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Güterbahnhof Bendenfeld: 1969 eröffnet - nun verfällt er langsam

Güterbahnhof Bendenfeld : 1969 eröffnet - nun verfällt er langsam

Wer 1000 Bonner nach dem Weg zum "Bahnhof Bendenfeld" fragen würde, bekäme bestimmt 999 Mal ein Schulterzucken zur Antwort. Bendenfeld? Keine Ahnung. Aber es gibt ihn noch, den alten Güterbahnhof in Dransdorf, auch wenn er längst nicht mehr in Betrieb ist und es ihm so ähnlich ergeht wie dem Dornröschen-Schloss im Märchen. Er ist nicht ganz leicht zu finden und inzwischen von der Natur fast verschluckt.

Gleichwohl: Der Güterbahnhof existiert, der Weg dorthin führt von der Justus-von-Liebig-Straße 2-4 auf die Firmenzufahrt von Früchte Abels. Ganz oben eine Öffnung in den Büschen. Und wer sie durchschreitet, steht plötzlich auf alten Gleisen und vor dem Bahnhofsgebäude, das im Laufe der Jahre fast zugewuchert ist und dessen Eingang erst auf den zweiten Blick zu finden ist.

1969 wurde die vom Bund bezahlte Anlage eingeweiht und nur zehn Jahre lang betrieben. Danach ist hier an der Schnittstelle zwischen KBE (Köln-Bonner Eisenbahnen) und DB-Strecke viel Ruhe eingekehrt. Ab 1980 fuhren hier nur noch gelegentlich Güterzüge, ab 1990 war dann endgültig Schluss, sieht man einmal von den jahrelang dort abgestellten Güterwaggons ab, die bis zum vorigen Jahr auf der 4,5 Kilometer langen Gleisanlage zwischen Hersel und Bendenfeld (Dransdorf) zwischengeparkt waren.

Einer, der sich auf dem alten Bahnhof gut auskennt, ist Hans Klein. Berufsbedingt. Als Leiter der Netzverwaltung der HGK (Häfen- und Güterverkehr Köln), welcher als Nachfolger der KBE das Areal gehört, ist Klein quasi Hausherr. Und er kann sich noch an ein paar einzelne Zugfahrten 1996 erinnern. Und bedauert ansonsten das Schicksal des Bahnhofs Bendenfeld: "Das ist eigentlich eine schöne Anlage, aber leider nicht mehr nötig."

Der allerletzte Zug ist 2006 gefahren, und zwar über die Brücke über die Justus-von-Liebig-Straße zum Bendenweg, wo die Gleise ursprünglich mal zum Bahnhof Dransdorf (heute SWB-Betriebshof) führten. Bei der finalen Fahrt handelte es sich um einen Bauzug mit Eisenbahn-Drehkran, der Arbeiten an Weichen durchführte. Nach dieser Fahrt war endgültig Schluss. Und auch die Gleise über den Bendenweg wurden abgebrochen. Aber alte Dransdorfer erinnern sich noch an sie.

Aber warum wurden der Bahnhof und die Gleise überhaupt gebaut? Das hängt mit der früheren Rheinuferbahn zusammen, die entlang des Rheins nach Köln fuhr. Deren Strecke musste 1968 weichen, weil dort das heutige Autobahnkreuz Bonn-Nord gebaut wurde. Statt dessen entstand die heutige Stadtbahnstrecke (Linie 16), und man legte ab Hersel ein drittes Gleis für den Güterverkehr, das zum Bahnhof Bendenfeld führte. Und dieser war von stattlicher Größe, wie Klein sagt: "Der Bahnhof mit Stellwerk und den insgesamt vier Gleisen war rund 500 Meter lang und reichte bis kurz vor die Fußgängerbrücke Tannenbusch-Süd." Durch das zugewachsene Areal ist der Maßstab kaum noch nachvollziehbar

Es kam wie geschildert alles anders als geplant: Die Übergabe von Güterzügen von der KBE zur DB in Richtung Süden wickelte man dann aus betrieblichen Gründen doch nicht mehr am Bahnhof Bendenfeld ab, sondern im Güterbahnhof Bonn. Hinzu kam, dass auch der frühere Ellerbahnhof 1979 stillgelegt wurde, dort befindet sich heute der Pro Markt an der Bornheimer Straße.

Die alten Bilder zeigen, dass der Bahnhof Bendenfeld bei der Eröffnung wie geleckt aussah. Ein Gebäude im typischen KBE-Stil aus rotem Backstein, das im Winkel der Gleise steht. Schon zur Eröffnung am 22. Juli 1969 war eine spätere Fernsteuerung des Stellwerks beabsichtigt. Fünf Jahre später entstand ein Brückenbauwerk, das die Justus-von-Liebig-Straße hin zum Bendenweg überquert. Eine Fehlinvestition, wie sich später herausstellen sollte.

Jetzt, fast 45 Jahre nach Eröffnung, will die HGK das Areal und die Gleise vermieten oder verkaufen. "Der Antrag auf Entwidmung wurde zwar noch nicht gestellt, aber wir suchen einen Betreiber", sagt Klein. Findet sich keiner, kann die Strecke auch förmlich stillgelegt werden, also endlich außer Dienst gestellt werden. Die Stadt Bonn hat dagegen Widerspruch eingelegt und würde die Gleise am liebsten erhalten.

"Denn wenn sie einmal weg sind, sind sie weg und kommen niemals wieder", sagt Verkehrsplaner Helmut Haux von der Stadt. Man wolle versuchen, die Strecke für zukünftige Verkehrsplanungen zu sichern. "Doch die HGK könnte sie trotzdem stilllegen", so Haux. "Deshalb befinden wir uns im Moment in Gesprächen."

Letzte Variante: Die Stadt Bonn könnte das ganze Areal kaufen. Aber dafür ist erstens kein Geld da, außerdem könne die Stadt dort nicht für einen Bahnbetrieb sorgen. Und schließlich: "Der verlangte Kaufpreis von 10,7 Millionen Euro ist illusorisch", so Haux.