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Altes Rathaus Bonn: Auf der Suche nach Entwürfen gegen militanten Salafismus

Altes Rathaus Bonn : Auf der Suche nach Entwürfen gegen militanten Salafismus

Pädagogen aus ganz NRW haben im Alten Rathaus Bonn mit Präventionsfachleuten über Mittel gegen Radikalisierung diskutiert.

. „Ihr Vortrag über den Islam war für mich eine Offenbarung. Es ist schön zu sehen, wie ähnlich sich Christen und Muslime sind.“ Der Kommentar einer Grundschullehrerin aus Frechen am Donnerstag im Gobelinsaal des Alten Rathauses schien vielen anderen Pädagogen und Präventionsfachleuten aus dem Herzen zu sprechen. Denn der Applaus, den der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide erntete, war stark und lang anhaltend. Der Theologe, der an der Universität Münster unter anderem junge Menschen zu Lehrern für islamischen Religionsunterricht ausbildet, gilt als jemand, der den Islam so aufgeklärt und menschenfreundlich interpretiert, dass auch viele Nichtmuslime darin eine ganz andere Religion erkennen als die, die Islamisten predigen.

Denn darum ging es bei der Tagung für pädagogische Fachkräfte, zu der rund 160 Teilnehmer aus Bonn und anderen Teilen NRWs gekommen waren: um den „vielfältigen Islam und gewaltbereiten Salafismus“. Veranstalter waren die Stadt Bonn, die Landeszentrale für politische Bildung und verschiedene NRW-Ministerien.

Wie wichtig eine solche Tagung sei, zeigt nicht nur das hohe Interesse daran, sondern auch der Tagungsort: „In diesem Saal sind schon wichtige Häupter empfangen worden“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan zur Begrüßung. Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Coletta Manemann, machte zum Auftakt deutlich, dass es bei der Vorbeugung von Extremismus keine Patentrezepte gebe und Muslime unverzichtbare Partner der Prävention seien.

Und: „Wir müssen uns noch mehr Gedanken über Prävention machen“, sagte später Khorchide. Eines der Grundprobleme von Radikalisierung sei, „dass es zu wenig Gegenangebote zu denen der Salafisten gibt“. Das Islambild eines Theologen wie Khorchide könnte ein solches „Gegennarrativ“ sein. So wusste er am Donnerstag selbst einen für viele Nichtmuslime schaurigen Begriff wie „Scharia“ überzeugend als „Prozess des Menschen auf dem Weg zu Gott“ zu erläutern – und eben nicht als unbarmherziges, aufoktroyiertes Rechtssystem.

Ansätze, junge Menschen stark zu machen gegen Extremisten, gibt es viele, wie die Tagung zeigte. Auch in Bonn gibt es mittlerweile eine Reihe von Projekten, die die Pädagogen zum Abschluss in Gesprächen mit Experten kennenlernten. „Denn allein wären Sie als Lehrer mit dem Problem des gewaltbereiten Extremismus überfordert“, wie Jochen Müller vom Verein „ufuq.de“ meinte.