Prozess in Bonn Apotheker fälscht Rezepte aus Wut auf Krankenkassen

Bonn · Vor dem Bonner Amtsgericht gesteht ein 67-jähriger Pharmazeut, Rezepte gefälscht zu haben, um sich an einer Krankenkasse für ungerechte Abrechnungen zu rächen. Das Gericht verurteilt ihn zu einer Haftstrafe auf Bewährung.

Er hat eine eigene Apotheke, die genug abwirft für ein sorgenfreies Leben, und dennoch fälschte der 67-jährige Apotheker Rezepte, um bei einer Krankenkasse abzukassieren. Vor dem Bonner Amtsgericht wartet der Pharmazeut nun mit einer überraschenden Erklärung für seine Manipulationen auf: Aus Wut auf Krankenkassen habe er sich zu den Fälschungen hinreißen lassen.

Betrug in sechs Fällen wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, und der 67-Jährige gesteht alle Taten ohne Wenn und Aber. Zwischen dem 24. März 2015 und dem 18. Januar 2016 setzte er sich nach Erhalt von Rezepten hin und machte sich an die Arbeit: Mal fügte er auf den ärztlichen Medikamentenverordnungen noch ein Medikament zur Krebsbehandlung hinzu, mal war es ein Mittel gegen Arthritis, mal ein Medikament, das Patienten nach einer Transplantation einnehmen müssen, um die Abstoßung des fremden Organs zu verhindern, oder auch Psychopharmaka.

Eines aber hatten alle Mittel gemeinsam: Sie waren teuer, keines war billiger als 1000 Euro, manche kosteten 3300, 4900, eines sogar 9370 Euro. Die Patienten, die mit ihren Rezepten zu ihm kamen, merkten davon nichts, denn ihnen hatte er ja zuvor ganz ordnungsgemäß nur das von ihrem jeweiligen Arzt verschriebe Medikament ausgehändigt. Die Rezepte reichte der Apotheker dann bei der Krankenkasse ein und kassierte das Geld für die von ihm angeblich an Patienten ausgegebenen teuren Pharmaprodukte.

Insgesamt erhielt er so rund 24.000 Euro für Medikamente, die nie über seine Ladentheke gegangen waren. Fast zehn Monate lang trieb er sein falsches Spiel, doch dann schöpfte die betroffene Krankenkasse Verdacht. Denn irgendwann fiel auf, dass immer wieder Medikamente auf den Rezepten auftauchten, die in keinem Zusammenhang standen mit anderen Mitteln, die den Patienten verordnet worden waren. Und vor allem: Sie passten nicht zu den Erkrankungen der Patienten. Und immer fanden sich die Unstimmigkeiten auf Rezepten, die diese eine Apotheke einreichte.

Die Krankenkasse forschte nach, erkundigte sich bei den Ärzten, die angeblich diese merkwürdig unpassenden Mittel aufgeschrieben hatten, und es stellte sich heraus: Die Mediziner wussten von nichts und konnten glaubhaft machen, dass nicht sie die fraglichen Medikamente verordnet hatten. Die Krankenkasse zeigte den Apotheker wegen Betruges an, und das Verfahren gegen den 67-Jährigen kam ins Rollen.

„Damals habe ich mich häufig über die Kassen geärgert“, erklärt der Angeklagte, denn die hätten regelmäßig nicht alles bezahlt, was auf den Rezepten gestanden habe. „Vielleicht war es ja so eine Art Revanche“, sagte er und versichert: „Heute würde ich das nicht mehr machen.“ Es tue ihm sehr leid. Das ergaunerte Geld hat er zurückgezahlt.

Das Gericht verurteilt ihn am Ende wegen sechsfachen Betruges zu einem Jahr und acht Monaten Haft auf Bewährung und erteilt ihm die Auflage, 3000 Euro an das Aktionsbündnis „Deutschland hilft“ zu zahlen. Seine Apotheke betreibt er noch, er selbst hat sich aber weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.

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