1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bahnfahren und Corona: Wie Pendler das Bahnfahren in Bonn und Region erleben

Mobilität in Bonn und der Region : So erleben Pendler das Bahnfahren während Corona

Pendler, die während der Corona-Krise mit Zügen und Straßenbahnen in Bonn und der Region unterwegs sind, haben es derzeit schwer. Während die DB ein neues Reinigungskonzept vorstellt, beklagen Kundinnen, der Mindestabstand sei nicht einzuhalten. GA-Leser schildern unterschiedliche Eindrücke.

Zahlreiche Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben mittlerweile dafür gesorgt, dass das Alltagsleben in Teilen wieder einigermaßen normal abläuft - wenn auch immer noch unter besonderen Bedingungen. So sind zum Beispiel Pendler, die mit Regionalzügen und Straßenbahnen unterwegs sind, noch einigen Einschränkungen ausgesetzt. Allen voran: das Tragen von Mund-Nase-Schutz und Abstandhalten.

Eine Berufspendlerin hat den GA auf Twitter darauf hingewiesen, dass es allerdings am frühen Mittwochabend im Zug des RE5 zwischen Köln und Bonn so voll gewesen sei, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden konnte. In ihrem Post, in dem die 60-Jährige ihren Ärger äußert, fragt sie auch die Deutsche Bahn (DB), ob in einem solchen Fall die 1. Klasse von allen Kunden genutzt werden dürfe. Die Antwort der Bahn ist eine Absage: „Wenn der Zug zu voll ist, bleibt dir nur, auszusteigen und den nächsten zu nehmen.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Liebe Frizanta, die Abteile der 1. Klasse sind den Fahrgästen mit Tickets der 1. Klasse vorbehalten. Wenn der Zug zu voll ist, bleibt dir nur, auszusteigen und den nächsten zu nehmen. 😕 /da</p>&mdash; Deutsche Bahn Personenverkehr (@DB_Bahn) <a href="https://twitter.com/DB_Bahn/status/1268221164108857347?ref_src=twsrc%5Etfw">June 3, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Twitter. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Diese Rückmeldung empfand die Kundin, die nach eigener Aussage zur Corona-Risikogruppe gehört, als eine „ziemliche Unverschämtheit“, erzählt sie dem GA. „Das heißt also, als Berufspendler, der abends schnell nach Hause möchte, habe ich entweder die Möglichkeit, auf den nächsten oder übernächsten Zug zu warten, die vermutlich genauso voll sind, oder man begibt sich in ein Risiko.“

Zwar bekomme man in der Regel immer einen Sitzplatz im Zug, allerdings nicht immer mit genügend Freiraum. Neulich habe sich sogar ein Fahrgast direkt neben sie in eine Zweiersitzreihe gesetzt. „Da ist dann nichts mehr mit Mindestabstand.“ Was sie besonders stört: „Auf Twitter habe ich auch Bonner Politiker auf das Problem angesprochen. Die verweisen mich an die Bahn. Diese wiederum sagt, ich soll mich an die Politiker wenden. Als Bürgerin ärgert mich das.“

DB will mit Reinigungskonzept Kunden zurückgewinnen

Am selben Tag, an dem die Kundin ihren Twitter-Post absetzte, stellte die DB in Düsseldorf ein „maßgeschneidertes Reinigungskonzept“ vor, mit dem sie in der Corona-Zeit Kunden zurückgewinnen will. „Wir arbeiten kräftig daran, das Vertrauen der Menschen auch in einer Pandemie aufrechtzuerhalten“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst am Mittwoch. So sei der Düsseldorfer Hauptbahnhof der erste Bahnhof in NRW, der eine UV-Licht-Anlage in einigen Rolltreppen eingebaut habe. Mit dieser neuen Technik werden nach Bahn-Angaben Viren und Bakterien mithilfe des UV-Lichts abgetötet, so dass die Handläufe keimfrei seien. Noch seien aber nicht alle Rolltreppen mit der Technik ausgestattet.

