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Fund in Bonner Geisterhaus: 45-Jähriger nach Streit um eine Leiche vor Gericht

Fund in Bonner Geisterhaus : 45-Jähriger nach Streit um eine Leiche vor Gericht

Ein Obdachloser steht demnächst vor dem Bonner Amtsgericht. Er soll mit seinem Kumpel verhindert haben, dass ein Bestattungsunternehmen die Leiche seines Freundes abtransportiert.

Die ehemalige Studentenkneipe „Furios“ in der Oberen Wilhelmstraße ist in Beuel bereits seit einigen Jahren als „Geisterhaus“ bekannt. Immer wieder treffen sich dort Wohnungslose, um zu reden, zu trinken und wohl auch, um dort zu übernachten. Als ein 45-Jähriger und ein 49-Jähriger sich am 15. Mai vergangenen Jahres dort mit einem Freund treffen wollten, stutzten sie allerdings beim Betreten des ersten Stockwerks. Der Mann lag nämlich völlig regungslos auf seiner Pritsche und alle Versuche, ihn zu wecken, blieben erfolglos. Ihr Kumpel war verstorben.

Nach einer kurzen Debatte sollen sich die beiden bereits erheblich alkoholisierten Männer dann dazu entschieden haben die Polizei zu verständigen. Dennoch muss sich der 45-Jährige voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Widerstand und Beleidigung von Polizisten sowie Bedrohung vor einem Bonner Amtsrichter verantworten. Von seinem 49-jährigen Kumpel fehlt derzeit jede Spur.

Streit mit Bestattern

Anstatt der Polizisten erspähten die beiden Männer laut Anklage zuerst zwei Mitarbeiter eines Beerdigungsinstituts und so nahm das Unheil seinen Lauf: Mit Todesdrohungen sollen die beiden Freunde versucht haben, mindestens einen der beiden Bestatter davon abzuhalten, seine Arbeit zu tun. Zunächst hatte dieser wohl noch mit Hilfe seines Kollegen den Toten in einem Leichensack verstaut. Weil der einfachste Transportweg wohl durch ein Fenster in den Garten führte, versuchten die beiden Bestatter die Leiche durch die Fensteröffnung zu hieven. Der Attackierte soll sich noch in dem Zimmer befunden haben, während sein Kollege den Toten unten in Empfang nehmen wollte. Die Leiche gehöre ihnen, sie müsse hierbleiben soll das Duo den Mann beschieden haben. Es folgte eine regelrechte Randale, in deren Verlauf die beiden Obdachlosen ihr Opfer mehrfach gegen das Knie getreten und mit Fäusten auf den Mann eingeschlagen haben sollen.

Offenbar war ihnen im Alkoholrausch überhaupt nicht klar, mit wem sie es da zu tun hatten. Viel friedlicher wurden die zwei aber auch nach dem Eintreffen der Polizei nicht: Drei Beamte schaffen es kaum, die aufgebrachten Männer zu beruhigen. Sie wurden gefesselt und zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen. 2,78 beziehungsweise 3,19 Promille Blutalkohol wurden gemessen.