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Allerheiligen in Bonn während Corona: Stadt wappnet sich für Totengedenken in der Pandemie

Allerheiligen : Stadt Bonn wappnet sich für Totengedenken in der Pandemie

Das Amt für Stadtgrün der Stadt Bonn ist derzeit mit bis zu 100 Mitarbeitern im Einsatz: Sie säubern die 40 städtischen Friedhöfe, damit sich diese ab Allerheiligen in bestem Zustand präsentieren. Aufgrund der Pandemie ist aber einiges anders.

Der Trauermonat November ist traditionell geprägt von stiller Einkehr, Totengedenken sowie Erinnerungen. Viele schmücken die Gräber ihrer Angehörigen, legen Blumengestecke nieder und entzünden Kerzen sowie Feuerschalen. Damit sich die 40 städtischen Friedhöfe ab Allerheiligen (1. November) in bestem Zustand präsentieren, gibt es für die Stadt derzeit besonders viel zu tun: Bis zu 100 Mitarbeiter säubern in diesen Tagen die Anlagen, pflegen 32 Hektar Wege, schneiden Hecken, entfernen Laub und mähen knapp 20 Hektar Rasen und Wiesen. „Für uns hat jetzt eine besonders arbeitsintensive Zeit begonnen“, bestätigt Jörg Baur vom Amt für Stadtgrün.

Die Auswirkungen von Corona und die damit verbundenen Einschränkungen haben längst auch die Friedhofsmauern erreicht. Viele Veranstaltungen wie Andachten, Grabsegnungen und Gebete werden nicht beziehungsweise nur in begrenztem Rahmen stattfinden. Einige Friedhofskapellen sollen dennoch an Allerheiligen öffnen. „Aber wir werden deutlich weniger Stühle aufstellen, damit sich nicht zu viele Besucher gleichzeitig dort aufhalten“, stellt Baur die Vorsichtsmaßnahmen vor. Denn in den Kapellen gelten ebenfalls die Hygiene- und Abstandsregeln.

Verzichtet wird in diesem Jahr zudem auf die zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag. Stattdessen soll am 15. November auf dem Nordfriedhof mit einer stillen Kranzniederlegung der Toten gedacht und das Ehrenmal geschmückt werden. „So bieten wir Besuchern, über den Tag verteilt, Raum für ihr persönliches Gedenken“, so Baur. Dafür wird die Stadt auch Feuerschalen an der Gedenkstätte entzünden. Entlang der Hauptachse des Südfriedhofs werden zu Allerheiligen ebenfalls zahlreiche Wachsschalen aufgestellt, um den Friedhof bei einsetzender Dämmerung in ein stimmungsvolles Licht zu tauchen.

Umwelt- und Ressourcenschutz ist im Grünflächenamt ebenfalls ein Thema. Seit einigen Jahren werden die Abfälle auf den Bonner Friedhöfen getrennt gesammelt. Kränze und Gestecke sind derzeit aufgrund des hohen Kunststoffanteils in den Restmüllbehältern zu entsorgen. „Aber wir sehen, dass gerade junge Floristen immer mehr kompostierbare Materialien verwenden“, berichtet Baur.

Die veränderte Friedhofs- und Bestattungskultur bereiten seinen Mitarbeiter allerdings immer mehr Arbeit. „Die Zeiten der großen Familiengräber, die regelmäßig von den Angehörigen gepflegt werden, ist vorbei“, beobachtet er. Der Trend geht auch in Bonn mehr und mehr in Richtung Urnengrab. 2019 gab es in der Stadt 2636 Beisetzungen, 1800 davon als Urne. Besonders hoch ist dieser Anteil im Friedhain auf dem Heiderhof (rund zwei Drittel). Ebenso in Duisdorf. Dort standen 120 Urnenbestattungen 30 Sargbegräbnissen an. Immer beliebter werden die großen Urnengemeinschaftsgräber. Die Nachfrage ist so hoch, dass die Stadt in Duisdorf schon bald ein weiteres Gemeinschaftsgrab anlegen wird.

Mit Beginn der nasskalten Jahreszeit hoffen die Mitarbeiter vom Amt für Stadtgrün sowie dem Ordnungsamt, dass es weniger nächtliche Ruhestörungen sowie Zerstörungen auf den Friedhöfen gibt. Aufgrund von Vandalismus musste beispielsweise der Nordfriedhof im Sommer abends abgeschlossen werden (der GA berichtete). „Aber wir sind auch jetzt regelmäßig vor Ort und behalten die Anlagen selbst in der Dunkelheit im Auge“, versichert Baur. Verstärkt wird der Ordnungsdienst ebenfalls an den kommenden Gedenktagen auf Friedhöfen anzutreffen sein, um die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln zu überwachen.

Die Friedhofsverwaltung bittet aufgrund der aktuellen Situation darum, sich bei Fragen telefonisch oder per E-Mail zu melden. Entsprechende Daten sind in den Schaukästen auf den Friedhöfen ausgehängt. Hinweise bezüglich der Pflegearbeiten beantwortet das Amt für Umwelt und Stadtgrün unter ☎ 02 28/77 42 56 oder 77 42 51. Fragen zu einzelnen Grabstätten, etwa zu Nutzungsrechten und deren Ablauf, beantwortet das Bestattungswesen unter bestattungswesen@bonn.de.