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Extremes Wetter: Anstieg der Bonner Bäche laut Experten nicht vorhersehbar

Extremes Wetter : Anstieg der Bonner Bäche laut Experten nicht vorhersehbar

Bonner Meteorologen erklären, warum Bonn vergleichsweise glimpflich durch die Starkregentage gekommen ist. Die Experten sind sich einig: Es muss mehr getan werden für den Hochwasserschutz.

Karsten Brandt hat zurückgeblättert – soweit es die Aufzeichnungen eben zulassen. Der Betreiber der Bonner Wetterplattform donnerwetter.de kann sich an diesem Donnerstag gut vorstellen, dass man in der Bundesstadt zeitnah den höchsten Juli-Pegel seit dem Jahr 1820 erreichen wird, „je nachdem, was die Mosel mitbringt“. Die Entwicklung der letzten Tage gebe allen Grund zu dieser Angabe. Björn Goldhausen vom Bonner Portal Wetter Online betont, dass die „Prognosen der letzten Tage nahezu eingetreten sind“. Allerdings sei das schnelle Anschwellen der Bonner Bäche kaum vorab zu kalkulieren gewesen. Beide Wetterexperten sind sich über das Offensichtliche einig: Mit Blick auf die dramatische bis tragische Situation in der umliegenden Region sei Bonn glimpflich davongekommen.

„Trotz der Lage in einem Talkessel am Rande eines Mittelgebirges kann sich auf Bonner Gebiet das Wasser an vielen Stellen noch ausbreiten und einen Abfluss suchen“, sagt Brandt. Der Meteorologe betont: „Noch.“ Denn Flächenversiegelung und Klimawandel könnten auch hier für eine veränderte Situation sorgen. „Auch wenn Bonn nur ein kleines Dorf wäre, hätten wir bei einer solchen Niederschlagsmenge in kurzer Zeit Hochwasser. Die städtebauliche Ausbreitung vor allem in den vergangenen Jahrzehnten sorgt allerdings mit dafür, dass Stauungen und eben Überflutungen leichter möglich sind.“ Sein einleuchtendes Beispiel: „Eine abgesenkte Straße unter einer Bonner Bahnbrücke ist eben ein anderer Untergrund als eine grüne Wiese.“

Im Rahmen der Möglichkeiten informiert

Das Bonner Krisenmanagement bewerten beide Wetterexperten als angemessen. „Es wurde im Rahmen der Möglichkeiten informiert und reagiert“, sagt Brandt. „Dass Bäche innerhalb von Minuten massiv ansteigen und zu reißenden Flüssen werden, kann man in der Regel nicht vorhersagen. Dementsprechend konnten die Einsatzkräfte eben nur reagieren, ebenso die Menschen, die in unmittelbarer Nähe wohnen und betroffen sind.“ Ein Anstieg von einem Meter – für den Rhein ließe sich das ordentlich prognostizieren, sagt Goldhausen. Aber: „Je kleiner der Wasserlauf, desto schwieriger wird die Vorhersage.“

Stichwort Juli: Insgesamt liegen Ereignisse wie das extreme Regenwetter im Zuge von Tief „Bernd“ in der Regel außerhalb der Vorstellungskraft im eigentlichen Hochsommer – auch für Meteorologen. „In Bonn gab es seit 1980 keinen Rhein-Pegel jenseits der 6,50 Meter am Rhein“, bemüht Brand die Statistik. „Wir sollten uns aber an die Vorstellung gewöhnen, auch wenn es schwerfällt. Und daraus resultierend sollte man für künftige Extremfälle vorsorgen, vor allem im Umfeld der Bäche.“

Hochwasserschutz in Bonn fängt im Umland an

Abgesehen von den Ursachen, die beide Experten neben einem Zusammenspiel von Wetterlagen auch in der Klimaveränderung sehen, gelte es, an regionalen Stellschrauben zu drehen. „Am besten die Entwicklung stoppen“, sagt Goldhausen mit Blick auf den Versiegelungsboom. „Die Wasserlage in Bonn hängt immer auch vom Umland ab“, betont Brandt, „die Wald- und Grünflächen müssen erhalten, noch besser ausgeweitet werden.“ Vieles habe man selbst in der Hand. „Katastrophen wie jetzt im Ahrtal sollten den Sicherheitsverantwortlichen in Bonn zu denken geben.“