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Gedenkaktion am Kaiserbrunnen: Aids-Initiative erinnert an Drogentote in Bonn

Gedenkaktion am Kaiserbrunnen : Aids-Initiative erinnert an Drogentote in Bonn

Die Aids-Initiative errichtet am Kaiserbrunnen eine Erinnerungswand mit Botschaften aus der Szene. Ein Paar berichtet über die Versuche, „das Leben in den Griff zu bekommen“.

Am Mittwoch hat die Bonner Aids-Initiative mit einer Aktion am Kaiserbrunnen nahe dem zentralen Busbahnhof an den „Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen“ erinnert. Aufgestellt war dort eine Wand mit Botschaften aus der Szene an die Toten. „Heinz, wir vermissen dich“ oder „An alle da oben, die ich lieb habe und nie vergessen werde“ war dort zu lesen. Und mancher kam vorbei, der auf einem weißen Kiesel ein paar Worte verfasste an die Gegangenen, um dem Kummer Ausdruck zu verleihen.

Ein Paar, sie 43 Jahre alt, er 45, hat einige Freunde und Bekannte im Laufe der Jahre verloren. Er erzählt von den ersten Erfahrungen mit Drogen im zarten Alter von 13 Jahren, damals im Jugendheim, weg von den Eltern und dem zu Gewaltausbrüchen neigenden Vater. Mit 16 Jahren habe er erstmals Heroin genommen. Sie sagt, sie habe gemeinsam mit ihrem damaligen Mann versucht, die beiden mittlerweile erwachsenen Kinder anständig groß zu bekommen, trotz der Drogen. Der Sohn sei Krankenpfleger, die Tochter stehe auf eigenen Füßen, sagt sie nicht ohne Stolz. Beide nehmen seit Jahren mit medizinischer Begleitung Substitute, also Ersatzstoffe. „Man versucht, das Leben in den Griff zu bekommen, aber einfach ist es nicht“, erzählt sie.

Für Christa Skomorowsky, die mit weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Aids-Initiative an diesem Tag Tüten mit Spritzen, Desinfektionsmittel und Lebensmittelgutscheinen verteilt, bleibt die Situation schwierig. „Die Szene verteilt sich nach der Bebauung des Bonner Lochs und wegen regelmäßiger Kontrollen in der Fläche. Es ist schwieriger geworden, die Leute zu erreichen.“ Aus Sicht von Skomorowsky bleibt die Prohibition von Drogen ein Hauptproblem für ihre Klientel.

Rauschgift würde auf illegalen Märkten unter die Leute gebracht. Es folgten gerade bei den „Ärmsten der Armen“ oft Razzien daheim und am Arbeitsplatz, die Stigmatisierung und das Abrutschen in die Arbeitslosigkeit. Neben der Legalisierung könne der Ausbau der Diamorphinvergabe (ein Ersatzstoff für Heroin), sichere Substitutionsangebote und ein effektives „Drug Checking“, eine Analyse von Drogenbestandteilen, dabei helfen, Leben zu retten. Nach Auskunft der Bonner Polizei seien, so Skomorowsky, zwischen dem 1. Januar 2019 und Juni 2020 elf Menschen nachweislich an ihrem Drogenkonsum gestorben, vom 1. Januar 2020 bis Juni 2021 waren es 18.