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Mausmobil auf dem Münsterplatz: Ärzte protestieren gegen Tierversuche

Mausmobil auf dem Münsterplatz : Ärzte protestieren gegen Tierversuche

Mit dem "Mausmobil" und einer Informationskampagne hat die bundesweit aktive Ärztevereinigung am Montag auf dem Münterplatz gegen Tierversuche und die Zustände in deutschen Laboren protestiert.

Berthas Leben war kurz. Ende April in einem kleinen Dorf in England geboren, starb sie bereits Mitte September in Hampshire. Zwischendurch wurde immer wieder getestet, wie sie auf verschiedene Wirkstoffe reagiert oder unter Stress agiert. „Wenn ich so etwas sehe, dann könnte ich heulen“, gesteht Julia Wenzel. Am „Mausmobil“ der bundesweiten „Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche“ informierte sie sich über das Schicksal von Laborratten und -mäusen. Der Infobus mit einem riesigen Nager auf dem Dach machte am Montag Station in Bonn. „Es tut mir unendlich Leid, wenn ich solche Bilder sehe“, fügt die 46-Jährige noch an.

„Unter dem Deckmantel der Depressionsforschung müssen Ratten und Mäuse bis zur Erschöpfung schwimmen oder werden bis zur Hilflosigkeit mit Elektroschocks traktiert. Für die EU-Tierversuchsrichtlinie sind derartige Versuche mit schwerem leid verbunden und daher grundsätzlich verboten. Deutschland nutzt aber Ausnahmemöglichkeiten“, so Christian Ott, Neurobiologe und Steuermann des Mausmobils. Zudem würden rund 95 Prozent der Medikamente, die erfolgreich an Tieren getestet wurden, in klinischen Studien durchfallen. Für die Ärztevereinigung gibt es zahlreiche Beispiele von besonders leidvollen Tierversuchen in deutschen Laboren, die nach EU-Recht verboten sein müssten.

Deshalb hat sie im März Beschwerde bei der EU-Kommission gegen Deutschland wegen des Verstoßes gegen die EU-Richtlinie eingereicht. „Tierversuche geschehen noch immer im Verborgenen, und die Grausamkeiten sowie fatalen Folgen für Tiere und Menschen sind kaum bekannt. Zudem blockiert das Festhalten am System die leistungsstarke tierversuchsfreie Forschung“, so Ott.

Franz Hansen stimmt den Forderungen zwar zu. „Aber ich unterschreibe keine Petition mehr. Es interessiert doch eh niemandem, was der Bürger denkt“, erklärt er resigniert am Stand der Ärzte.