Hilfe aus der Luft 800.000 Einsätze für die Helikopter des Bonner Bundesamtes

Bonn · Schon 800.000 Mal sind die Hubschrauber des Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe abgehoben. Im April rettete ein Heli-Team einen 14-Jährigen nach einem Unfall.

 Der 14-jährige Tom Schiffko steht vor Christoph 4. Das Team des Zivilschutz-Hubschraubers hat ihn damals gerettet.

Der 14-jährige Tom Schiffko steht vor Christoph 4. Das Team des Zivilschutz-Hubschraubers hat ihn damals gerettet.

Foto: Matthias Kehrein

Es sind dramatische Minuten am 16. April. „Verletztes Kind in unübersichtlichem Gebiet“ lautet die Alarmierung der Einsatzkräfte von Christoph 4 im Luftrettungszentrum Hannover. Für Notfallsanitäter Marc Lüpkemann ist es der vierte Einsatz an diesem Tag. Es gibt keine Ortsangabe, nur grobe Himmelsrichtungen und keine Rettungsmittel vor Ort. Gemeinsam mit einer Notärztin und einem Pilot steigt Lüpkemann in den Zivilschutz-Hubschrauber. Was die Besatzung zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Es ist der 800. 000. Einsatz eines Hubschraubers der zivilen Luftrettung. Im November 1970 wurde der erste Rettungshubschrauber „Christoph 1“ in Betrieb genommen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sitzt in Bonn und ist für 12 Luftrettungszentren zuständig. Gegründet  wurde es 2004. Ziel war es, alle Aufgaben der Zivilen Sicherheit an einer Stelle zu bündeln. In erster Linie sollen die Hubschrauber die Bevölkerung schützen, falls es zu einem Krieg kommt. Sie können Schwerverletzte abtransportieren und radioaktive Strahlung aus der Luft messen. Um im Ernstfall voll einsatzbereit zu sein, werden die Hubschrauber sonst im Luftrettungsdienst genutzt. „Nur erfahrene und perfekt aufeinander eingespielte Teams können im Ernstfall auch schwierigste Herausforderungen meistern“, sagt Christoph Unger, Präsident des BBK. Bei der Luftrettung ist besonders die Zusammenarbeit der beteiligten Personen gefragt. Der Pilot des Hubschraubers, der von der Bundespolizei kommt, muss sich auf den Flugtechniker verlassen, der mit im Cockpit sitzt. Der ist für die Planung und Organisation des Einsatzes zuständig. Vom Zeitpunkt der Alarmierung durch die Leitstelle bis zum Abflug vergehen nur wenige Minuten. Dabei ist besonders die Vorbereitung bei einer Luftrettung wichtig. „Man muss sich überlegen, wie man zu dem Patienten hinkommt und wie man ihn so stabil kriegt, dass er transportiert werden kann“, sagt Christian Macke, Ärztlicher Leiter des Christoph 4. „Rechts heranfahren wie mit einem Krankenwagen, ist nicht möglich.“ In einem Hubschrauber ist die medizinische Behandlung eines Patienten aus Platzgründen nur begrenzt möglich.

All diese Sachen sind der Besatzung von Christoph 4 im Anflug auf das Waldstück im niedersächsischen Edemissen bewusst. „Wir haben Menschen winken sehen und so den verletzten Jungen gefunden“, sagt Lüpkemann. Auf dem Boden angekommen, atmen die Einsatzkräfte auf. Der 14-jährige Tom Schiffko ist beim Mountainbike fahren über eine Wurzel gestürzt und hat sich den Arm gebrochen, aber abgesehen davon geht es dem Jungen gut. Schiffko, der mit einem Krankenwagen gerechnet hatte, vergisst beim Anblick des Hubschraubers seine Schmerzen.

Lüpkemann und seine Kollegen stabilisieren den Jungen und fliegen ihn mit einem komplizierten Armbruch innerhalb von 15 Minuten ins Krankenhaus. „Der Flug war total spannend und cool“, sagt der 14-Jährige beim Besuch des Bundesamtes in Bonn. Schmerzen habe er kaum wahrgenommen. Eine Kleinigkeit hat Schiffko von dem Unfall noch behalten: zwei Schrauben in seinem Arm. Bald werden diese auch entfernt und in Erinnerung bleiben dem Jungen nur der spannende Flug mit dem Hubschrauber Christoph 4.

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