Arbeitslosenprojekt Ausgemusterte Computer als Jobmotor

Bonn · Welcher Arbeitslose kann sich einen Computer leisten? Das Jobcenter Bonn und der Verein für Gefährdetenhilfe haben ein Projekt gestartet, ausgemusterte PC zu reparieren und sie Arbeitslosen für die Jobsuche zur Verfügung zu stellen.

 Projektleiter Guido Schori (l.) nimmt mit einem Teilnehmer des Arbeitsprojekts „Digital Dabei“ einen PC auseinander.

Projektleiter Guido Schori (l.) nimmt mit einem Teilnehmer des Arbeitsprojekts „Digital Dabei“ einen PC auseinander.

Foto: Sebastian Flick

Erfolgreich angelaufen ist das neue Arbeitsprojekt „Digital Dabei“. Nach dem Start im Sommer ziehen das Jobcenter Bonn und der Verein für Gefährdetenhilfe ein positives Resümee. „Seit Projektbeginn im Juli wurden über 200 PCs gespendet und repariert“, berichtet Christian Brauns. Zusammen mit Guido Schori leitet er die neue PC-Werkstatt, in der Langzeitarbeitslose PCs oder andere gespendete digitale Endgeräte reparieren, um sie anschließend arbeitslosen Personen für die Jobsuche und die Online-Bewerbung zur Verfügung zu stellen.

Sechs Tage die Woche sind die Teilnehmer der sogenannten „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“ in den Werkstatt-Räumen des Vereins für Gefährdetenhilfe an der Ennemoserstraße im Einsatz: Sie nehmen jeden PC auseinander, der ihnen in die Hände fällt. Die Computer werden zunächst demontiert und in Einzelteile zerlegt, um zu prüfen, welche Teile recycelt werden können.

Anschließend werden die PCs mit den erforderlichen Programmen ausgestattet, um sie später für die Jobsuche nutzen zu können. „In ein bis eineinhalb Stunden bringen wir einen Rechner in der Regel wieder ans Laufen“, berichtet Schori. Ist die Arbeit in der Werkstatt abgeschlossen, wird das Jobcenter Bonn aktiv: Die Mitarbeiter stellen Arbeitssuchenden einen sogenannten Bezugsschein aus, mit dem sie einen der wieder funktionstüchtigen PCs abholen und mit nach Hause nehmen können.

Computerkenntnisse sind Zugang zur Arbeitswelt

Das Projekt ist gleich in dreierlei Hinsicht effektiv: Die Kursteilnehmer können ihre PC-Kenntnisse anwenden und ausbauen und werden so bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützt. Anderen Jobcenter-Kunden wird eine Teilhabe an der Arbeitswelt ermöglicht, indem sie mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Und drittens: Mit dem Recyceln von Computerteilen trägt das Projekt zur Müllvermeidung bei und schont Ressourcen. Da ein großer Teil der Arbeitssuchenden, die einen PC erhalten, im Umgang mit diesem noch wenig Erfahrung haben, erhalten sie von Brauns und Schori eine Ersteinweisung.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt „Digital Dabei“, nachdem das Jobcenter Bonn aufgrund der Corona-Pandemie für den Kundenverkehr schließen musste. „Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, was wir trotz der Schließung für unsere Kunden tun können“, berichtet Markus Waschinski, Pressesprecher des Jobcenters. So kam man auf die Idee, die Kunden mit PCs und Laptops auszustatten, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, von zu Hause aus nach einer neuen Stelle suchen und sich auf diese bewerben zu können.

Beschäftigungsmodell basiert auf PC-Spenden

Auf der Suche nach einem Kooperationspartner wurde das Jobcenter beim Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) fündig. „Uns war gleich klar, dass das Projekt super zu unserem Verein passt, daher haben wir die Idee gerne aufgegriffen“, sagt Joachim Krebs, Geschäftsführer des Vereins für Gefährdetenhilfe.

Die Projektteilnehmer erwartet ein umfangreiches Beschäftigungsfeld: Sie telefonieren mit PC-Spendern, um Abholzeiten zu terminieren, fahren zu den Spendern, um die PCs abzuholen und reparieren diese schließlich. „Die Förderdauer ist auf sechs Monate begrenzt, kann aber um sechs weitere Monate verlängert werden“, erklärt Betina Fredebeul, Leitung Fachbereich Arbeit beim Verein für Gefährdetenhilfe.