App „TooGoodToGo“ Aus der Ladentheke direkt in die Wundertüte

Bonn · Über die App „TooGoodToGo“ werden Lebensmittel gerettet. In Bonn gibt es ein breites Angebot. Warum Gastronomen, Hoteliers und Geschäftsleute mitmachen und wie die Kundinnen und Kunden davon profitieren.

Die App TooGoodToGo auf einem Handy in der Friedrichstraße.

Die App TooGoodToGo auf einem Handy in der Friedrichstraße.

Foto: Benjamin Westhoff

Nicht auf den Teller, sondern unangerührt direkt in die Tonne: Rund 17 Prozent aller weltweit produzierten Lebensmittel werden nach Angaben der Vereinten Nationen vernichtet. Allein in Deutschland sind das etwa elf Millionen Tonnen jährlich. Dabei könnte ein großer Teil dieser Verschwendung mit einfachen Lösungen vermieden werden.

Beispielsweise mit „TooGoodToGo“. Diese App verbindet Bäckereien, Tankstellen-Bistros, Supermärkte sowie Betriebe aus Gastronomie und Handel mit Konsumenten, damit überschüssige Nahrungsmittel preiswert abgegeben und so vor der Vernichtung gerettet werden. Am Ende des Tages oder kurz vor Ladenschluss werden einige Lebensmittel über diese App rund 60 bis 70 Prozent günstiger verkauft. Auch in Bonn haben sich Gastronome, Hoteliers sowie Geschäftsleute dieser Initiative angeschlossen.

Tüten sind nach den Feiertagen besonders beliebt

Für den Leiter von Denns Biomarkt in Endenich ist das „eine super Sache. „Alles, was dazu beiträgt, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden, ist wichtig“, sagt er. Kaum hat er über die App eingestellt, dass Tüten abholbereit stehen, kommen auch schon die ersten Nutzer. „Da muss man manchmal schnell sein.“ Besonders beliebt sind die Tüten nach Feiertagen wie beispielsweise Ostern. „Dann stehen hier bis zu 20 gepackte Taschen.“ Er bietet seine „Wundertüten“ meist in drei verschiedenen Formen an: mit Obst und Gemüse, mit Backwaren oder als „Überraschungspaket“. Informiert werden die Nutzer per App. Über diesen Dienst reservieren sie ihre Tüte und zahlen bargeldlos. Insgesamt hat Denns Biomarkt nach Unternehmensangaben bisher rund eine Million Lebensmittel-Tüten verkauft.

Begeistert ist Kevin Stollenwerk vom Edeka-Markt an der Annaberger Straße in Friesdorf von der Aktion. „Natürlich mache ist gerne mit. Das ist eine wirklich gute Idee. Und sehr erfolgreich“, sagt der Einzelhändler. Kaum hat er das tagesfrische Angebot ins Netz gestellt, melden sich schon die ersten Kunden im Geschäft. „Innerhalb kürzester Zeit ist alles weg. Da muss man schon flexibel sein und kann nicht lange überlegen. Sonst geht man leer aus.“ In den Taschen gibt es oft Obst, Salat oder Gemüse mit winzig kleinen Schönheitsfehlern. „Jeder legt zwar Wert auf Nachhaltigkeit. Doch die Bananen mit dunklen Punkten will dann doch niemand kaufen“, beobachtet Stollenwerk.

Keine Ware vom Vortag

Feinste Torten, leckere Kuchen. Was frisch aus der Backstube kommt, soll auch frisch serviert werden. „Daher verkaufen wir keine Ware vom Vortag“, sagt Mohammed Babaei vom Lilium Café und Konditorei in der City. Rund zehn bis 15 Tüten packt er jede Woche, um sie bei „TooGoodToGo“ anzubieten. Zwar reservieren vor allem junge Leute sowie Studenten die Lebensmittelpakete, doch „letzte Woche kam sogar eine 80-jährige Kundin, die sich über die App angemeldet hat“, erzählt er. Für ihn ist die Initiative eine „Win-Win-Win-Aktion“. „Dabei gibt es drei Gewinner“, erklärt Babaei. „Es werden weniger Lebensmittel vernichtet, wir produzieren weniger Müll, und wir machen gleichzeitig Werbung für unser Geschäft“, rechnet er vor. „Bester geht’s doch nicht.“

Was der Gast am Frühstücksbuffet im Achat Sternhotel am Markt übrig lässt, lassen sich andere gerne noch schmecken. Seit Januar 2023 ist das Traditionshaus bei der App registriert. Und wer für den Transport von Brötchen, Teilchen, warmen Speisen, Obst und Gemüse nicht die richtige Verpackung mitgebracht hat, der bekommt sie gerne von den Hotel-Mitarbeitern. Zwischen 10.30 Uhr 10.45 Uhr werden die Lebensmittel abgeholt. Allerdings ist das Angebot derzeit gering, „weil momentan nach dem Frühstück nichts übrigbleibt“, sagt Sprecherin Sabine Dächert für die Achat Hotels.

Tankstellen ebenfalls beteiligt

Gleich mehrere Aral-Tankstellen in Bonn (Im Wingert, Godesberger Allee, Potsdamer Platz, Rochusstraße, Königswinterer Straße, Römerstraße, Landsberger Straße) sind ebenfalls dabei. Der genaue Inhalt der Tüten bleibt bis zur Abholung eine Überraschung – „je nachdem, was am Ende des Tages übriggeblieben ist. Das können zum Beispiel belegte Backwaren und herzhafte oder süße Snacks aus dem Bistro sein, die am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden können. Auch Produkte aus dem Shop wie Sushi oder Salate können in der Überraschungstüte landen“, so Unternehmenssprecher Kai Krischnak. Mehr als 1100 unternehmenseigene Aral Tankstellen in Deutschland beteiligen sich an der Aktion. Insgesamt wurden bisher rund 1,3 Millionen Tüten verkauft.

Die Stadt Bonn hat sich bereits vor zwei Jahren der Initiative „Städte gegen Food Waste” angeschlossen. Neben Bonn sind auch Bochum, Dresden, Essen, Frankfurt am Main, Kassel, Kiel, Köln, Mainz und Saarbrücken dabei. Gegründet wurde die Aktion von „TooGoodToGo“. Mit ihrer Teilnahme sagen die Partnerstädte zu, sich aktiv für die Lebensmittelrettung einzusetzen und damit einen wichtigen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit vor Ort zu leisten.

Gemeinsam gegen Lebensmittel-Verschwendung

„Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein wesentlicher Treiber der Klimakrise und somit auf mehreren Ebenen zutiefst ungerecht“, betont Oberbürgermeisterin Katja Dörner. „Wir wollen uns in Bonn auf den Weg zu einer sozialen und klimagerechten Gesellschaft machen und bis spätestens 2035 klimaneutral sein. Die Reduktion der Lebensmittelverschwendung spielt hier eine wichtige Rolle.“ Gemeinsam mit lokalen Initiativen und Vereinen setze sich die Stadt für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln ein und fördere im Rahmen ihrer Aktivitäten als Bio-Stadt Begegnungen mit Akteuren der nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft, so die Oberbürgermeisterin.

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