Auf Nachfrage des GA wies die DB darauf hin, dass eine Freigabe der 1. Klasse wegen der unterschiedlichen Tickettarife nicht so einfach möglich sei, außerdem in Regionalbahnen kaum zusätzlichen Platz bieten würde. Darüber hinaus sei laut den Richtlinien des Landes NRW in Bahnen das Abstandhalten zwar dringend gewollt, allerdings nicht verpflichtend. In Situationen, in denen aus Platzgründen der Abstand nicht gehalten werden könne, müssten die allgemeinen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts umso strenger umgesetzt werden, erklärt eine Bahnsprecherin.

Der Regionalexpress RE5 zwischen Wesel und Koblenz wird von National Express betrieben. Das Unternehmen hat auf mehrere Anfragen des GA seit Donnerstag bislang nicht reagiert.

Pendler schildern unterschiedliche Eindrücke

Gerade in einer solchen Ausnahmesituation wie der Corona-Krise ist das Meinungsbild von sehr subjektiven Eindrücken geprägt. Das Bild von, an Corona-Maßnahmen gemessen, überfüllten Bahnen kann beispielsweise ein anderer Bahnfahrer dem GA gegenüber nicht bestätigen. Um vom Kölner Süden nach Bonn zu kommen, nutzt er regelmäßig die Straßenbahnlinie 18 der KVB oder die Züge des Regionalverkehrs RE5, RB48 und RB26. „Ich finde, die Bahnen sind nicht voll, man kann gut Abstand halten“, erzählt er. Auch habe er bisher noch kein Gedränge gesehen oder zwei Fahrgäste, die sich nebeneinander setzen mussten, weil kein anderer Platz mehr frei war. Doch so leer wie noch vor einigen Wochen seien die Bahnen definitiv nicht mehr. „Ich fahre aber auch nicht zu Stoßzeiten, sondern so gegen zehn Uhr oder abends relativ spät“, fügt er hinzu.

Auch eine weitere Pendlerin widerspricht eher dem Twitter-Post, als dass sie zustimmt. „In Zügen hatte ich bisher immer eine Sitzreihe für mich allein und konnte so gut Abstand halten“, erzählt sie. Viele Kunden laufen so lange weiter durch die Waggons, bis sie einen Platz mit ausreichend Freiraum finden. Was ihr allerdings auffällt: „Wenn mir Leute zu nahe kommen, dann vor allem in Straßenbahnen. Das liegt dann aber weniger daran, dass zu wenig Platz ist. Sondern eher daran, dass die Menschen zu wenig aufpassen.“ Auch sie pendelt mit Zug und Straßenbahn zwischen Köln und Bonn, allerdings hauptsächlich am Wochenende.

Eine Pendlerin aus Frechen ist gespannt, ob sich die Menschen im Sommer bei warmen Temperaturen an die Maskenpflicht halten: „Ich sehe das eher kritisch und werde mich überraschen lassen, ob die Leute darauf achten.“ Im April und Mai war sie für ihre Arbeit im öffentlichen Dienst in Bonn auf das Auto umgestiegen. Vieles lief auch über das Home Office. Bald möchte sie die Strecke aber wieder mit dem RB48 fahren, der vom National Express betrieben wird - und in dem an sich immer viel los sei.

Während der Corona-Einschränkungen hatten die Zugbetreiber ihre Fahrpläne reduziert. Das Unternehmen National Express, das neben dem RB48 mitunter die Linie RE5 betreibt, ist bereits seit Anfang Mai wieder regulär nach Plan unterwegs. Und auch das Fahrplanangebot des Regionalverkehrs der Deutschen Bahn kommt aktuell laut eigenen Angaben im bundesweiten Durchschnitt wieder auf 95 Prozent.

(Mit Material der dpa)