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Tannenbusch-Gymnasium: Aufführung zum 30-jährigen Jahrestag des Mauerfalls

Tannenbusch-Gymnasium : Aufführung zum 30-jährigen Jahrestag des Mauerfalls

Das Theaterstück „30 Jahre – eine deutsch-deutsche Geschichte“ erzählt die Geschichte von zwei jungen Menschen gegen Ende der 1980er Jahre, die sich am Plattensee in Ungarn kennenlernen. Zu sehen ist es ab nächster Woche in der Aula des Tannenbusch-Gymnasiums.

Neben dem Gefühl, gute Unterhaltung erlebt zu haben, dürften die Zuschauer am Ende der Aufführung zu „30 Jahre – eine deutsch-deutsche Geschichte“ die Aula des Tannenbusch-Gymnasiums (Tabu) demnächst auch emotional berührt und nachdenklich verlassen. Was die rund 120 Schülerinnen und Schüler von Unterstufe bis Q2 innerhalb eines Jahres in Literatur-, Musik- und Theaterkursen erarbeitet haben, wird dann manch einen Zuschauer, der im Gegensatz zu den Schülern die Zeit der beiden deutschen Staaten und deren Wiedervereinigung als Erwachsener miterlebt hat, überraschen. Es ist den Jugendlichen des Tabu-Gymnasiums gelungen, zum 30-jährigen Jahrestag des Mauerfalls ein Musiktheaterstück zu entwickeln, das weit mehr ist als ein Theaterspiel mit Hintergrundmusik.

Das Stück erzählt die Geschichte von zwei jungen Menschen

„Wir haben versucht, uns mit der DDR kontrovers auseinanderzusetzen“, sagt Franziska Latz (18) während einer Probe ihres Theaterkurses. Natürlich sei bei ihr, wie sie sagt, „vor allem die negative Konnotation der DDR hängengeblieben.“ Die Beschäftigung mit der DDR im Deutsch- und Geschichtsunterricht habe jedoch auch die positiven Aspekte, wie den Zusammenhalt der Menschen untereinander und die sozialen Angebote, in dem Unrechtsstaat herausgearbeitet.

Das Theaterstück wird ab nächster Woche die Geschichte von zwei jungen Menschen gegen Ende der 1980er Jahre zeigen, die sich am Plattensee in Ungarn kennenlernen. Einer der Orte, die von Ost- und Westdeutschen besucht werden konnten. Die beiden stellen fest, dass sie in völlig unterschiedlichen Welten groß geworden sind. Monika (Michelle Spomer, 17) und Alexander (Paul Heß, 17) verlieben sich ineinander. „Die Liebesgeschichte bietet in unserem Stück eine Identifikationsmöglichkeit für Jüngere, um nachvollziehen zu können, was es bedeutet, in Grenzen zu leben, die nur schwer zu überwinden sind“, erklärt Deutschlehrerin Stefanie Heß, die zusammen mit ihrer Musikkollegin Martina Theobald das Musiktheaterprojekt begleitet hat. Auch die zwei Lehrerinnen machten die Erfahrung, dass ihnen manche Details aus der DDR-Vergangenheit nicht bekannt waren.

So wurde die um Hammer und Sichel ergänzte deutsch-demokratische Nationalfahne nicht bereits zur Staatengründung, sondern erst Anfang 1960 eingeführt. Dagegen verschwand aus der Nationalhymne der DDR, „Auferstanden aus Ruinen“, nach und nach der Text, weil dem Regime dort zu viel von Einheit gesungen wurde.

Was hier nach Geschichtsunterricht klingen könnte, wird durch die Rahmenhandlung, die Tabu-Big Band, das Orchester und verschiedene Chöre der Schule mit sentimentalen oder auch rockigen und mitreißenden Eigenkompositionen, Liedern, Hymnen und Schlagern zu einem musikalisch geschichtlichen Kaleidoskop der Wendezeit. Die Fünft- und Sechstklässler lassen mit ihrem Auftritt als Junge Pioniere erahnen, welche Manipulation schon in Kindergärten und Schulen der DDR stattfand. Lieder wie „Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee“ oder „Die kleine weiße Friedenstaube“ wurden mit gleicher Inbrunst gesungen wie „Die Partei, die Partei hat immer recht“. Und die überlieferten Zitate von vier Mauertoten gehen mit Sicherheit unter die Haut.

Der Kunstgriff, die Begegnung von Monika und Alexander in einen Plattenladen zu verlegen, eröffnet die Möglichkeit, ausdrucksstarke Musik aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen, von Beethovens „Ode an die Freude“ über „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd oder „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen, aufzuführen.

„30 Jahre - eine deutsch-deutsche Geschichte“:öffentliche Generalprobe am Montag, 8. April, ab 18.30 Uhr, Aufführungen am Dienstag und Mittwoch, 9. und 10. April, jeweils ab 19 Uhr in der Aula. Der Eintritt ist frei. Im Foyer des Gymnasiums, Hirschberger Straße 3, werden ab 18 Uhr eine Fotoausstellung über den DDR-Alltag und Arbeiten zum Thema „Meinungsfreiheit“ aus den Kunstkursen gezeigt.