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50 Jahre Weiterbildungskolleg Bonn: Anlaufstelle für den Neuanfang

50 Jahre Weiterbildungskolleg Bonn : Anlaufstelle für den Neuanfang

Das Weiterbildungskolleg in Bonn wird 50. In dieser Zeit haben viele Menschen die Schule genutzt, um sich komplett neu zu orientieren.

Zum Abschied durfte nochmal ein Jubiläum gefeiert werden. Am Mittwochnachmittag eröffnete Marlene Walter, Schulleiterin des Weiterbildungskollegs (WbK) Bonn, im Obergeschoss der Schule eine Ausstellung anlässlich des 50-Jährigen Bestehens der Einrichtung. Walter selbst wurde am Mittag nach 13 Jahren an der Spitze der Schule in den Ruhestand verabschiedet. Vermissen wird sie vor allem die Gespräche mit Studierenden, die ganz verschiedene Biografien haben und am Weiterbildungskolleg einen höheren Schulabschluss machen wollen.

Einige dieser Biografien werden in der Ausstellung gezeigt. Zu sehen ist eine Abiturientin aus dem Jahr 1980, die danach noch Medizin studierte. Daneben hängt die Biografie eines ehemaligen Polizisten, welcher 2016 mit 62 Jahren sein Abitur machte und nun Philosophie an der Uni Bonn studiert. „Wir haben hier unglaublich viele verschiedene Geschichten und Individuen, auf die muss man sich einstellen“, so Walter. Es seien genau diese Geschichten und Gespräche mit ihren Studierenden, die sie im Ruhestand am meisten vermissen werde. „Die Gespräche muss ich mir dann halt woanders suchen.“

Biografien, wie sie am Weiterbildungskolleg vorkommen, kann die Schulleiterin bestens nachvollziehen. Schließlich machte sie selbst ihr Abitur an einem Abendgymnasium in Köln. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin für Chemie und Mathematik an einem Kölner Gymnasium, ehe sie sich 2007 auf die Stelle als Schulleiterin am WbK bewarb. „Mich hat es einfach wieder zurück gezogen“, sagt Walter.

Geprägt war ihre Zeit am WbK von vielen schönen Erinnerungen, aber auch Veränderungen. Wegen der Entwicklung der Arbeitswelt hatten viele Menschen nicht mehr die Zeit, abends in die Schule zu kommen. Deswegen richtete man 2013 das Programm Abi-Online ein. Hier konnten die Studierenden ihr Abitur zu Hälfte im Präsenzunterricht und zur anderen Hälfte zu Hause nachholen.

Veränderungen prägten auch die 50 Jahre seit Gründung des Kollegs. Einschneidend war die Einführung des Zentralabiturs. Dadurch müssten die Studierenden heute ganz andere Leistungen erbringen als früher, erklärt Walter. „Trotzdem sehe ich das Zentralabitur absolut positiv. Die Abschlüsse sind nun vergleichbar.“ Niemand könne mehr die Leistungen einer Person herabwürdigen, die ihr Abi an einem Abendgymnasium gemacht hat.

Sich weiterzubilden, davon wird Walter, deren Nachfolge noch nicht geklärt ist (der GA berichtete), auch im Ruhestand nicht ablassen können.  „Ich freue mich drauf, mehr Zeit zum Arabisch lernen zu haben“, erzählt sie. Seit sie vor einem Jahr eine Reise in den Oman gemacht hat, sei sie von der Sprache fasziniert. Auch arabisch sprechende Studierende hätten immer gestrahlt, wenn sie ein paar Worte auf Arabisch mit ihnen gewechselt konnte.