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Poppelsdorfer Straßenfest: Alle zahlen jetzt für Bühnenschau

Poppelsdorfer Straßenfest : Alle zahlen jetzt für Bühnenschau

Neuer Vorstand, neue Regeln für das Poppelsdorfer Straßenfest: Die Entscheidungen des Ortsbunds sorgen bei einigen Beteiligten für Unmut.

Karl-Heinz Kron von der Kolpingsfamilie stört sich an der 30 Euro Müllentsorgungsumlage, die neuerdings jeder Standbetreiber zahlen soll – Vereine wie Gastronomen. Letztere kritisieren die Erhöhung der Standgebühr, die selbst Straßenfest-Veteranen abschreckt.

Kron stört, dass auch die Kolpingjugend die 30 Euro zahlen soll. Zumindest den Vereinsnachwuchs könne man doch befreien, um ihn zu ehrenamtlichem Engagement zu motivieren, findet er. Aber Eventmanager Frank Berlebach, der für den Ortsbund das 34. Straßenfest organisiert, stellt klar: „Es gibt keine Ausnahme.“ Wenn die Poppelsdorfer nach dem Fest nicht mehr wie früher mit dem Besen durch die Straße gehen wollen, muss man Bonnorange beauftragen, und die will bezahlt werden. Der Ortsbund legt die Kosten auf alle Beteiligten um.

Hintergrund: Die Stadt Bonn übernimmt laut Presseamt keine Reinigung mehr bei Open-Air-Veranstaltungen, seit 2013 aus dem Amt für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Bonnorange wurde. Über Zuschüsse für Karnevals- oder Martinszüge entscheiden die Bezirksvertretungen – die Bonner Bezirksvertretung beschloss zum Beispiel, dass die Stadt rund 40.000 Euro für den diesjährigen Bonner Rosenmontagszug bereitstellte, davon 14.000 Euro für die Reinigung des Zugwegs. Wer nicht zahlt, macht nicht mit: „Es gibt keine Verpflichtung teilzunehmen“, so Berlebach. Jedem solle daran gelegen sein, dass Poppelsdorf am Tag nach dem Fest wieder ordentlich aussieht, sagt er.

Bei der Kolpingjugend, hält Kron dagegen, falle kein Müll an. Er ist generell der Meinung, dass diejenigen, die Essen auf Plastiktellern oder Servietten verkaufen, auch die Entsorgung zahlen sollen. Kron will den Antrag stellen, dass künftig die Vereine komplett kostenlos am Straßenfest teilnehmen und die Müllumlage von diesem Jahr zurückgezahlt wird. Über diese hätte der Vorstand seiner Ansicht nach nicht ohne die Mitgliederversammlung entscheiden dürfen. Was die Kolpingjugend angeht, stimmt Theresia Schlösser vom Kirchenchor Sankt Sebastian Kron zu. Über die 30 Euro sei aber im Chor gar nicht diskutiert worden. „Wenn das die neuen Regeln sind, passe ich mich da an.“

Allerdings scheine dem neuen Ortsbund-Vorstand, der sich überwiegend aus Geschäftsleuten zusammensetzt, der gemeinnützige Wert der Vereine für Poppelsdorf nicht klar zu sein. „Wir sorgen ja auch für die Dorfhygiene.“ Andreas Eichholz, Direktor des President Hotels, freut sich, dass endlich Profis die Straßenreinigung übernehmen. Ihn stört die Anhebung der Standgebühr: Mussten Gastronomen bislang pauschal 250 Euro bezahlen, sind es jetzt 620 Euro für die Fläche vor dem Hotel. Eichholz kritisiert, dass jetzt die Kosten für das Bühnenprogramm auf alle umgelegt werde, das früher drei Gastronomen alleine bezahlt hatten, weil sie am meisten profitierten – aber die leiteten eben jetzt den Ortsbund.

Jürgen Leyendecker von der Bäckerei Kamps sollte sogar 650 Euro zahlen. „Das rechnet sich einfach nicht“, sagt er und beteiligt sich erstmals seit Jahrzehnten nicht am Fest, so wie auch die Papeterie Lück, das El Tarascon und andere. Stattdessen macht er sein Geschäft ganz normal auf.

Beide stört auch die Entscheidung, dass Bier jetzt nur noch in 0,3-Liter-Gläsern verkauft wird und pauschal drei Euro kosten soll. „Da geht viel Individualität raus“, meint Eichholz. „Man nimmt dem Straßenfest das Bunte.“ Er hatte noch andere Sorgen: Ursprünglich wollte der Ortsbund ihm nur zwölf Meter vor dem Hotel lassen – auf der übrigen Fläche sollte ein externer Autohändler Fahrzeuge präsentieren. Eichholz wehrte sich mit Erfolg – dadurch drohe das Fest die Qualität einer Gewerbeschau anzunehmen, was die Stadt anders bewerten müsste.