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Bonner Landgericht: 29-Jähriger schlägt Freund der Schwester

Bonner Landgericht : 29-Jähriger schlägt Freund der Schwester

Landgericht verurteilt den Mann wegen Bedrohung, Nötigung und Drogendelikten zu zweieinhalb Jahren Haft. Ursprünglich war die Staatsanwaltschaft von Raub und gefährlicher Körperverletzung ausgegangen.

Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklage noch davon ausgegangen, dass es sich bei dem Vorfall in der Nacht zum 1. April dieses Jahres um einen schweren Raubüberfall gehandelt habe. Stattdessen war die Aktion in der Bonner Rheinaue aber eine Art Strafaktion des Angeklagten gegen den Ex-Freund seiner Schwester. Nun ist der 29-jährige wegen Körperverletzung, Diebstahls und Nötigung verurteilt worden, seine mitangeklagte 26-jährige Freundin wurde hingegen freigesprochen.

Dass der Mann für zweieinhalb Jahre in Haft muss, ist allerdings nicht nur der nächtlichen Aktion in der Bonner Rheinaue geschuldet, sondern auch einem „Business“, dem er bereits im vergangenen Jahr nachging. Unabhängig von dieser Tat wurde er des illegalen Drogenbesitzes und –handels für schuldig befunden.

Not der Schwester war offenbar groß

Die Not seiner „kleinen Schwester“ war offenbar tatsächlich groß, als sich die 18-Jährige mit einem Problem an ihren Bruder wandte: Sie habe einen neuen Freund, und der wolle immerzu Geld von ihr. Nach und nach – so skizzierte es der Verteidiger des Angeklagten, Marc Piel, in seinem Plädoyer zusammenfassend – habe das „sehr junge und völlig unerfahrene Mädchen“ dem neuen Liebhaber nicht nur ihr eigenes, sondern auch in der Familie unter Vorwänden zusammengeliehenes Geld gegeben. Alles in allem ging es um 3000 bis 4000 Euro. An dem jungen Mann, in den sich die Schwester des Angeklagten verliebt hatte, ließ der Anwalt kein gutes Haar: Er habe bei seinem Auftritt als Zeuge auf ihn gewirkt wie ein „Lover-Boy“.

Sein Mandant hatte offenbar einen ähnlichen Eindruck und zögerte nicht, seiner Schwester zu Hilfe zu kommen. Allerdings mit völlig untauglichen Mitteln, wie der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung noch einmal klarstellte. In der letzten Märznacht gegen Mitternacht stellte er den Mann in dessen weißem Mercedes auf einem Parkplatz an der Rheinaue zur Rede. Mit vor Ort war neben seiner kleinen Schwester auch die mitangeklagte Freundin des 29-Jährigen, der aber keinerlei Tatbeteiligung nachgewiesen wurde.

Der Vorwurf, dass der Angeklagte von dem Freund seiner Schwester nun aber mehr als 20.000 Euro gefordert habe, bestätigte sich ebenfalls nicht. Weil er den Mercedes-Fahrer aber geschlagen und bedroht sowie einige Dinge aus dem Wagen mitgenommen hatte, sprach das Gericht zusammen mit dem Drogendelikt schließlich eine nicht mehr bewährungsfähige Strafe aus.