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Abgetrennter Kopf in Bonn vor dem Landgericht - Leichenfund am Alten Zoll

Abgetrennter Kopf vor dem Landgericht in Bonn : Verdächtiger schweigt bislang zu den Hintergründen der Tat

Am Bonner Landgericht hat am Dienstagabend ein 38-jähriger Mann einen menschlichen Kopf abgelegt. Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter festgenommen. Das Opfer ist ein 44-jähriger mutmaßlich Obdachloser. Die vermutlich zugehörige Leiche wurde beim Alten Zoll gefunden.

Die sonst so belebte Ecke um den Bonner Bertha-von-Suttner-Platz ist am Dienstagabend gespenstisch still. Es fahren keine Straßenbahnen, an den Polizeiabsperrungen bleiben Passanten stehen. Die Spuren des schrecklichen Ereignisses, das sich hier gegen 17.30 Uhr abgespielt hat, sind verhüllt von einer schwarzen Plane. Sie ist zwischen den antiken Säulen des Landgerichts gespannt. Dahinter liegt der Kopf eines 44 Jahre alten Mannes. Sein Körper liegt abgetrennt rund einen Kilometer entfernt am Rhein, unterhalb des Alten Zolls, an einer mit Graffiti beschmierten Mauer.

Was genau passiert ist, kann die Polizei bislang nicht sagen. Die Ermittlungen sind noch in vollem Gange, eine Mordkommission wurde eingerichtet. „Die Tathintergründe sind noch unklar“, sagte Polizeisprecher Robert Scholten. Die Leiche soll im Laufe des Tages rechtsmedizinisch untersucht werden, teilte Scholten am frühen Mittwochmorgen weiter mit.

Abgetrennter Kopf am Bonner Landgericht abgelegt

Ein dringend Tatverdächtiger ist schon gefasst. Der 38-Jährige, der nach GA-Informationen dem Obdachlosenmilieu zuzuordnen ist, räumte das Ablegen des Kopfes ein. Er habe den Ermittlern aber den Fundort der Leiche in der Nähe des Rheinufers korrekt beschrieben, sagte der Sprecher. Der Mann werde am Mittwoch voraussichtlich dem Haftrichter vorgeführt. Zu den Hintergründen der Tat schweige er bisher. Der 38-Jährige ist der Polizei unter anderem wegen Drogendelikten bekannt. Er kauerte auf den Treppen des benachbarten Amtsgerichts in der Wilhelmstraße, als die Polizei herbeieilte. Passanten hatten den Notruf gewählt und von einem abgetrennten Körperteil berichtet.

Tatort und Tatzeit sind noch unklar

Derzeit ist laut Scholten auch noch nicht geklärt, wo genau der Tatort und was die Tatzeit ist. Zwar liegt nahe, dass der 44-Jährige an der etwas abgelegenen Mauer unterhalb des Alten Zolls, wo häufig Obdachlose übernachten, zu Tode kam. „Wir haben aber bisher nur zwei Fundorte. Auch der Weg, den der Tatverdächtige zurücklegte, ist nicht bekannt. Wir können derzeit nur den Raum beschreiben.“ Rund 15 Gehminuten liegen zwischen dem Landgericht und dem Alten Zoll. Das alles aufzuschlüsseln, sei nun Aufgabe der Mordkommission.

Weil es bislang keine Videoaufnahmen und auch keine aussagekräftigen Zeugen gibt, sind die Polizisten auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Während der Fundort am Alten Zoll abgesperrt wurde, saßen oberhalb noch zahlreiche Menschen im Biergarten und auf der naheliegenden Wiese.

„Wir haben aus dem Bereich keine Meldungen erhalten“, sagte Scholten — obwohl das gesamte Areal gerade in den Abendstunden von vielen Spaziergängern aufgesucht wird. „Wir bitten deshalb jeden, der verdächtige Beobachtungen, Fotos oder Videos gemacht hat, sich bei uns zu melden.“ Dafür ist die Polizei unter der Rufnummer 0228/150 erreichbar.

Jemand, der zumindest in der Wilhelmstraße etwas mitbekommen hat, ist ein junger Mann, der mit seinen Freunden im Außenbereich der Bonner Stuben, einer Bar, saß. „Wir dachten erst, dass dort ein Gegenstand liegt. Erst nachher haben wir die Haare erkannt“, erzählt er sichtlich geschockt. Sein Freunde bestätigen seine Aussagen.

Auch Landgerichtspräsident Stefan Weismann eilt am Dienstagabend in sein Dienstgebäude, als er von dem Vorfall erfahren hat. „Wir unterstützen die Polizei bei ihren Ermittlungen“, erklärte eine Gerichtssprecherin. Bewertungen könne man derzeit nicht vornehmen.

Die Polizei war noch bis in die späten Abendstunden im gesamten Bereich im Einsatz und suchte die Fundorte unter anderem mit Spürhunden ab. Denn auch das Tatwerkzeug wurde bislang nicht gefunden, wie Polizeisprecher Scholten erklärte.

Am späten Dienstagabend holte ein Bestatter gegen 23 Uhr den Kopf sowie den Körper ab. Zuvor hatte das Technische Hilfswerk (THW) den Tatort ausgeleuchtet und bessere Sichtschutzwände aufgestellt. Der große Polizeieinsatz sorgte für zahlreiche Verkerhsbehinderungen.