Zeit, am Programm zu feilen. Jetzt wollen sie vors Publikum treten. Das Lieblingsstück der Gruppe ist „Looking out my backdoor“ von Creedence Clearwater Revival. „Wir warten auf Termine“, sagt Niefind. Vielleicht starte man Anfang des Jahres mit einem Testkonzert für „Family and Friends“.

Gruppen nutzen das Bürgerzentrum wieder rege

Aus waren die Lichter im Bürgerzentrum nur in den Zeiten des Lockdowns. Sobald Zusammenkünfte möglich sind, herrscht reger Betrieb. „Im Moment sind jeden Abend Gruppen zum Proben hier“, berichtet Kaupert. Der Bürgerverein vermietet die Räume an Chöre, Theaterensembles, Bands „für kleines Geld“ – daher ist die Nachfrage groß. Durch die Untervermietung ist der Verein trotz der fehlenden Einnahmen aus Veranstaltungen einigermaßen über die Runden gekommen. Das Ortszentrum ist ein städtisches Gebäude, der Bürgerverein Mieter.

Die Geschichte des engagierten Bürgervereins beginnt vor genau zehn Jahren. Für das in den 1970er gebaute Ortszentrum mit Gaststätte, Saal und Kegelbahn fand sich kein neuer Pächter. Es drohte die Schließung. Die Dottendorfer hätten ihren Treffpunkt und Veranstaltungsort verloren. Mit Protest kam man nicht weiter. Eine Gruppe um Kaupert ergriff Initiative und gründete den Bürgerverein mit dem Ziel, das Ortszentrum als Kultur- und Bürgertreff zu beleben.

Die kleinen, feinen Veranstaltungen wie die Dottendorfer Jazznacht oder Tanzveranstaltungen wurden im Laufe der Zeit zu Publikumslieblingen. Rolf Vogt kommt ins Schwärmen, wenn er an die Tanzpartys denkt. „Weil es in der Stadt kein Tanzangebot für Ü30 gab, haben wir im Bürgerzentrum ein eigenes Format entwickelt. Einmal im Monat.“ Klein angefangen, kamen zuletzt bis zu 200 Gäste. Kasse, Musik, Licht, Theke, Platten auflegen – „was uns gefällt“ – übernehmen die Vereinsmitglieder. „Wir wären froh, wenn die Veranstaltungen wieder so ans Laufen kämen wie vor Corona“, sagt Vogt. Er befürchtet jedoch, dass der Bürgerverein nicht so schnell wieder volles Haus haben wird.