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Eismännchen, Fernfahrer und Apotheker: Auftakt der 5. Talkreihe „Bönnsche Köpp“

Eismännchen, Fernfahrer und Apotheker : Auftakt der 5. Talkreihe „Bönnsche Köpp“

Auf Umwegen zur Karnevalsmusik: Das gilt mehr oder weniger für alle drei „Bönnsche Köpp“, die Willi Baukhage am Montagabend im Vereinshaus der Großen Dransdorfer Karnevalsgesellschaft begrüßte.

Die Geschichten dahinter sind spannend und boten beim Auftakt zur fünften Staffel der Talkreihe zusammen mit Gesang und Gedichtvorträgen viel Unterhaltungswert. „Am Anfang wollten wir Rockmusik machen“, erzählte Winnie Lombardo, Frontmann der Gruppe Schäng. Vorbild sei zum Beispiel BAP gewesen. Der Halbitaliener aus Pützchen hatte sich mit anderen Musikern zusammen getan, sie hatten sich Schäng genannt, das rheinische Wort für Vagabund. „Der kriegt viel vom Leben mit, und wir machen Musik aus dem Leben.“

Letztlich machten sie Mundartmusik, die gut zum Fastelovend passt. Karneval gehörte immer dazu für ihn, das Musizieren auch, aber mit Noten hatte er es nicht so, er spielte zum Beispiel Orgel nach Gehör, erzählte der gelernte Metzger, der mit seiner Lebensgefährtin Ina Harder seit April die Gaststätte Zur Rheinbrücke führt. Sein Kindheitstraum war das nicht: „Als ganz kleines Kind wollte ich Eismännchen werden.“

Dass er mal eine Legende im rheinischen Karneval werden würde, hätte sich Heinz Ganss nicht träumen lassen. „Ich hatte mit Fastelovend nichts am Hut“, sagte der 74-Jährige, den man allseits unter dem Namen King Size Dick kennt. „Ich wusste gar nicht, dass der Karneval am 11.11. anfängt.“ So richtig zur Musik kam er als Bundeswehrsoldat in Wales. In Köln gründete der bärtige Kölner, der hauptberuflich als Fernfahrer arbeitete, einige Bands, über die Black Beats lernte er Bläck-Fööss-Frontmann Tommy Engel kennen.

Der bot Ganss, den die Menschen seit der Kindheit wegen seines stämmigen Körperbaus liebevoll Dick nannten, eines Tages einen Job als Fahrer des Band-busses während der Session an. Er übernahm auch den Gesangspart bei dem Song „Linda Lou“, sein Durchbruch im Fastelovend. Mit ihm kam letztlich die Rockmusik in den kölschen Karneval.

Seinen Künstlernamen erhielt, als er in Wales englischen Soldaten erklärte, wofür der Name Dick steht: Sie interpretierten seine Umschreibung als „king size“. Aus dem Kölner und Bonner Karneval ist auch Markus Quodt nicht wegzudenken. Dass dem so ist, hat er Baukhage zu verdanken, der sich 1992 als Literat des Festausschusses Bonner Karneval dafür einsetzte, dass er künftig die Bonner Sitzungskapelle für die großen Veranstaltungen leitete. Er führte ein, dass nach dem Tusch Karnevalslieder angestimmt werden. „Das kam gut an“, sagte der gebürtige Bonner. „Jetzt haben wir eine Tuschmappe mit 150 Liedern und ein paar hundert im Kopf, die wir spontan abrufen.“

Der Apotheker, der über einen Ingenieur von Bayer ans Musizieren und auch zum Pharmaziestudium kam, kann dabei auf seine Bandmitglieder vertrauen, die ihm in den 25 Jahren treu geblieben sind. Für eine Sitzungskapelle sei das auch wichtig: „Die Kunst ist es auf jeden Fall, sehr schnell auf das gesprochene Wort eingehen zu können“, erklärte er. Dafür braucht man gute Musiker und gute Freunde.“