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"Ich. Du. Wir. Gemeinsam stark": Ausstellung von Bonner Fotografen Kolja Matzke

"Ich. Du. Wir. Gemeinsam stark" : Ausstellung von Bonner Fotografen Kolja Matzke

Es ist ein erklärtes Anliegen der Bonner Lebenshilfe, dem Thema Inklusion eine stärkere Öffentlichkeit zu verschaffen. Beim Herbstfest, das der rund 600 Mitglieder zählende Verein feierte, wurde auch die Ausstellung des Bonner Fotografen Kolja Matzke, „Ich. Du. Wir. Gemeinsam stark“, eröffnet.

„Um gesehen zu werden, muss man sich zeigen“, sagte Vorstandsvorsitzender Wilhelm Eppstein in der Begrüßung der rund Hundert Festgäste, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Menschen mit und ohne Behinderung. In unserer durch Medien geprägten Zeit brauche man starke Bilder, um als Stiftung wahrgenommen zu werden. Mit Matzkes Fotografien, die im Flur der Geschäftsstelle an der Kessenicher Straße hängen, dürfte dies gelungen sein. Die Bilder unterscheiden sich deutlich von den meist kontrastreich und farbreduziert bearbeiteten Fotografien, die auf diese Weise künstlerisch der Realität enthoben, oft von Menschen mit Behinderung zu sehen sind.

Matzkes Momentaufnahmen ziehen den Betrachter über die Natürlichkeit der Abgebildeten in ihren Bann. Man sieht hin, wo sonst eher weggeschaut wird. Matzke setzt nicht auf die effektreichen Standards künstlerischer Nachbearbeitung, sondern dokumentiert mit einer nahezu als fröhlich zu bezeichnenden Farbigkeit eine Realität , bei denen sich jede Scheu der Betrachtung von behinderten Menschen verliert. Die betroffene Stille, wie sie oftmals bei der Ausstellung von Bildern behinderter Menschen zu beobachten ist, war schon bei der Vernissage der Matzke-Bilder als gut gelaunter Dialog zwischen Dargestellten und den Besuchern zu erleben. Zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.

Gefunden hat Matzke seine Motive in Einrichtungen der Lebenshilfe: in der Kita „Wundertüte“ in der Südstadt, bei einem Grillfest im Marga-Loenertz-Haus in Bornheim, auf einem Reiterhof im Siebengebirge oder auch auf dem belebten Quirinusplatz. Durch seine besondere Bildsprache erscheinen auf den Bildern von Matzke die Blinden sehend und Behinderungen werden nicht mehr als solche wahrgenommen. Ihm gelingt sein konzeptueller Ansatz, gelebte Inklusion darzustellen.

„Die erste Berührung mit dem Thema hatte ich als Zivildienstleistender“, erzählt der 45-jährige Fotograf. Damals habe er drei Stunden im Rollstuhl sitzen müssen und die Welt neu wahrgenommen. „Diese Übung hat mir etwas fürs Leben gezeigt.“ Er ist davon überzeugt, dass seine Bilder nur durch eine hohe Empathie zu den Abgebildeten entstehen konnten: „Ich wollte Inklusion festhalten. Zeigen, wie wir alle miteinander Spaß haben können.“

Die Fotoausstellung„Ich. Du. Wir. Gemeinsam stark“ von Kolja Matzke ist bis Ende nächsten Jahres in der Geschäftsstelle der Lebenshilfe, Kessenicher Straße 216, zu sehen. Jeweils von Montag bis Freitag von acht bis 16.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.