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Offensive für Wald in Bonn: 23 000 Setzlinge für den Stadtwald

Offensive für Wald in Bonn : 23 000 Setzlinge für den Stadtwald

Mit einer Offensive wollen Bonner Forstexperten gegen das Waldsterben im Stadtwald aufgrund der Klimaveränderungen angehen. 23 000 Setzlinge sollen den Bestand verjüngen. Zugleich werde damit der Baumbestand angepasst.

Weiße Plastikröhren schießen im Bonner Stadtwald gewissermaßen ins Kraut. Aus der Sicht von David Baier und Sebastian Korintenberg sind es Zeichen der Hoffnung. Hoffnung auf einen verjüngten, lichtdurchlässigeren und besser ans trockener und heißer werdende Klima angepassten Wald auf dem Venusberg. 23 000 Setzlinge von Stiel- und Traubeneiche, Winterlinde und Hainbuche hat Stadtförster Korintenberg mit seinen Mitarbeitern in den vergangenen vier Jahren entweder an roten Stützpflöcken oder in den weißen Fraßschutz-Röhren gesetzt. Pro Bäumchen eine Investition von acht bis zehn Euro, wie Baier, als Amtsleiter für Umwelt und Stadtgrün zuständig, vorrechnet. Nun hoffen beide, dass die Investition im wahrsten Sinne eines Tages Früchte trägt.

Um den Zustand des Bonner Waldes steht es nicht sonderlich gut. Die Fichten sind praktisch alle tot, selbst die als robust geltenden Douglasien werfen viele Nadeln ab. Auch Buchen und Eichen, von Natur aus im Rheintal heimisch, leiden seit Jahren unter der anhaltenden massiven Trockenheit. Und das besonders auf dem Venusberg, wo die Wurzeln eine dicke Lehmschicht in 60 bis 70 Zentimetern Tiefe kaum durchdringen können. Die Folge: Entweder haben sie zu wenig oder auch zu viel Wasser. Die Stadtförsterei hat auf absehbare Zeit damit zu tun, Bäume zu entnehmen, deren Äste Spaziergängern auf den Kopf fallen könnten. Dabei muss jeder einzelne Baum vorab auf seltene Arten untersucht werden. Brütet etwa ein Specht im Stamm oder wird eine Bechsteinfledermaus gesichtet, wird bis zum Ende der Brutzeit erstmal abgesperrt.

Wald-Experten sehen eine Chance in Aufforstung

So unerfreulich das alles sei, so sehr wollen die städtischen Wald-Experten in der Krise der vergangenen Jahre aber auch eine Chance sehen. Darum haben sie am Mittwoch eigens zum Pressegespräch in den Wald geladen. Schließlich böten die Ausfälle der vergangenen Jahre die Möglichkeit, den Wald markant zu verjüngen und resistenter gegen kommende Klimaveränderungen zu machen. Die kahlen Areale seien nun wieder gefüllt. Ob das Experiment glücke, werde sich in einigen Jahrzehnten zeigen. Dabei wird stets maximal die Hälfte der Fläche neu bepflanzt. In dem naturnah bewirtschafteten Wald mit FSC-Siegel soll auch die Natur genügend Raum haben, selbst tätig zu werden. Dafür bleibt auch mindestens ein Zehntel der gefällten Bäume als Totholz im Wald.

Ob auch in den kommenden Jahren an weiteren Stellen nachgepflanzt werden müsse, sei nicht absehbar, sagt Korintenberg. „Auf den jetzigen Klimawandel kann kein Studium vorbereiten“, glaubt er. In den vergangenen Jahren habe er viele gängige Ansichten revidieren müssen. Insgesamt sei der Bonner Wald mit seinem geringen Anteil an Nadelgehölzen weitaus besser dran als manch anderer Wald in Deutschland. Da die kommerzielle Holznutzung für die Stadt nur zweitrangig ist, werden Nadelbäume inzwischen gar nicht mehr gesetzt. Trotzdem könne auch der Bonner Wald sich nicht beliebig anpassen. „Zwei Grad plus wird er wohl vertragen“, schätzt Korintenberg, „bei vier Grad mehr gäbe es ihn in der jetzigen Form wohl nicht mehr“.