1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Comeback nach langer Zeit: Alte Freundschaft rostet nicht

Comeback nach langer Zeit : Alte Freundschaft rostet nicht

Ex-Schülerband Blow up traf sich nach über 40 Jahren wieder und wagt einen Neuanfang. Bekanntschaften kommen und gehen, echte Freundschaften bleiben ein Leben lang bestehen. Davon können die Musiker der Band "Blow up" ein Lied singen, sie kennen sich schon aus Jugendzeiten.

Allerdings haben sie ihrer Freundschaft mal eben zwischendurch eine Pause von mehr als 40 Jahren gegönnt. Die ganze Geschichte im Zeitraffer: 1966 gründeten drei Schulfreunde die Band, 1969 löste sie sich auf, weil nach dem Abitur Ausbildung und Bundeswehr anstanden. Und dann war erst mal Pause. Eine Pause bis 2010.

"Das Verrückte ist, dass wir uns all die Jahre überhaupt nicht mehr gesehen haben, obwohl wir noch alle in Bonn wohnten", sagt Werner Schallenberg. Der 61-jährige Getränkegroßhändler schüttelt darüber immer noch ungläubig den Kopf, denn das ist in einer so übersichtlichen Stadt wie Bonn selten. "Weder bei Partys noch im Karneval und auch nicht beim Einkaufen liefen wir uns in all den Jahren über den Weg", ergänzt Rüdiger Funke (62, Informatiker in Altersteilzeit). "Doch, doch", widerspricht Walter Werhan (60, Fachjournalist). "Ich habe den Werner mal auf einem Karnevalswagen gesehen." Aber das war's dann auch.

Das Wiedersehen der ehemals engsten Freunde war nicht minder kurios. Denn die Internetseite www.bn-beat.de brachte sie wieder zusammen. Die Tochter eines alten Bandmitglieds hatte einen Überraschungsbesuch bei ihrem Vater organisiert. Und die alten Bandmitglieder, gefunden per Internet, bekamen dazu eine Einladung. Beim Wiedersehen war direkt alles wieder wie früher, die alte Vertrautheit war da. "Es hatte sich nichts verändert", stellten alle drei Männer überrascht fest.

Bei dieser Gelegenheit erzählte Funke von seinen musikalischen Aktivitäten, und spontan entschied das Trio, gemeinsam einen Neustart mit "Blow up" zu wagen. Neu hinzu kam Funkes Freund Hafri Brozio (62, pensionierter Studiendirektor), mit dem er seit 30 Jahren im Duo spielt. Schallenberg machte als erster Nägel mit Köpfen und kaufte sich gleich ein Schlagzeug. In den Anfangszeiten der Band hatte er auf Waschmittel-Eimern getrommelt, die anderen stöpselten damals Wandergitarren in Radioverstärker. Heute ist das Material hochwertig und profimäßig. Schallenberg war zwar als einziger ein wenig aus der Übung, aber: "Es ist wie Radfahren, das Trommeln verlernt man nicht. Ich musste mir nur die Feinheiten wieder reinspielen."

Hier könnte die Geschichte eigentlich zu Ende sein, abgesehen einmal von regelmäßigen Proben, die im Büro von Schallenbergs Getränkehandel stattfinden. "Aber uns wurde ganz schnell bewusst, dass wir keine Bier saufende Proberaumband sind", sagt Funke. Nach einem halben Jahr wurde ein privater Auftritt organisiert, bei dem zufällig auch zwei Jungs von der "Harmonie" waren und die Truppe engagierte. Gleich das erste Konzert dort war ausverkauft.

In diesem Jahr wollen "Blow up" zwei Mal in der "Harmonie" auftreten. Gespielt werden dann Coverversionen alter Klassiker. Und der erste Termin am 20. April ist bereits wieder restlos ausverkauft.