Nach Klebeaktion auf der B9 Aktivisten der Letzten Generation kommen vor Gericht

Bonn · Sieben Aktivisten der Letzten Generationen haben für gut anderthalb Stunden am 15. Juni die Helmut-Kohl-Allee in Bonn blockiert. Nun kommen sechs von ihnen vor Gericht.

Klimaaktivisten haben sich auf eine Straße gesetzt und dort festgeklebt (Symbolbild).

Klimaaktivisten haben sich auf eine Straße gesetzt und dort festgeklebt (Symbolbild).

Foto: dpa/Nadine Weigel

Sieben Aktivisten der Letzten Generation mussten nach einer Klebe-Blockade am 15. Juni dieses Jahres bereits 22 Stunden im Gewahrsam der Bonner Polizei verbringen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, und sechs von ihnen müssen sich im kommenden April wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung vor einem Bonner Amtsrichter verantworten. Das Verfahren gegen den siebten Beteiligten wurde vorläufig eingestellt.

Gut anderthalb Stunden hatten die Aktivisten im vergangenen Sommer die wichtige Bonner Verkehrsader zwischen dem Bundesviertel und der Innenstadt blockiert: Zwischen 11.01 Uhr und 12.40 Uhr klebte sich das Sextett der Letzten Generation auf den vier Fahrspuren der Helmut-Kohl-Allee in Fahrtrichtung Bundeskanzlerplatz fest.

Taxi-Fahrgast war auf dem Weg zur Chemotherapie

Die Männer im Alter zwischen 28 und 73 Jahren wollten laut Anklage gegen die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen hinsichtlich der Klimakatastrophe protestieren. Der 15. Juni war der letzte Tag der sogenannten „Kleinen Klimakonferenz“, mit der in Bonn die aktuell noch bis zum 12. Dezember laufende Weltklimakonferenz in Dubai vorbereitet wurde. Durch die Protestaktion bildete sich ein langer Rückstau, in dem sich auch ein Taxi mit einem krebskranken Fahrgast befand. Die Frau sah sich laut Anklage gezwungen, sich um ein Ersatz-Taxi zu bemühen, damit sie einen Termin zur Chemotherapie rechtzeitig wahrnehmen konnte.

Weil die Aktivisten die Fahrbahn nicht freiwillig räumen mochten, löste die mittlerweile eingetroffene Polizei die nicht angemeldete Versammlung auf. Sie würden im Anschluss in Gewahrsam genommen, ließen die Beamten die Aktivisten wissen. Bis dahin dauerte es allerdings noch eine Weile: Die Polizisten versuchten mit Speiseöl und Holzspateln die auf der Fahrbahn festgeklebten Hände von vier Beteiligten zu lösen; die drei anderen Männer hatten sich mit diesen nur an den Händen verklebt, um im Notfall Einsatzfahrzeugen den Weg freimachen zu können.

Der 29-Jährige, der sich mit der rechten Hand auf der linken Spur festgeklebt hatte, schüttete allerdings wiederholt Sand auf das Öl, um das Ablösen zu verhindern, und alle Beteiligten weigerten sich aufzustehen. Die angeklagten Tatbestände können theoretisch mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden, realistischer dürften aber Geld- oder Bewährungsstrafen sein.

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