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Verkehrschaos in Bonn: Anschlussstellen werden im Sommer für drei Wochen gesperrt

Verkehrschaos in Bonn : Anschlussstellen werden im Sommer für drei Wochen gesperrt

Die Verkehrsbehinderungen im Zuge der Sanierung der Nordbrücke werden wohl noch umfangreicher werden als bisher schon befürchtet. Denn zusätzlich zur beengten Fahrbahn auf der Brücke werden während der sechswöchigen Bauphase in diesem Sommer die Autobahnab- und -zufahrten der Anschlussstelle Beuel-Süd für mindestens drei Wochen komplett gesperrt.

In Auerberg bleibt lediglich die Auffahrt in Richtung Meckenheim für den Verkehr geöffnet. Das teilte Dieter Siegberg, Leiter des Straßenverkehrsamts des Rhein-Sieg-Kreises, am Dienstagabend auf einer Veranstaltung des Unternehmernetzwerks Rhein-Voreifel im Telekom Dome mit. Er beruft sich dabei auf Unterlagen des Landesbetriebs Straßen.NRW.

Siegberg prognostiziert Verkehrsstaus in der gesamten Region. Was die gesperrten Auffahrten bei Geislar bedeuten können, machte er mit Zahlen klar. Täglich fahren etwa 23.000 Fahrzeuge aus Richtung Niederkassel über die L269: Rund 11.500 wollen in Richtung Bonn, davon etwa 1000 Lastwagen.

Diese würden dann über die Kennedybrücke ausweichen. Wer auf die A59 wolle, werde entweder die Landstraße über Meindorf oder - vor allem Schwerlaster, die nicht unter der Eisenbahnbrücke fahren können - über Sieglar oder Uckendorf nutzen.

[kein Linktext vorhanden]Auf Bonner Seite werden wohl die innerstädtischen Straßen als Ausweichrouten herhalten müssen: etwa Römerstraße, Kölnstraße und An der Josefshöhe. Belastungen wird es auch auf anderen Strecken geben, wenn man bedenkt, dass von den rund 9100 Fahrzeugen (davon 500 Lkw), die in den Spitzenzeiten pro Stunde die Nordbrücke passieren, nach Schätzung der Experten 1400 über die Südbrücke und etwa 900 über die Kennedybrücke ausweichen werden.

Aufgrund des zu erwartenden Staus auf der A565 aus Meckenheim geht Siegberg davon aus, dass sich der Verkehr in Richtung Köln über die A555 einen Schleichweg über den Hardtberger Konrad-Adenauer-Damm und dann über Alfter und Bornheim suchen wird.

"Das ganze Chaos wird sich dann natürlich auch auf den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr auswirken - bis auf die Linie 66", so Siegberg weiter. "Aber die Busse werden wohl auch alle im Stau stecken. Die paar Busspuren, wie etwa auf der L16 zwischen Beuel und Geislar, sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein." Probleme sieht Siegberg nicht nur auf die Pendler zukommen: Betroffen seien auch der Flughafenbus , der aufgrund seiner Schwere nicht mehr über die Nordbrücke fahren darf, die Müllfahrzeuge und alle Speditionen.

Für den Vize-Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Rolf Bausch, hätte es zu diesem Chaos gar nicht kommen müssen, wenn sich die Bonner nicht so vehement gegen die sogenannte Südtangente, die Autobahnspange zwischen A565 und A3, gesträubt hätten. Insbesondere dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär Ulrich Kelber machte Bausch den Vorwurf, die Pläne aus dem Bundesverkehrswegeplan geworfen zu haben.

In der von Volker Groß moderierten Diskussionsrunde verteidigte Kelber das Bonner Vorgehen: Nicht nur das heute schon hohe Verkehrsaufkommen auf der Südbrücke mache deutlich, dass es "nicht schlau" gewesen wäre, weitere Verkehre darauf zu lenken. Angesichts eines Investitionsvolumens von mindestens einer halben, eher einer Milliarde Euro hätte das seit fast 50 Jahren diskutierte Projekt kaum Chancen zur Umsetzung gehabt, so Kelber.

Weitere Stimmen

Kurt Schmitz-Temming, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, fordert, wenigstens während der sechswöchigen Sanierungsphase auf weitere Straßenbaustellen zu verzichten. Weitere Anregung: Fahrgemeinschaften bilden, verstärkt Heimarbeitsplätze und Mehrschichtbetrieb nutzen.

Thomas Radermacher, Kreishandwerkermeister, befürchtet etwa für Logistikunternehmen einen Imageschaden, wenn sie ihre Waren nicht pünktlich ausliefern können. Er fordert Politik und Verwaltungen auf, kreativ nach alternativen Verkehrslösungen zu suchen.