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Historisches Weihnhaus in Bad Godesberg: "Aennchen" wie Phönix aus der Asche

Historisches Weihnhaus in Bad Godesberg : "Aennchen" wie Phönix aus der Asche

Es war wie die Wiederauferstehung des berühmten Phönix aus der Asche. Am 12. Dezember 1974 wurde der Neubau des historischen Weinhauses "Zur Lindenwirtin" eröffnet, im Volksmund besser bekannt als das "Aennchen". Fast vier Jahre zuvor war das historische Fachwerkhaus aus dem Jahre 1647 abgerissen worden.

Rückblende zum 10. Februar 1971, dem Tag des Abrisses: Der GA-Reporter mit dem Kürzel -pp- schreibt: "Viele hatten Tränen in den Augen, allerdings weniger aus Rührung als infolge des dichten Staubes, der in Wolken aufflog, als gestern morgen ein Bagger der früheren Gastwirtschaft Zur Lindenwirtin binnen einer Viertelstunde den Garaus machte und das alte Fachwerkhaus in einen Trümmerhaufen verwandelt."

Wie sich das gehört, nehmen die ersten Arbeiter die Studentenkneipe erst nach dem akademischen Viertel auseinander. Bei den Vorarbeiten werden die alte Tür und die Fensterläden gesichert für den Neubau.

Alles andere verschwindet in der formlosen Masse des Trümmerhaufens, der anschließend mit einem Lkw abtransportiert wird. Der Chronist schreibt etwas wehmütig: "Viele Passanten waren Augenzeugen des gar nicht historischen Endes eines Hauses, das laut Inschrift aus dem Jahre 1647 stammte und zu seiner Glanzzeit den Namen Godesberg weit über die Grenzen Deutschlands hinaus in aller Welt bekannt machte."

Die Zahl derer, die der einstigen Wirkungsstätte der "Lindenwirtin" nachtrauern, sei klein. Die meisten hätten gedacht wie der Arbeiter, der zufällig auf einem Fahrrad vorbeifuhr und erfreut feststellte: "Gott sei Dank, daß die Bruchbude endlich verschwindet." Das solle nun "nicht ganz so" der Fall sein, schreibt der Reporter.

"Vor einiger Zeit hieß es, der Hauptauschuß habe den Wiederaufbau beschlossen. Beim zuständigen Architekten erfuhren wir, daß lediglich die historische Fassade wiedererstehen und als Bestandteil eines Neubauvorhabens auf dem alten Grundstück von der einstigen Herrlichkeit der alten Burschen und ihrer jungen Wirtin künden soll."

Offenbar reichte es nicht länger aus, immer wieder nur die Fassade wiederherzustellen wie es die Jahre zuvor geschehen war. Beispiel 1955: Am 27. August berichtete der GA unter der Überschrift "Make-up für das Godesberger Aennchen", dass die Sehenswürdigkeit der Badestadt einen "funkelnagelneuen äußerlichen Anstrich" bekomme. "Die Godesberger können feststellen, daß die Lindenwirtin wieder jung wird."

Fast 20 Jahre später, am 28. September 1973, feiert Godesberg die Grundsteinlegung und das Richtfest des Neubaus, "wobei die Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Rat, Stadtbezirksausschuß und Verwaltung die Bedeutung unterstrich, die man auch von offizieller Seite diesem Vorhaben beimisst". Zwar sei das alte "Aennchen" dahin, doch soll der Neubau nicht nur äußerlich an die gute Tradition anknüpfen, sondern auch mit seinem Angebot daran erinnern, dass dieses Lokal nicht nur Treffpunkt der Studenten, sondern auch einmal eines der beliebtesten Lokale für die Bürgerschaft in Godesberg war.