Überraschung im WCCB-Prozess 46 Ratsmitglieder müssen in den Zeugenstand

Bonn · Überraschende Wende im Prozess zum Skandal rund um das World Conference Center Bonn (WCCB) vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts: Anders als geplant hatten die drei Angeklagten, der gescheiterte WCCB-"Investor" Man-Ki Kim und seine einstigen Rechtsberater Ha-S. C. sowie Wolfditrich Thilo, am Dienstag doch nicht das letzte Wort.

Richter Jens Rausch verkündete am Dienstagmorgen, die Kammer werde dem im Rahmen des Plädoyers von Kim-Verteidiger Walther Graf gestellten Hilfsbeweisantrag "insbesondere aus prozessualen Gründen" nachgehen und nun sämtliche Mitglieder des Bonner Stadtrates, die im Dezember 2005 für die Vergabe des Projektvertrages an Kim gestimmt hatten und bisher noch nicht ausgesagt haben, in den Zeugenstand rufen.

Das sind immerhin noch 46 Mitglieder, die, so Rausch, "in einem streng terminierten" Rhythmus zur Frage, woher sie ihre Informationen über Kim und seine Firma, die SMI Hyundai Corporation bezogen hatten, befragt werden sollen.

Der Zeugenmarathon startet am 6. März, an dem Tag, an dem Richter Rausch eigentlich das Urteil verkünden wollte. Ob das Gericht auch zwei weiteren Hilfsbeweisanträgen Grafs nachgehen wird, ließ Rausch am Dienstag noch offen. Das werde jetzt parallel beraten.

Bei den Anträgen geht es zum einen um die Zeugenanhörung des damaligen Sparkassenvorstandes Gustav-Adolf Schröder und die Frage, welche Rolle er gespielt hat, als die Sparkasse entgegen ursprünglicher Auffassung, Kim und seiner SMI keinen Kredit für das WCCB zu gewähren, es dann nach der Bürgschaftszusage der Stadt Bonn dann doch tat. Die dritte Frage, die Graf in den Raum gestellt hat, dreht sich um den tatsächlichen Wert des WCCB-Areals.

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