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Ehemaliges Uni-Gästehaus: Anwohner in Ippendorf befürchten massiven Neubau

Ehemaliges Uni-Gästehaus : Anwohner in Ippendorf befürchten massiven Neubau

Das ehemalige Gästehaus der Universität Am Engelspfad in Ippendorf steht kurz vor dem Verkauf. Die Anwohner befürchten, dass nach dem Abriss des Gebäudes dort ein massiver Neubau errichtet wird.

Das frühere Gästehaus der Universität Bonn Am Engelspfad fristet schon seit vielen Jahren ein trostloses Dasein. Die Immobilie steht seit mehr als fünf Jahren leer und verfällt zusehends. Inzwischen hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB) zwar die Verkaufsbemühungen intensiviert, aber was nach Abriss der Immobilie auf dem Grundstück entstehen könnte, beunruhigt viele Ippendorfer gleichwohl.

Der Bürger Bund Bonn (BBB) hat die Irritationen durch eine Bürgerinformation losgetreten. Im Oktober habe die Stadt mitgeteilt, dass eine Bauvoranfrage für das Grundstück vorliege, informierte die Wählergemeinschaft die Ippendorfer. Nach Abriss des Gästehauses sollen demnach 52 Einzelzimmer-Appartements im Wege des öffentlich geförderten Wohnungsbaus entstehen, offenbar als privates Studentenwohnheim. Für die Behausungen mit Größen von 22 bis 37 Quadratmetern sollen Parkplätze in einer Tiefgarage untergebracht werden.

Angebliche Massivität des Neubaus

Das ist es aber nicht, was BBB-Fraktionschef Marcel Schmitt und Ratsherr Johannes Schott umtreibt, sondern die angebliche Massivität des Neubaus. Die im rechtsgültigen Bebauungsplan maximal festgelegte Ausnutzung solle um rund 37 Prozent überschritten werden, und die höchstens erlaubte Geschossfläche von Gebäuden auf dem Grundstück solle sogar um fast 90 Prozent überzogen werden, haben Schmitt und Schott in Erfahrung gebracht. Das Gebäude hätte damit drei Etagen.

„Gegen die Vorgehensweise haben wir Bedenken“, sagen sie. „Zwar weicht die heutige Bestandsbebauung auch schon vom geltenden Baurecht ab, diesen Umstand aber als Begründung dafür anzuführen, eine noch massivere Bebauung vor Ort mit den absehbaren Folgen für die Nachbarschaft zuzulassen, halten wir für nicht tragbar.“ Außerdem kritisieren sie, dass die Bürger nicht über die Absichten informiert wurden.

Die Kritik fiel bereits auf fruchtbaren Boden. Nach einem Ortstermin, an dem rund 30 Nachbarn teilnahmen, hat der Ippendorfer Winfried Müller einen Bürgerantrag an die Stadt gestellt, das Bauvorhaben nicht in der besagten Form zu genehmigen. „Durch die massive Bebauung werden die Anlieger erheblich beeinträchtigt.“ Und gegen die Verschattung und schlechtere Luftzirkulation helfe auch keine geplante Dachbegrünung. Auch die Stellplatzfrage sei kritisch zu prüfen.

Versehentlich falsche Werte genannt

Die Stadt teilte inzwischen mit, dass sie versehentlich falsche Ausnutzungswerte für das Grundstück genannt habe, die aus einer überholten Planung stammen. Derzeit werde auch nicht das gesamte mögliche Baufenster ausgenutzt. Die Überschreitung des geplanten Vorhabens hält das Bauordnungsamt gleichwohl für städtebaulich vertretbar. Die Bezirksvertretung Bonn hat sich in ihrer jüngsten Sitzung inzwischen für nicht zuständig erklärt, so dass sich der Unterausschuss Bauplanung am Mittwoch, 13. Februar, als nächstes inhaltlich mit der Sache befassen wird.

Derweil stellt sich heraus, dass der Grundstücksverkauf noch gar nicht in trockenen Tüchern ist. „Die Vertragsverhandlungen mit dem Höchstbietenden dauern zurzeit noch an“, teilte Tim Irion, Vizechef der BLB-Kommunikation, auf Anfrage des General-Anzeigers mit. Über dessen Identität können man aus Gründen der Vertraulichkeit aber keine Angaben machen.

Erinnerung an alten Fall

Das Studierendenwerk Bonn ist es jedenfalls nicht, sagte dessen Sprecher Robert Anders dem GA. „Das würde sich für uns auch nicht lohnen, denn das wäre zu klein.“ Das Bonner Studierendenwerk brauche für seine Wohnheime große Einheiten, weil man darüber das ausgegebene Ziel erreiche, günstige Mieten für die Studenten zu bieten.

Noch gut in Erinnerung ist in Ippendorf ein anderer Fall, in dem es ebenfalls um eine Massivität von Neubauten ging. Als ein Investor die frühere tschechische Botschaft an der Ferdinandstraße abreißen wollte, ging vor rund zehn Jahren ein Sturm der Entrüstung durch die Nachbarschaft. Man warf den Planern vor, massiv vom bestehenden Bebauungsplan abzuweichen, es ging in Bürgerversammlungen hoch her. Am Ende einigte man sich im Wege des Kompromisses auf einen Weg, das sogenannte „Smetana-Carrée“ zu bauen, nämlich mit kleineren „Stadtvillen“, einer geringeren Baudichte und größeren Abstandsflächen zu den bestehenden Häusern. Vor fünf Jahren zogen die ersten Bewohner in die 55 Wohnungen an der Ferdinandstraße ein.