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Neuer "KunstRaum" Tannenbusch: 240 Quadratmeter für Wechselwirkung

Neuer "KunstRaum" Tannenbusch : 240 Quadratmeter für Wechselwirkung

"Niederschwellig" soll er sein, der Zugang zum neuen "KunstRaum" Tannenbusch in der hintersten Ecke der Brieger Straße. Die herumflitzenden Mädchen aus der Nachbarschaft wirkten bei der Eröffnungsausstellung wie eine Bestätigung dieser Hoffnung.

Am Dienstag präsentierte Ulrika Eller-Rüter, Kunstprofessorin der Alanus-Hochschule, mit drei Absolventen die neuen, von der Deutschen Annington zur Verfügung gestellten Räume: 240 einladende Quadratmeter, im "Vorgänger" Chemnitzer Weg 3 waren es nur 70.

"Ein reizvolles Feld ist Tannenbusch für uns", freute sich Eller-Rüter, "kunstfern und problematisch. Gibt es Schätze zu bergen oder ist die Arbeit eher sozialarbeiterisch? Mit Sicherheit entstehen Wechselwirkungen." Ab dem Herbst werden Workshops angeboten, noch bis zum 26. September sind die Abschlussarbeiten zu besichtigen. Hanna Batsiukova dokumentiert mit Fotos ihr Wandmalerei-Projekt "Von grau zu bunt, vom Fremden zum Eigenen." Eine triste Außenfläche von 180 Quadratmetern verwandelte die Malerin mit Kindern und Erwachsenen des Viertels in Kunst.

Ihre Idee, dass die Umgebung so zu persönlichem Besitz wird, hat funktioniert. Batsiukova: "Die Eltern sagen mir: Jedes Mal, wenn wir vorbeigehen, ziehen die Kinder uns davor und erzählen, was von ihnen ist." Katarina-Maria Krampel zeigt Bilder, die bei Kunstkursen in der Justizvollzugsanstalt Siegburg entstanden sind. Mit zehn einsitzenden Männern erarbeitete sie sehr persönliche, Lebens-Brüche widerspiegelnde Werke. Ein Mann, der sich "Yugo Betrugo" nennt, hat ein kroatisches Häuschen gemalt, das ihm aus dem letzten Familienurlaub im Gedächtnis blieb.

In seinem Inneren, schreibt er, sei es perfekt. "Aber das wahre Bild bleibt allen verborgen, weil ich künstlerisch nicht in der Lage bin, es auf die Leinwand zu bringen." Alanus-Absolvent Christian Henschel hat ein wandbreites Mosaik aus Hunderten von Kunsthaut-Quadraten geschaffen, die Tätowierungen unterschiedlichster Ausprägungen zeigen: kulturelle Symbole ebenso wie Stigmata und persönliche Botschaften.

Info

"auf links gedreht" im "KunstRaum", Brieger Weg 16/18, täglich geöffnet von 15 bis 18 Uhr