Neue Folge „Hinter Bonner Türen“ Als Napoleons Soldaten samt Pferden in einer Bonner Kirche hausten

Audio | Bonn · Das erste Papiergeld, eingezogene Soldaten und zweckentfremdete Kirchen: Die französische Herrschaft über Bonn in den Jahren 1794 bis 1814 hatte viele Neuerungen und Einschnitte zur Folge. Darum geht es in der neuen Podcast-Folge – samt unterhaltsamer Anekdoten.

 Französische Truppen errichten nach der Einnahme Bonns im Oktober 1794 einen Freiheitsbaum (Ölgemälde von Franz Rousseau).

Französische Truppen errichten nach der Einnahme Bonns im Oktober 1794 einen Freiheitsbaum (Ölgemälde von Franz Rousseau).

Foto: Stadtmuseum Bonn

Ein Freiheitsbaum auf dem Marktplatz, der Code Civil, das erste Papiergeld, viele Militärabgaben, eingezogene Soldaten und zweckentfremdete Kirchen: Die französische Herrschaft über Bonn in den Jahren 1794 bis 1814 hatte viele Neuerungen und Einschnitte zur Folge. Für viele Zeitgenossen brachte sie wohl auch viele negative Veränderungen: „Jetzt ist Bonn ein todter stiller Ort, der nichts mehr hat, was den Fremden noch anziehen könnte, als die Ruinen seines ehemaligen Glanzes“, schrieb Friedrich Albert Klebe 1800 in einem Reisebericht.

Die prächtigen Gebäude der kurkölnischen Residenzstadt wurden französischer Staatsbesitz – und zumeist für militärische Zwecke umgenutzt. Ob das kurfürstliche Schloss oder die Kirchen in der Stadt: Vor allem wurde Platz für die Soldaten und ihre Pferde benötigt. Ein Beispiel ist die Namen-Jesu-Kirche in der Bonngasse, die ab 1794 mehrere Jahre als Pferdestall und Soldatenlager genutzt wurde.

Die Bonner hatten, auch nicht zuletzt wegen der Kriegslust Napoleons, der auch Bonner als Soldaten an die Front schickte, und aufgrund des gesunkenen Wohlstands, mehrheitlich bald genug von der Besatzung. Als Napoleons Herrschaft dann zu Ende ging, merkte man das auch in Bonn: „In den letzten Tagen des Monats Oktober (1813) fing die Furcht an, bei den Franzosen in hiesiger Gegend überhand zu nehmen. (…) Alle Schiffe von der rechten Rheinseite sollten herübergeholt werden. Einige Gendarmen gingen auch nach Königswinter, Dollendorf und Beuel, dieses zu vollstrecken, ohne jedoch viel auszurichten, weil die Schiffleute sich widersetzten und suchten, ihre Nachen (Kähne) teils zu versenken, teils zu verstecken“, schrieb der Bonner Chronist Johann Jakob Müller. Die hier erwähnte rechte Rheinseite spielte während der „Franzosenzeit“ eine Sonderrolle: Die französische Grenze war zwar der Rhein, die rechtsrheinischen Gebiete kamen dennoch un­ter mi­li­tä­ri­sche Auf­sicht der Fran­zo­sen. Teile davon wurden als Gro­ßher­zog­tum Berg zu einem fran­zö­si­schen Mo­dell­staat.

Anekdoten aus der französischen Besatzungszeit

Eine umtriebige Bonnerin erhielt in dieser bewegten Zeit eine kleine, aber erwähnenswerte Nebenrolle: Babette von Belderbusch, geborene Koch, war nicht nur eine enge Jugendfreundin Beethovens und die Tochter des Zehrgarten-Wirts, Beethovens Stammlokal am Marktplatz. Sie verwandelte den Zehrgarten in einen Treffpunkt für alles, was in Bonn Rang und Namen hatte. Ab 1802 war sie auch die Ehefrau von Anton Maria Graf von Belderbusch. Als Napoleon persönlich 1804 Bonn besuchte, übernachtete er im Anwesen der beiden Eheleute, im Belderbuscher Hof. Während Napoleon am Tag in und um Bonn unterwegs war, um die Stadt und ihre Bewohner zu inspizieren, blieb Napoleons Frau Joséphine in der Gesellschaft der hochschwangeren Babette. Die Kaiserin fand Babette offenbar so sympathisch, dass sie sich anbot, für das ungeborene Kind die Patenschaft zu übernehmen. Als dann kurze Zeit später die Tochter zur Welt kam, wurde sie Josephine getauft – und Graf von Belderbusch war von Napoleon höchstpersönlich zudem zum „Maire“, einer Art Bürgermeister, ernannt worden. Diese und mehr Anekdoten zur Franzosenzeit in Bonn gibt es im Podcast „Hinter Bonner Türen“ zu hören.

Die neue Folge erscheint am 29. Februar auf allen gängigen Streamingplattformen.

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