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Ausbau des Heizkraftwerkes in Dottendorf: Anwohner fürchten Lärm und Wertverlust ihrer Häuser

Ausbau des Heizkraftwerkes in Dottendorf : Anwohner fürchten Lärm und Wertverlust ihrer Häuser

Die Stadtwerke Bonn (SWB) wollen das Heizkraftwerk Süd zu einer modernen Gas- und Dampfturbinenanlage erweitern, um die Fernwärmeversorgung in Bonn auszubauen. In einem Vorbescheidsverfahren bei der Bezirksregierung Köln wird deshalb ermittelt, in welchem Umfang ein Ausbau des Dottendorfer Standorts genehmigungsfähig wäre.

Anwohner der benachbarten Kessenicher und Dottendorfer Wohnsiedlungen haben sich zu einer Bürgerinitiative gegen die Ausbaupläne zusammengeschlossen. Sie fürchten zusätzliche Belastung durch Lärm und einen Wertverlust ihrer Häuser. Nun haben sie ein Gutachten vorgelegt, das eine Gas- und Dampfturbinenanlage als unwirtschaftlich bewertet.

Das Gutachten wurde von "EEB Enerko" erstellt, einem Unternehmen, das auch viele Stadtwerke bei der Entwicklung der Fernwärmeversorgung beratend und planend unterstützt. Die Gutachter haben drei Szenarien bis zum Jahr 2040 entwickelt. Sie gehen davon aus, dass die SWB rund 90 Millionen Euro für den Ausbau investieren müsste.

In allen drei Szenarien, die von unterschiedlichen Entwicklungen des Wärmebedarfs, der Energiepreise und staatlicher Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung ausgehen, können die veranschlagten Finanzierungskosten nicht erwirtschaftet werden. Nur ein vierter, "sehr optimistischer Bestfall" sieht eine Amortisierung nach 17 Jahren vor.

Gutachter sprechen sich gegen Ausbaus aus

Hauptgründe dafür seien, dass der Bedarf an Fernwärme in Bonn bereits durch das bestehende Heizkraftwerk Nord größtenteils gedeckt sei und sich die Energiepreise negativ entwickelten - sprich die Kosten für Erdgas steigen, während die Erlöse mit den Börsenstrompreisen sinken. Ein Ausbau sei daher nicht zu empfehlen, so die Gutachter.

Wie bislang als Reserve für Spitzenzeiten wird aber empfohlen, den Standort beizubehalten. "Die Stadtwerke verweisen auf die Klimaziele 2020, das finde ich absolut in Ordnung. Wenn allerdings der Effekt nicht erreicht wird und es, wie das Gutachten zeigt, gar nicht genug Abnehmer für die Fernwärme gibt, sehe ich nicht ein, dass die Nachbarn unter dem Lärm und dem Werteverlust ihrer Häuser leiden sollen", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, Frank Hoffmann.

Vor allem durch die Lärmemissionen sehen sich die Anwohner beeinträchtigt, so Hoffmann. "Diese tieffrequenten Geräusche nehmen zwar nur rund zehn Prozent der Bevölkerung wahr, für diese ist dies aber sehr belastend, vergleichbar mit einem starken Tinnitus." Zumal sich in unmittelbarer Nähe die Erich-Kästner-Schule befinde. Viele der Anwohner seien, als sie in das Wohngebiet zogen, zudem davon ausgegangen, dass die Stadtwerke den Standort aufgeben.

"So wurde es damals transportiert, außerdem haben die Stadtwerke damit Werbung gemacht, dass das Heizkraftwerk Nord ganz Bonn versorgen könne." Die Geräusche träten jetzt nur in den Wintermonaten auf, nach dem Ausbau das ganze Jahr, befürchten die Anwohner. Zwar seien Lärmmessungen durchgeführt worden. "Uns wurde zugesagt, dass die Messungen unter Volllast gemacht werden, wir hatten einen milden Winter, von Volllast kann keine Rede sein."

Stadtwerke äußerte sich nicht

Zu den Ergebnissen des Gutachtens wollten sich die Stadtwerke nicht äußern. Das Verfahren befinde sich noch in einer sehr frühen Phase und aus Sicht des kommunalen Unternehmens gebe es derzeit keinen neuen Sachstand zu berichten oder zu kommentieren, sagte SWB-Sprecher Werner Schui auf Anfrage. Eng verbunden ist die Zukunft des Projekts mit der Frage der weiteren Nutzung des direkt angrenzenden Miesen-Geländes.

Eigentlich gibt es für das Areal an der Dottendorfer Straße Pläne für eine neue Wohnsiedlung. Sie werden aber wohl im Fall eines Ausbaus des Heizkraftwerks nicht umgesetzt. In seiner vergangen Sitzung hat der Planungsausschuss sich einstimmig bei Enthaltung der SPD und der Piraten dafür ausgesprochen, das Verfahren zur Entschließung nicht weiter zu verfolgen.

Das Gelände ist außerdem als möglicher Standort für ein neues Kombibad im Gespräch. Zwar hatte die Sportverwaltung sich für die Beueler Rheinaue ausgesprochen, weil das Miesen-Gelände wegen der Nähe zum Heizkraftwerk und zur Eisenbahnstrecke unattraktiv sei, außerdem schlecht erreichbar. Anders als die Rheinaue müsste das Areal auch von der Stadt erworben werden; die Grundstückskosten werden mit mindestens fünf Millionen Euro veranschlagt.

Die Ratsmehrheit aus CDU, Grünen und FDP hält das Areal aber nach wie vor für eine Option. Auch der designierte Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat sich klar für ein Kombibad im linksrheinischen Bonn ausgesprochen. Wie mit dieser Gemengelage umgegangen werden soll, das werde derzeit noch politisch und innerhalb der Verwaltung analysiert, so Rolf Beu (Grüne), Vorsitzender des Planungsausschusses.